Alarmierender Rückgang der geförderten Qualifizierung

Zuerst die gute Nachricht: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im August - wie für die Jahreszeit üblich - leicht gesunken. In dem zu Ende gehenden Monat seien 3,196 Millionen Arbeitslose registriert gewesen, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) heute in Nürnberg mit. Dies seien 14.000 weniger gewesen als im Juli und 510.000 weniger als im August vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sei um 0,1 Punkte auf 7,6 Prozent gesunken, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

28.08.2008 Pressemeldung Bundesverband der Träger beruflicher Bildung e.V. (BBB)

Nun die alarmierende Nachricht: Nach der aktuellen Förderstatistik ist der Bestand der Personen, die sich in einer beruflichen Qualifizierung der BA befinden, im August auf dem niedrigsten Stand in diesem Jahr. Dies verdeutlicht folgende Grafik:

Im August haben 29.429 Personen eine berufsqualifizierende Maßnahme begonnen, das sind gut 19 % weniger als im Vormonat. Auf die beiden Rechtskreise verteilt ergibt sich folgendes Bild:
SGB II: 13.479 (= 21,5 % weniger als im Vormonat)
SGB III: 15.950 (= ca. 17 % weniger als im Vormonat).

Der Bildungsverband erkent angesichts dieser Entwicklung eine deutliche Diskrepanz in den Äußerungen der BA-Spitze. Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt erklärte heute: "Die positive Grundtendenz am Arbeitsmarkt hält an. Von der Abschwächung der konjunkturellen Dynamik zeigt sich der Arbeitsmarkt bisher unbeeindruckt". Wieso nimmt dann der Bereich der beruflichen Weiterbildung als Arbeitsmarktsinstrument so beständig ab, wenn das gilt, was Heinrich Alt noch vor Jahresfrist in einem Interview geäußert hatte: "Jetzt hat die Konjunktur angezogen. Wir können also mit Weiterbildung heute mehr erreichen als in den vergangenen Jahren. Deswegen tun wir dort erheblich mehr. Grundsätzlich brauchen wir in Deutschland mehr Weiterbildung".

Der BBB-Vorsitzende Siegfried Schmauder stellte heute enttäuscht fest: "Unsere Hoffnung, die wir noch zu Jahresbeginn hatten, dass jetzt Beständigkeit in die Qualifizierungsaktivitäten der Arbeitsagenturen und ARGEN kommt, hat sich nicht erfüllt. Offensichtlich hat sich bei den Arbeitsagenturen immer noch nicht die Erkenntnis durchgesetzt, dass Qualifizierung ein effizientes und Erfolg versprechendes Arbeitsmarktinstrument darstellt. Angesichts dieser alarmierenden Entwicklung müssen wir feststellen, dass wir von einer Verstetigung der Förderung heute genau so weit entfernt sind wie vor einem Jahr", so der BBB-Vorsitzende zu den aktuellen Zahlen der BA.

Gleichzeitig warnte er davor, die Arbeitsmarktzahlen als Argument für eine weitere Absenkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung zu verwenden. "Das Damoklesschwert des Fachkräftemangels hängt immer noch über uns, und gegen Fachkräftemangel wirkt nachweislich nur ein Mittel: Qualifizierung. Darum müssen überschüssige Mittel nach unserer Überzeugung unbedingt in diesem Bereich eingesetzt werden."


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