Stress und Burnout: "Zusammenspiel von individuellen, sozialen und arbeitsbezogenen Faktoren"
(red) In unserer Reihe Tipps vom Trainer erläutert die Ärztin und Beraterin Dr. Marion Dunkel, wie Unternehmen und Mitarbeiter mit dem immer größer werdenden Problem ´Stress` umgehen können.
20.02.2013 ArtikelFrau Dunkel, die neuesten Zahlen sind deutlich: Jeder zweite Beschäftigte leidet häufig unter starkem Termin- und Leistungsdruck. Das geht aus dem "Stressreport 2012″ hervor. Sie wissen aber, wie Arbeit in Balance funktionieren kann. Verraten Sie uns das?
Marion Dunkel: Es bedeutet, dass die Arbeitsanforderungen im Gleichgewicht mit den Potentialen des Mitarbeiters stehen sollten. Denn wenn ein Missverhältnis zwischen den mitarbeiterbezogenen Potentialen und den arbeitsbezogenen Anforderungen besteht, kann das Gefühl von Stress entstehen. Dann lohnt es sich, beide Seiten, die mitarbeiter- wie auch arbeitsbezogene Seite, auf mögliche Verbesserungen hin zu überprüfen. Untersuchungen zeigen, dass bei der Kombination von Maßnahmen auf diesen beiden Seiten der größte Benefit zu erzielen ist. Welche das sind, hängt von dem Unternehmensbereich, den Arbeitsbedingungen, dem finanziellen Rahmen und dem Wunsch der Beschäftigten und der Unternehmensführung ab. Es sollte daher sorgfältig geprüft und individuell ausgewählt werden. Beispielweise kann eine Bereitstellung eines Ruheraums und eine damit verbundene Minipausenregelung von Arbeitgeberseite erfolgen. Weitere Faktoren wie Größe des Handlungsspielraums, Art des Führungsverhaltens, Anzahl der Arbeitsunterbrechungen oder Qualität des Arbeitsklimas gelten mittlerweile als bewiesen. Neuere Untersuchungen belegen, dass bereits ein Verzicht auf demotivierende Faktoren zu besseren Ergebnissen führt.
Gibt es außerdem auch ganz einfache Tricks für denjenigen, der sich gestresst fühlt?
Marion Dunkel: Je nach Persönlichkeit kann der Mitarbeiter unterschiedliche Möglichkeiten nutzen. Das ist sehr typabhängig. Menschen die sich gern körperlich bewegen, finden Entspannung in der Bewegung, andere gehen in die innere Bewegung, also die Achtsamkeit nach innen. Dies soll jedoch nicht davon ablenken, dass es sich bei Belastungen in der Arbeit in den meisten Fällen um ein Zusammenspiel von individuellen, sozialen und auch arbeitsbezogenen Faktoren handelt. Dies bedeutet, dass je nach Ausprägung und Zusammensetzung der jeweiligen Belastungen ganz unterschiedliche Maßnahmen wirkungsvoll eingesetzt werden können.
Gerade Lehrer sind besonders von Burnout und Stress betroffen. Gibt es für diese Gruppe besondere Empfehlungen?
Marion Dunkel: Leider passt das Image der Lehrer in der Öffentlichkeit oftmals nicht zu dem Wert und der Wichtigkeit ihrer Aufgabe, die sie innehaben. Doch nicht nur das Missverhältnis zwischen Wertigkeit und Ansehen spiegeln Spannungsfelder im beruflichen Alltag der Lehrer wider. Auch die unterschiedlichen Erwartungen von Eltern- und Schülerseite, die eigenen Ansprüche an sich selbst, das Arbeitsklima innerhalb der Schule und die im Lehrplan zur Verfügung stehendenden Möglichkeiten können nur sehr schwer in Einklang gebracht werden. Ein Lehrer kann also im Zentrum von vielen Spannungen stehen. Es kommt darauf an, wie sehr betroffen und angreifbar er sich dadurch fühlt. Einige Lehrer schalten verständlicherweise in dieser Situation innerlich ab. Aber auch hier gilt, dass jeder lernen kann, sich vor den Auswirkungen der Spannungen auf den eigenen Organismus zu schützen. Am effektivsten wäre es, bereits in der Ausbildung potentiell konfliktträchtige Situationen zu thematisieren und alternative Wege des Umgangs zu erarbeiten. Als eine der wichtigsten Akutmaßnahmen halte ich persönlich eine Supervision. Damit Schamgefühle und Versagensängste die Betroffenen nicht daran hindern, eine Unterstützung in Anspruch zu nehmen, sollte dieser Kontakt anonymisiert erfolgen. In der Supervision kann dann ein individuelles Vorgehen besprochen werden.
