Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur

Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht hat heute das Konzept zur aktiven gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der SED-Dikatur in den Landtag eingebracht. "Die demokratische Gesellschaft in unserem Land können wir nur gestalten, wenn wir uns mit der Geschichte in der Zeit der SED-Herrschaft auseinandersetzen", machte der Bildungsminister deutlich.

14.12.2007 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Minister Rupprecht erklärte im Landtag: "Trotz vieler übereinstimmender Wahr-nehmungen unterscheiden sich die Erinnerungen der Menschen – und sie unter-scheiden sich zuweilen auch von dem, was tatsächlich geschehen ist. Daher lautet der erste Grundsatz des vorliegenden Konzepts: Die gesellschaftliche Aus-einandersetzung mit der DDR-Geschichte kann nicht allein auf der Basis von Er-innerungen erfolgen, sondern muss auch immer auf der Grundlage systematischer wissenschaftlicher Forschung geschehen.

Ein weiterer Grundsatz, der das vorliegende Konzept leitet, bezieht sich auf die Einbeziehung historischer (Tat)orte. Das sind Orte, an denen das Unrecht, das die SED-Herrschaft mit sich brachte, besonders sichtbar wird. Diese Orte werden in das gesellschaftliche Leben und auch in die Bildungsarbeit aktiv einbezogen.

Das Gedenken an die Opfer zu bewahren, ist ein dritter Grundsatz, von dem sich die Landesregierung in ihrem Konzept leiten lässt. Denn sowohl die sowjetische Besatzung als auch die SED-Herrschaft waren mit Unrecht und Opfern verbunden. Wir müssen die Erinnerung an die Opfer wach halten – die Verletzung ihrer Men-schenrechte ist durch nichts zu rechtfertigen und darf sich nicht wiederholen."

Das vorgelegte Konzept will insbesondere die Ansätze demokratischen Handelns und Denkens in den Vordergrund rücken, die zur friedlichen Revolution und zum politischen Umbruch des Herbstes 1989 geführt haben.

In dem Konzept, an dem neben dem Bildungsministerium auch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das Ministerium der Justiz sowie das Ministerium des Innern mitgearbeitet haben, werden in Ergänzung zu bestehenden Maßnahmen zur Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur weitere Entwicklungsperspektiven aufgezeigt. So will sich die Landesregierung dafür einsetzen, die Vernetzung der Gedenkstätten und Museen voranzutreiben und unterstützt unter anderem die Pläne des Hauses für Brandenburgisch-Preußische Geschichte, die friedliche Revolution von 1989/1990 in einer Dauerausstellung zu präsentieren.

Die Landesregierung ruft die Kommunen auf, die Spuren der friedlichen Revolution zu sichern und sichtbar zu machen und appelliert an die Schulen, Themen der Nachkriegsgeschichte auch im Rahmen von internationalen Schülerbegegnungen zu behandeln. Anlässlich des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution will die Landesregierung 2009 einen Schülerwettbewerb organisieren. Zudem will die Landesregierung den Erfahrungsaustausch – etwa bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung oder pädagogischen Vermittlung – mit den Staaten fortsetzen und ausbauen, die wie die DDR zum Ostblock gehörten.

In dem Konzept werden zahlreiche bestehende Maßnahmen zur Auseinander-setzung mit der SED-Diktatur dargestellt. So hat etwa das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport im Jahr 2002 mit einem Rundschreiben alle Schulen ausdrücklich verpflichtet, sich in allen Schulstufen mit der Geschichte der DDR auseinander zu setzen. Darüber hinaus ist die Vermittlung von Wissen über die DDR integraler Bestandteil der Rahmenlehrpläne für die Sekundarstufe I sowie für die Sekundarstufe II, vor allem in den Fächern Geschichte und Politische Bildung.

Um darüber hinaus Kindern und Jugendlichen einen besseren Zugang zur DDR-Geschichte zu ermöglichen, gibt es seit 2002 zahlreiche Kooperationen mit Gedenkstätten und Institutionen, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte beschäftigen, unter anderem mit der Bundesbeauftragten für die Unterlagen der ehemaligen Staatssicherheit, dem Verein "Berliner Mauer" sowie der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Für die pädagogische Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in Gedenkstätten und Museen stellt das Bildungsministerium zudem 14 speziell geschulte Gedenkstättenlehrer.

Das Konzept wird dem Landtag Brandenburg zugeleitet und ist unter www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/media.php/1221/MBJS%200649.07konzept.pdf abrufbar.


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