1. August 2007: Ruhe an der Rechtschreibfront?

(bikl.de) Ab 1. August 2007 sind die Regelungen der Rechtschreibreform bundesweit verbindlich. Aber anders als in den vergangenen beiden Jahren wird dem Reformwerk in der Öffentlichkeit kaum Beachtung geschenkt. Es herrscht, so scheint es, Ruhe an der Rechtschreibfront. bildungsklick.de wollte vom Leiter der Dudenredaktion, Dr. Matthias Wermke, wissen, wie die Reform angenommen wird und welche Änderungen zukünftig zu erwarten sind.

31.07.2007 Artikel

Die heftigen Auseinandersetzungen um die neue Rechtschreibung sind verstummt seit die Kultusminister vor einem Jahr einem verbindlichen Stand zugestimmt haben. Als Wörterbuchverlag erhalten Sie häufig Anfragen von Ratsuchenden. Welche Probleme mit der neuen deutschen Rechtschreibung bekamen Ihre Experten am häufigsten zu hören?

Dr. Matthias Wermke: Die neue Rechtschreibung ist seit über zehn Jahren Teil des Schreiballtags. Für die meisten, die bei der Duden-Sprachberatung Rat suchen, ist sie bereits selbstverständlich geworden. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn die am häufigsten gestellten Fragen Probleme betreffen, die mit der neuen Rechtschreibung im engeren Sinne gar nichts oder nur wenig zu tun haben, so etwa die Frage nach der Gliederung von Telefonnummern, der normgerechten Gestaltung von Adressen in Briefen oder der Abkürzung von weiblichen und männlichen Berufsbezeichnungen.

Der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, hat angekündigt, dass die Wörterbuchverlage zukünftig im Dialog mit dem Rat Empfehlungen geben werden: Jede neue Auflage werde neue Rechtschreibungen aufgreifen, "weil man dem Volk aufs Maul schaut". Was bedeutet das für die Entwicklung der verbindlichen Schreibweisen?

Dr. Matthias Wermke: Wer "dem Volk aufs Maul schaut", kann viel über den Wortschatzwandel und Ähnliches erfahren, aber eher wenig über den Schreibgebrauch. Richtig ist, dass die Dudenredaktion als Vertreterin des wichtigsten deutschen Wörterbuchverlags im Rat für deutsche Rechtschreibung mitarbeitet. Und richtig ist auch, dass jede Neuauflage des Dudens neue Wörter enthalten wird, die dort in der dem neuen amtlichen Regelwerk entsprechenden Schreibung wiedergegeben sein werden. Im Übrigen muss noch geklärt werden, wie die Beobachtung des allgemeinen Schreibgebrauchs durch den Rat für deutsche Rechtschreibung überhaupt vonstatten gehen soll. Die Überlegungen hierzu haben gerade erst begonnen. Außerdem wird der Schreibgebrauch maßgeblich durch den Rechtschreibunterricht geprägt. Wenn dort nach dem amtlichen Regelwerk unterrichtet wird, werden sich, wie bereits abzusehen, die neuen Schreibungen gegenüber den herkömmlichen oder gar individuellen immer stärker durchsetzen. Insofern ist von einem zunehmend einheitlichen Schreibgebrauch auf der Grundlage der neuen Rechtschreibung auszugehen.

In welchen Bereichen erwarten Sie zukünftig am ehesten Veränderungen, etwa bei der Schreibweise von Fremdwörtern oder vielleicht bei den Dauerthemen Groß-/ Kleinschreibung und Zeichensetzung?

Dr. Matthias Wermke: Auf absehbare Zeit sind gar keine großen Änderungen am amtlichen Regelwerk geplant, und der allgemeine Schreibgebrauch ändert sich auch nicht so rasant, wie es manche befürchten mögen. Dafür sorgt schon der bereits erwähnte Rechtschreibunterricht. Die Abschaffung der für das Deutsche typischen Großschreibung steht nicht auf der Agenda der Kultusminister, und die schlimmsten Hürden der Getrennt- und Zusammenschreibung sind ebenso entschärft wie die berüchtigten Stolpersteine der Zeichensetzung. Interessant bleibt, wie die Schreibgemeinde zukünftig mit der Eindeutschung von Wörtern aus fremden Sprachen verfahren wird. Aber das betrifft dann schon nicht mehr die Rechtschreibung allein und ist auch in anderer Hinsicht ein weites Feld.


Weiterführende Links

  • Das überarbeitete Regelwerk (Fassung 2006)
  • Duden-Sprachberatung

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