"Flexible Arbeitsreserve und Handlanger"
(bikl) Der Ausbildungsnotstand mit rund 150.000 fehlenden Ausbildungsplätzen führt nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds zu einem schleichenden Qualitätsabbau. Weil sie froh sind, überhaupt einen Ausbildungsplatz gefunden zu haben, nehmen die Auszubildenden zunehmend schlechte Ausbildungsbedingungen in Kauf. Das ist eines der Ergebnisse des Ausbildungsreports 2006, den der DGB heute vorstellte.
26.10.2006 Artikel"Die beste Ausbildung erhalten die IT-Systemelektroniker/innen, Fachinformatiker und Mechatroniker - also Auszubildende in hochqualifizierten, spezialisierten Berufen. Die schlechteste Ausbildung erhalten die Auszubildenden in freien Berufen sowie die Werbekaufleute“, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Besonders schlecht schnitten auch die Wachschutzbranche und das Hotel- und Gaststättengewerbe ab. „Grundsätzlich zeichnet sich ab: Die Ausbildung in der Industrie und in Großbetrieben ist besser als in kleineren Betrieben. Sie ist schlechter, wo die Gewerkschaften keinen Einfluss haben und wo es keine Betriebsräte gibt.“
Viele Azubis, so der Report, sehen sich selbst als flexible Arbeitsreserve und Handlanger. Sie leisten viele Überstunden, werden nicht richtig angelernt, sind häufig mit ausbildungsfernen Tätigkeiten betraut, und werden auf diese Weise zum Nutzen ihres Betriebes ausgenutzt. Gerade einmal 54 Prozent der Befragten gaben an, ihr Ausbilder stehe ,häufig' zur Verfügung. 20 Prozent sagten, das sei ,selten' bis ,nie' der Fall. Überstunden sind in vielen Branchen zur Regel geworden, was zur Folge hat, dass die Zeit zum Lernen knapp wird.
Auszubildende mit einem betrieblichen Ausbildungsplatz sind offensichtlich besser dran als solche mit einem außerbetrieblichen Ausbildungsplatz. Insbesondere dann, wenn es eine betriebliche Interessenvertretung gibt. Die Auszubildenden im Betrieb lernen von erfahrenen Kollegen und können in schwierigen Situationen auf die Hilfe von Betriebs- und Personalrat zurückgreifen. Außerdem werden sie durchweg besser bezahlt. Sie verdienen durchschnittlich 605 Euro gegenüber 377 Euro für die außerbetrieblichen Auszubildenden. Diese fühlen sich daher häufig als Azubis 2. Klasse.
Sehrbrock forderte, die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Die verantwortlichen Kontrollinstanzen wie zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern müssten Betriebe bestrafen, die ihre Pflichten vernachlässigen. Von entscheidender Bedeutung sei aber, die Zahl der Ausbildungsplätze zu steigern.
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Ausbildungsreport 2006 (pdf)
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