Dazu auf der didacta
TrainerCenter-Forum
Arbeit in Balance – langfristiger Erhalt von Lebensfreude und Arbeitsfähigkeit
23.02.2013, 14:00 – 15:00 Uhr, Konferenzraum 3, Congress Centrum Ost Arbeit in Balance strebt die Fähigkeiten für eine gesunde und erfolgreiche Bewältigung beruflicher Herausforderungen an. Auf die jeweiligen Mitarbeiter abgestimmte Maßnahmen führen zu einem neuen inneren Gleichgewicht. Belastungen können dabei wirkungsvoll abgebaut werden. Auch die Arbeits- und Lebensfreude wird aktiv gefördert und dadurch die Unternehmensentwicklung gestärkt.Arbeit in Balance unterstützt das Unternehmen, in Gesundheit, Kompetenzen und Fertigkeiten von Mitarbeitern zu investieren. Es können nach individuellem Wunsch unterschiedliche Ebenen und Konzepte ausgewählt werden.
Referentin: Dr. Marion Dunkel, ADOLORES – Praxis für ganzheitliche Schmerz- und Stressbewältigung Ärztin, Coach & Managementtrainerin, DEAA
Forum Wirtschaft und Weiterbildung
Trainingspraxis: Schaffensfreude- Der Weg zu mehr Erfüllung im Beruf
20.02.2013, 15:00 – 15:55 UhrMitten im Alltag freudig und sinnerfüllt arbeiten? Das geht. Ulrike Scheuermann zeigt Ihnen, wie Sie und diejenigen, mit den Sie arbeiten, an ihre ursprüngliche Schaffensfreude anknüpfen und wieder motiviert, eigenwillig und im Fluss arbeiten können, jenseits von Frustration und Burn-out: Schaffensfreude ist der Gegenspieler zum Dienst nach Vorschrift, zum Klagen und Schimpfen. Sie arbeiten mit Freude und Vorfreude fokussiert auf ein Ziel hin – Ihr Werk. Sie schaffen (wieder) hoch produktiv und erfolgreicher. Das wirkt sich nicht nur im Job, sondern auf das ganze Leben aus – und wird zur inneren Haltung. So reißen Sie auch andere mit: Teilnehmer und Kunden, Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte, Angehörige und Freunde. Denn Sie wirken kraftvoll und inspirierend: Schaffensfreudige Menschen leuchten.
Referentin: Ulrike Scheuermann, Sachbuchautorin, Psychologin und Rednerin
Forum Unterrichtspraxis
Lehrergesundheit erhalten – Methoden zu Belastungsreduktion und mehr Unterrichtsqualität
21.02.2013, 10:30 – 11:30 UhrMit den hohen Erwartungen an die Lehrerinnen und Lehrer bleiben schwere Erschöpfungszustände weiterhin die gesundheitliche Bedrohung Nummer eins. Der Vortrag zeigt Methoden, die den Unterrichtsalltag erfolgreicher machen und die Gesundheit stärken. Dabei wird konsequent der Standpunkt der Lehrperson eingenommen. Es zeigt sich, dass eine Belastungsreduktion der Lehrerinnen und Lehrer sehr wohl mit einer Hebung der Qualität des Unterrichts einhergehen kann. Es wird besprochen, wie man als Teil einer sehr heterogenen Lehrerschaft das Klima an der Schule verbessern kann. Entärgerungsstrategien werden exemplarisch vorgestellt. Aber auch Ideen zur Behauptung des sozialen Status in der Gesellschaft.
Referent: Nikolaus Kirstein, Vienna Business School Hamerlingplatz
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