1 861 junge Menschen erhielten 2006 in Baden-Württemberg vorläufige Schutzmaßnahmen
Kinder und Jugendliche, die akut gefährdet sind oder sich selbst an ein Jugendamt wenden, werden zu ihrem Schutz vorübergehend in Obhut genommen und vorläufig in einer Einrichtung oder bei einer geeigneten Person untergebracht. Wie das Statistische Landesamt feststellt, war das behördliche Eingreifen im Jahr 2006 in Baden-Württemberg in 1 861 Fällen nötig. 57 Prozent davon waren Mädchen und junge Frauen. Die Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen bildete mit 58 Prozent der Fälle den Schwerpunkt. Die deutsche Staatsangehörigkeit hatten drei Viertel der jungen Menschen. Fast 30 Prozent waren aus Familie, Heim oder Pflegefamilie ausgerissen. Erstmals seit 2001 war wieder ein Anstieg der Schutzmaßnahmen zu verzeichnen.
12.06.2007 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-WürttembergAuf eine akute Gefährdung der Kinder und Jugendlichen wurde in 32 Prozent der Maßnahmen durch soziale Dienste oder das Jugendamt hingewiesen; 26 Prozent durch die Polizei veranlasst. Knapp ein Viertel der jungen Menschen wurde auf eigenen Wunsch unter den Schutz des Jugendamts gestellt.
Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen lebte vor der Maßnahme bei den Eltern bzw. bei einem Elternteil mit Partner und 35 Prozent wuchsen bei einem allein erziehenden Elternteil auf. Hauptursache war bei fast der Hälfte aller Fälle eine Überforderung der Eltern bzw. des Elternteils. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Beziehungsprobleme mit 25 Prozent, Anzeichen von Misshandlung lagen bei 12 Prozent und Vernachlässigung bei 11 Prozent der Maßnahmen vor. Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen wurden vorübergehend in einem Heim untergebracht, ein Viertel fand Schutz bei einer geeigneten Person. Neben der Erfüllung von materiellen Grundbedürfnissen wie Unterkunft und Verpflegung stehen sozialpädagogische Beratung und Unterstützung im Vordergrund der vorläufigen Schutzmaßnahme. Zusammen mit den jungen Menschen und eventuell mit ihren Angehörigen werden Zukunftsperspektiven entwickelt, zu denen auch eine anschließende Hilfeleistung im Rahmen des weiteren Aufenthalts in einer Einrichtung oder ambulante erzieherische Hilfen gehören kann. Nur 9 Prozent der jungen Menschen erhalten anschließend keine Hilfe mehr. Während fast ein Viertel der Schutzmaßnahmen bereits nach einem oder zwei Tagen beendet war, dauerten 39 Prozent länger als 15 Tage.
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