Unternehmer ausländischer Herkunft veröffentlichen Appell für Ausbildung

Die wachsende Wirtschaftskraft von Betrieben ausländischer Unternehmerinnen und Unternehmer soll verstärkt zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze genutzt werden. Vertreterinnen und Vertreter von 14 deutsch-ausländischen Unternehmervereinen vereinbarten am Mittwoch in Berlin Initiativen für mehr Lehrstellen. Gemeinsam mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, und dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, verabschiedeten sie einen Appell für mehr Ausbildung in Betrieben von Migranten.

15.09.2004 Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und Forschung

Bulmahn begrüßte die Initiative und sicherte ihre Unterstützung zu. Das große wirtschaftliche Potenzial der Migranten in Deutschland drücke sich auch in den steigenden Zahlen von Auszubildenden in ihren Betrieben aus. "Über die Chancen der betrieblichen Ausbildung für die Rekrutierung von Personal sind die ausländischen Unternehmerinnen und Unternehmer oft noch zu wenig informiert", sagte die Ministerin. Die Bundesregierung habe mit der Aussetzung der Ausbildungseignungsverordung im vergangenen Jahr eine Hürde für mehr Lehrstellen in Betrieben von Migranten beseitigt. "Besonders für die auf dem Ausbildungsmarkt benachteiligten Jugendlichen ausländischer Herkunft gibt es hier zusätzliche Chancen mit ihren besonderen sprachlichen und kulturellen Kenntnissen."

DIHK-Präsident Braun verwies auf die praktische Bedeutung der gemeinsamen Initiativen. "Ich freue mich, dass sich die ausländischen Unternehmervereine aktiv mit am Pakt für Ausbildung beteiligen. Wir brauchen vor allem noch Chancen für ausländische Jugendliche. Deshalb werben die IHKs und Unternehmervereine verstärkt bei den Vertretern der ausländischen Herkunft. Hier besteht ein großes Potenzial. Rund 50.000 Betriebe könnten erstmals ausbilden, viele andere zumindest Einstiegsqualifikationen anbieten. Mein Appell: Werden Sie Pakt-Partner!"

Der Präsident der Türkisch-Deutschen IHK, Kemal Sahin, stellte in diesem Zusammenhang sein gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestartetes Projekt für "1.000 neue Ausbildungsplätze" in Betrieben türkischstämmiger Inhaber vor. Der Vorsitzende des italienischen Unternehmervereins ciao italia, Salvatore Condipodaro, verwies auf die guten Ausbildungschancen in der Gastronomie. Ein gemeinsames Programm mit einem deutsch-kroatischen und einem deutsch-italienischen Verein werde in dieser Branche Unternehmer und Bewerber früher als bisher zusammen bringen, sagte Condipodaro.

Gleichzeitig wollen sich Vereine von ausländischen Unternehmern, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland tätig sind und das hiesige Ausbildungssystem deswegen noch nicht so gut kennen, neue Lehrstellen schaffen. Die russischstämmige Medienunternehmerin und Geschäftsführerin von Russkij Berlin, Irina Bernstein, will hier mit einer Kampagne Aufklärung schaffen. "Unternehmer, die aus Russland stammen, stehen noch ganz am Anfang ihrer Integration in die deutsche Wirtschaft. Das Ausbildungssystem ist ihnen völlig unbekannt und wir wollen dazu beitragen, dass russischsprachige Unternehmer darüber besser informiert werden."

Von 1991 bis 2003 ist die Zahl der Betriebe mit ausländischen Inhabern in Deutschland von 169.000 auf rund 280.000 gestiegen. Sie beschäftigen rund eine Million Menschen und sind in über 90 Branchen tätig, darunter besonders stark im Lebensmittelhandel, Speditionsgewerbe, Gastronomie sowie Touristik vertreten. Unter den Betrieben mit ausländischen Inhabern sind rund 38,4 Prozent ausbildungsberechtigt (Deutsche: West rund 60,5 Prozent; Ost rund 54,8 Prozent). Der Anteil der ausbildenden Betriebe an allen Betrieben beträgt bei ausländischen Inhabern rund 17,5 Prozent (Deutsch: 26,5 Prozent West und 21,3 Prozent Ost). Die Ausbildungsquote (Verhältnis Auszubildender zu Beschäftigten) liegt bei 3,2 Prozent (Deutsch: 6,1 Prozent West und 8,2 Prozent Ost).


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