Ausgezeichnet: Jugendliche archivieren Zeitzeugenberichte

(redaktion/pm)) Sieben Web-Angebote erhalten in diesem Jahr den Grimme Online Award, den Internet-Preis des Grimme-Instituts für publizistische Qualität im Netz. In der Kategorie "Wissen und Bildung" erhielten die beiden Angebote "zeitzeugengeschichte.de" und "kidshotline" den begehrten Preis.

12.06.2008 Artikel

Erfreulich sei bei den Preisentscheidungen des nunmehr zum achten Mal vergebenen Grimme Online Award, dass sie ein breites Spektrum der Möglichkeiten umfassten, so Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts. Damit spiegelten sie auch die ganz unterschiedlichen Tendenzen und die vielfältigen Ausdifferenzierungen in der gegenwärtigen Entwicklungsphase des Internets.

Bei der in der Kategorie "Information" ausgezeichneten Seite "Störungsmelder" hebt die Jury die "journalistischen Qualitätsmaßstäbe" in der Auseinandersetzung mit dem "gesellschaftspolitisch relevanten Thema" Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus hervor. Diese vorbildlichen Maßstäbe zeigten sich nicht nur in den Beiträgen, sondern auch in der "versachlichenden Moderation". Insgesamt biete "Störungsmelder" einen "Diskurs auf hohem Niveau".

"WDR Mediathek regional", ebenfalls in der Kategorie "Information" ausgezeichnet, bietet nach Auffassung der Jury "hervorragende Lösungsansätze, um den Nutzern mehrere Zugangswege zum Inhalt zu ebnen". Diese Zielsetzung, der sich alle öffentlich-rechtlichen Anbieter zunehmend stellten, werde längst nicht bei allen Mediathek-Angeboten eingelöst. Dort ließen sich wertvolle Inhalte mitunter nur umständlich erschließen und würden "schwer auffindbar in abgeschlossene Systeme gesperrt".

Mit "zeitzeugengeschichte.de" zeichnet die Jury in der Kategorie "Wissen und Bildung" ein Angebot aus, in dem Jugendliche als Medienakteure die Erinnerungen und Erfahrungen der sonst im Web kaum präsenten älteren Generation in Videobeiträgen aufzeichnen und archivieren. Hervorgehoben wird im Statement der Jury das "überzeugende inhaltliche Konzept" des auf Kommentarfunktionen und eine direkte Beteiligung der Nutzer verzichtenden Angebots.

Ein weiterer Preis in der Kategorie "Wissen und Bildung" geht an "kidshotline", ein alle nur erdenklichen Fragen aufgreifendes Beratungsangebot für Jugendliche, das auch Räume für den Austausch untereinander zur Verfügung stellt und Ratschläge von Profis vermittelt, jeweils in schützender Form und nötigenfalls sensibel moderiert. Den Machern von "kids-hotline" gelinge es, so die Jury, "ein herkömmliches Service-Angebot ins Netz zu überragen und dabei die Vorteile des Mediums konsequent für eine Flexibilisierung des Beratungsangebotes zu nutzen."

Beim Musikportal "Intro.de" würdigt die Jury in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" ein "nachhaltiges Konzept", das nicht einfach vorhandene Inhalte aus dem gleichnamigen Musikmagazin online verfügbar mache, sondern weit darüber hinausgehe.

Das ebenfalls in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" ausgezeichnete Angebot "Literaturport" konzentriert sich auf das literarische Geschehen im Raum Berlin und Brandenburg. Die Seite präsentiert Orte der Literatur: solche mit literarischen Veranstaltungen und solche, die in der Literatur vorkommen. Hier gedeihe, so die Jury, "ein kleines, aber solides Informationsangebot mit hohem Service-Wert", das gut daran tue, den Fokus aufs Regionale zu legen: "Auch oder gerade im globalen Medium Internet ist weniger manchmal mehr."

In der Kategorie "Spezial" wird "Hobnox.com" ausgezeichnet. Das Web-TVAngebot für Macher und Fans der digitalen Medienkultur glänze, so die Jury, mit Inhalten, "die eine erfreuliche Nischenfunktion offerieren und dem Nutzer direkt Werkzeuge zum Mitmachen zur Verfügung stellen".

Der Publikumspreis, bei dem alle Nutzer ihren Favoriten unter den 19 nominierten Websites auswählen konnten, ging mit großem Vorsprung an die in der Kategorie "Spezial" nominierte Website "Sandra Schadek – ALS". Hier informiert eine Betroffene aus ihrer persönlichen Sicht über die tödlich verlaufende Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und nutzt dabei in exemplarischer Weise die Möglichkeiten des Mediums Internet.

Die Jury wies in einem bilanzierenden Statement auch auf stagnierende Entwicklungen und Defizite im Netz hin. So seien Web-Reportagen nach wie vor ebenso Mangelware wie nutzerfreundlich umgesetzte Bildungs- und Lernangebote, "die neben audiovisuellen Eindrücken auch umfassend Information und Wissen" vermittelten. Außerdem sei eine noch stärkere Nutzer-Orientierung wünschenswert, die an eine sorgsame Gestaltung gebunden sei. Zwar seien Regeln für eine "intelligente Informationsarchitektur", welche dem Nutzer Orientierung und Führung biete, längst bekannt, "aber die Erfahrung und damit die Übertragung auf die praktische Umsetzung" dürften "gerne noch reifen".


Weiterführende Links

  • Grimme Online Award

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