Burn-out: Modediagnose oder Erkrankung?
(red/pm) Für die einen ist ein Burn-out eine Modediagnose, für die anderen eine Ernst zu nehmende Erkrankung. In einem [Positionspapier](http://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/download/pdf/stellungnahmen/2012/stn-2012-03-07-burnout.pdf) warnt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vor einem unkritischen Gebrauch des Begriffs Burn-out für quasi sämtliche psychischen Störungen, die im Zusammenhang mit einer Arbeitsbelastung stehen.
09.03.2012 ArtikelDiese allumfassende Anwendung des Begriffs habe zwar zu einem offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen geführt. Betroffenen falle es erkennbar leichter, ohne Scham über ihre psychischen Erkrankungen zu sprechen. Aber oftmals werde Burn-out mit der schweren und nicht selten lebensgefährlichen Krankheit der Depression gleichgestellt. Damit drohe eine besorgniserregende Unter- oder Fehlversorgung der Betroffenen, heißt es in dem Positionspapier.
Burn-out ist – laut der Internationalen Klassifikation von Erkrankungen (ICD-10) – keine medizinische Diagnose. Burn-out kommt lediglich im Anhang des ICD-10 vor, nämlich unter "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen". Dennoch hat Burn-out für Diagnostik und Therapie eine mehrfache Bedeutung, so die Fachgesellschaft:
- Das Erleben von Burn-out kann ein Risikozustand sein, der zu Erkrankungen wie Depression, Alkoholmissbrauch, Angststörungen, chronisches Schmerzsyndrom, Tinnitus, Bluthochdruck oder chronische Infektionskrankheiten führen kann.
- Andererseits kann das Erleben von Burn-out auch Früh-Symptom oder Folge von Krankheiten wie beispielsweise Psychosen, Multiple Sklerose oder Tumorerkrankungen sein.
Die DGPPN fordert, dass "psychisch gesunde" Arbeitsplätze mehr als bisher in die Verantwortung der Betriebe und Verwaltungen rückt. Dabei sollte die Position von Betriebsärzten gestärkt werden. Wie in den meisten anderen europäischen Ländern sollten auch in Deutschland gesetzliche Regelungen zum Schutz vor gesundheitsgefährdendem psychischem Stress erfolgen. Psychische Belastungen am Arbeitsplatz müssten medizinischen Risiken von Lärm, Licht, Vibrationen oder Toxinen gleichgestellt sein. Dies könnte aus Sicht der DGPPN verhindern, dass das sogenannte Burn-out-Problem vornehmlich auf das Gesundheitssystem abgeschoben wird. Hier besteht in Deutschland erheblicher Nachholbedarf.
In der medizinischen Forschung ist der Risikofaktor "psychisch ungesunder Arbeitsplatz" bisher kaum untersucht. Das Thema "Psychische Krankheit und Arbeitsplatz" müsse auch Gegenstand einer breit angelegten wissenschaftlichen Forschungsinitiative der Bundesregierung werden.
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