Einsatz von E-Learning in deutschen Großunternehmen
(red/pm) Mit dem Ziel, die Nutzung von eLearning in deutschen Großunternehmen zu erheben und die wichtigsten Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für diese – immer noch neue – Lernform zu ermitteln, hat das MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung im Auftrag des BITKOM e.V. eine telefonische Befragung unter den deutschen Top 500-Unternehmen durchgeführt.
30.04.2010 ArtikelInsgesamt wurden für diese Studie 90 Interviews geführt, darunter 53 erweiterte Interviews mit Personalverantwortlichen in Unternehmen, die eLearning bereits einsetzen oder dies konkret planen. Die Interviews erfolgten als CATI-Interviews (Computer Assisted Telephone Interviews) und wurden vom Hamburger Telefonstudio des PSEPHOS-Instituts durchgeführt.
Der vorliegende Schlussbericht zeigt nach einem kurzen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse ("Management Summary") detailliert die Befunde zu folgenden Themenfeldern:
- Nutzung von eLearning
- Ausgaben für eLearning
- eLearning-Einsatz – Themengebiete und Lernformen
- eLearning-Einsatz – Verantwortlichkeiten, Vorteile und Perspektiven
- Rahmenbedingungen für eLearning.
Die Ergebnisse in der Zusammenfassung:
- Zum Erhebungszeitpunkt (Januar 2009) wird eLearning bereits in deutlich mehr als der Hälfte (55%) der Top 500-Unternehmen systematisch genutzt. Eine Reihe weiterer Unternehmen steht kurz davor, eLearning in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung einzuführen (5% konkrete Planungen, 8% längerfristig geplant).
- Die Ergebnisse belegen damit, dass eLearning die Pilotphase verlassen hat und in der Mehrheit der deutschen Großunternehmen zur Selbstverständlichkeit geworden ist: Mehr als zwei Drittel der Anwender setzen eLearning inzwischen im gesamten Unternehmen ein und nicht nur in einzelnen Niederlassungen. Ebenfalls mehr als zwei Drittel sind schon seit mindestens vier Jahren dabei.
- Der Teil der Unternehmen, die eLearning-Angebote für alle Mitarbeiter des Unternehmens (100 %) – und nicht nur für Teile der Belegschaft – vorsehen, ist in den letzten acht Jahren gestiegen und liegt jetzt bei 13 Prozent.
- Die anderen Unternehmen fokussieren sich stärker auf bestimmte Zielgruppen, allen voran Sachbearbeiter, Führungskräfte und Auszubildende. Damit werden auch sehr unterschiedliche Hierarchiestufen abgedeckt.
- eLearning wird nicht "von der Stange" gekauft, sondern es überwiegen die zielgruppenspezifischen Angebote. Darunter sind auch solche Gruppen wie ungelernte oder ältere Mitarbeiter ("50 plus"), für die auf dem Markt kaum spezifische Angebote bereitgehalten werden.
- Nicht für den Kauf von Lerninhalten, sondern für den Erwerb von eLearning-Software wird das meiste Geld ausgegeben – ein klarer Hinweis darauf, dass große Unternehmen ihre eLearning-Inhalte überwiegend selbst erstellen. Die eLearning-Dienstleister haben die hierfür erforderlichen Tools inzwischen bereitgestellt. Ein etwas geringerer Teil der Ausgaben betrifft Programmierungs- und Anpassungsdienstleistungen sowie Hardware.
- Als Motive für die Einführung von eLearning nennen die HR-Verantwortlichen in den befragten Unternehmen die höhere Flexibilität sowie das selbstgesteuerte, eigenverantwortliche Lernen. Diese Qualitätsargumente rangieren deutlich vor den harten Motiven Kosten- und Zeitersparnis, die aber immerhin noch von knapp zwei Dritteln aller Befragten geäußert werden.
- Genutzt werden vor allem die "klassischen" Lernformen des eLearnings wie "WBT", "CBT" und "Blended Learning" sowie Kombinationen aus WBT und CBT.
- eLearning 2.0 (abgefragt wurden Virtuelle Klassenräume, Lerner-Communities, Wikis/Weblogs, Podcasts/Videocasts) ergänzt das klassische Lernangebot für die betriebliche Weiterbildung. Schon ein Drittel der Unternehmen setzt Wikis und Weblogs für das selbstgesteuerte Lernen ihrer Mitarbeiter ein. Gerade diese Formen fördern das eigenverantwortliche Lernen sowie die Content-Erstellung durch die Mitarbeiter selbst.
- Web 2.0-Formen werden eher von frühen Nutzern (Einstieg im Jahr 2000 oder früher) eingesetzt, während die Späteinsteiger stärker auf konventionelle Formen (Web 1.0) setzen. Der Einstieg in das betriebliche eLearning erfolgt somit in der Regel über "klassische" Formen des computergestützten Lernens.
- Web 2.0-Lernformen werden von Unternehmen vor allem dann verwendet, wenn bestimmte (Web 2.0-affine) Zielgruppen, z.B. Führungskräfte oder Auszubildende, adressiert werden. Führungskräfte sind durch ihren meist akademischen Hintergrund an informelles Lernen gewöhnt und haben auch Erfahrungen in der Nutzung von sozialen Netzwerken. Auszubildende haben als "Digital Natives" bereits langjährige Erfahrungen mit Chats, Foren und Simulationsspielen.
Die detaillierten Befunde können hier heruntergeladen werden (PDF).
Keine Kommentare vorhanden