Eltern haben keine Angst vor dem Erziehen

(redaktion/ots) TV-Nannys mögen etwas anderes vermitteln, eine repräsentative forsa-Befragung Studie jedoch zeigt: Die meisten Mütter und Väter in Deutschland (47 Prozent) haben eine klare Vorstellung von der Erziehung ihrer Kinder und setzen diese auch oft problemlos um. 41 Prozent haben zwar ab und zu Zweifel, finden dann aber Rat bei Freunden oder in Erziehungszeitschriften. Nur 5 Prozent geben an, schon einmal professionelle Hilfe bei Erziehungsexperten gesucht zu haben. Besonders junge Eltern mit kleinen Kindern zeigen sich selbstbewusst: 54 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sagen: Erziehungsfragen sind bei uns kein Problem.

11.08.2008 Artikel

Im Auftrag der Zeitschrift ELTERN hat forsa jetzt 1.014 Mütter und Väter von Kindern unter 11 Jahren repräsentativ nach ihrem Lebensgefühl befragt: Fühlen sie sich vom Staat unterstützt? Sind sie mit der Arbeitsverteilung in ihrer Familie zufrieden? Kommen sie mit der Kindererziehung klar? Haben sie ausreichend Geld? Und genug Zeit? Was macht sie glücklich?

Fast die Hälfte der Mütter würde gerne mehr arbeiten

Mütter fühlen sich immer noch mehr für die Kinder und deren Betreuung zuständig als Väter. Sie versuchen auch häufiger, den Spagat zwischen Beruf und Familie zu meistern - daran hat sich trotz Elterngeld und bezahlter Vätermonate bislang noch nicht viel geändert. So finden 44 Prozent der Frauen (Männer: 30 Prozent), dass es oft schwierig ist, Beruf und Kinder zu vereinbaren. Ebenso viele Frauen (44 Prozent) würden gern mehr in ihrem Beruf arbeiten, haben aber keine befriedigende Betreuungslösung. Immerhin 60 Prozent der von forsa befragten Männer würden sich mehr gemeinsame Zeit mit ihren Kindern wünschen, bemängeln aber, dass die Arbeitswelt dafür kein Verständnis hat.

Mit ihrer Rollenverteilung sind die meisten Paare zufrieden

Ein Viertel der Befragten (24 Prozent) findet das klassische Rollenmodell am besten, bei der der Vater berufstätig ist und die Kinder von der Mutter versorgt werden. Die meisten Eltern (62 Prozent) bevorzugen jedoch prinzipiell ein Modell, bei dem beide berufstätig sind und sich beide gleichermaßen um die Kinder kümmern. Überraschend ist dabei, dass diese Aufgabenverteilung nur bei knapp einem Drittel (29 Prozent) der Realität entspricht. Im Westen sind es mit 27 Prozent sogar noch weniger, im Osten deutlich mehr (40 Prozent). Aus Mangel an realisierbaren Möglichkeiten sehen Eltern diese Diskrepanz aber offenbar pragmatisch: 62 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen geben an, sehr zufrieden mit ihrer jetzigen Aufteilung zu sein.

Eltern finden, sie sind in Deutschland arm dran

Elterngeld, Kinderzuschlag, Splitting - insgesamt gibt es für Familien mehr als 150 familienbezogene Leistungen. Diese scheinen jedoch bei den Familien nicht anzukommen, zumindest nicht im Bewusstsein. Denn mehr als drei Viertel der Befragten haben ganz oder überwiegend das Gefühl, dass man als Eltern in Deutschland draufzahlt. 44 Prozent meinen außerdem, sie müssten wegen der Kinder auf vieles verzichten - davon sogar noch mehr im Westen (47 Prozent). Im Osten empfinden dies nur 33 Prozent so, obwohl dort die Einkommen niedriger sind und die Arbeitslosigkeit höher. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) findet, dass man in Deutschland mit Kindern nicht gut leben kann. Die Ursachen liegen vor allem in der finanziellen Belastung: 90 Prozent von ihnen finden die Lebenshaltungskosten zu hoch, 82 Prozent bemängeln, dass der Staat Familien in Deutschland finanziell zu wenig entlastet. Zu wenige oder nicht ausreichend flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind für 75 Prozent von ihnen eine Ursache. 57 Prozent finden, dass Kinder in Deutschland ein Armutsrisiko darstellen. 60 Prozent aller 1.014 befragen Eltern haben sogar die Befürchtung, dass es ihren Kindern später finanziell schlechter gehen wird als ihnen selbst heute. Besonders die jungen Eltern zwischen 18 und 29 Jahren sind in diesem Punkt pessimistisch (65 Prozent).

Verzerrtes Familienbild in der Öffentlichkeit

Der größte Teil der Befragten (72 Prozent) räumt ein, dass die schwierige Lage von Familien mittlerweile ins Bewusstsein der Öffentlichkeit vorgedrungen ist. Viele Eltern (65 Prozent) fühlen sich jedoch von der öffentlichen Meinung in Sippenhaft genommen und kritisieren, dass in der öffentlichen Darstellung zu schnell Rückschlüsse von negativen Einzelfällen auf alle Eltern gezogen werden. Eltern haben zwar das Gefühl, dass das Thema Familie in den Medien zwar häufiger als noch vor ein paar Jahren auftaucht, fast zwei Drittel (63 Prozent) finden jedoch, dass über Familien überwiegend in negativen Zusammenhängen berichtet wird, zum Beispiel über misshandelte Kinder und überforderte Eltern.

Kinder bedeuten für ihre Eltern Fortschritt und Entwicklung

Trotz der Schwierigkeiten sehen die meisten Mütter und Väter aber auch, dass für ein Leben mit Kindern viele gute Gründe sprechen. Für mehr als die Hälfte der Befragten (60 Prozent) ist das Schönste am Leben mit Kindern, dass sie sehen können, wie sich ihr Nachwuchs entwickelt. 36 Prozent finden, dass sie durch die eigenen Kinder viel über sich selbst lernen und sich mit ihnen weiterentwickeln. Für knapp ein Drittel (30 Prozent) ist das Gefühl geliebt und gebraucht zu werden das Schönste am Elternsein.


Weiterführende Links

  • Die komplette Studie

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