Grundschüler sind gesundheitsbewusst
(red/pm) Spaß an Bewegung statt Zocken am Computer, Obst und Gemüse statt Süßigkeiten, Entspannen im Freien statt vor dem Fernseher – die Elefanten-Kindergesundheitsstudie räumt mit manchen Vorurteilen auf und zeigt: Schon 7- bis 9-Jährige haben ein ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein.
21.11.2012 Artikel"In diesem jungen Alter ist alles vorhanden, was zur Ausbildung eines gesunden Lebensstils erforderlich ist: Bewusstsein, Motivation und Wissensdurst. Nun sind wir Erwachsene gefordert, diese Impulse zu verstärken, zu erhalten und weiterzuentwickeln", erklärte Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer am 21.11. bei der Vorstellung der Elefanten-Kindergesundheitsstudie in Berlin.
Für die größte repräsentative Studie in dieser Altersklasse hatte das PROSOZ-Institut für Sozialforschung – PROKIDS in Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) fast 5.000 Kinder zwischen 7 und 9 Jahren befragt. Eines der wichtigsten Ergebnisse: Kinder im Grundschulalter zeigen aus eigenem Antrieb Interesse an Gesundheit, sie möchten mehr darüber wissen, wie sie gesund bleiben können, und möchten auch selbst etwas dafür tun.
Kindern brauchen seriöse Informationsquellen
Der überraschend hohe Stellenwert der Gesundheit speist sich aus ganz verschiedenen Quellen: "Das Gesundheitsbewusstsein der 7- bis 9-Jährigen wird vor allem durch verlässliche Informationen aus der Schule, von Ärzten und aus dem Internet geprägt", erklärt Anja Beisenkamp,Leiterin des PROKIDS-Instituts. Freunde, Fernsehen und Werbung üben dagegen einen negativen Einfluss aus: Je mehr Kinder ihr Wissen über Gesundheit aus diesen Quellen beziehen, desto niedriger ist ihr Gesundheitsbewusstsein und desto ungesünder ihr Verhalten. "Leider beziehen viel zu viele Kinder ihr vermeintliches Wissen über Gesundheit aus der Werbung ", kommentiert Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer.
"Hier muss schon in der Grundschule gegengesteuert werden." Die Aussagen der Kinder unterstreichen die Notwendigkeit eines regelmäßigen Gesundheitsunterrichtes, für den sich auch der Deutsche Kinderschutzbund einsetzt, so DKSB-Sprecher Friedhelm Güthoff.
Eltern schaffen Rahmenbedingungen für gesunden Lebenswandel
Das Gesundheitsbewusstsein hängt stark mit dem tatsächlichen Verhalten der Kinder zusammen – besonders in Bezug auf gesunde Ernährung, Bewegung und Gesundheitsroutinen wie das Zähneputzen oder das Frühstück vor der Schule. "Natürlich wirken auch die Eltern auf das Gesundheitsverhalten ein – allerdings weniger über das Bewusstsein der Kindern, sondern eher, indem sie die Rahmenbedingungen für einen gesunden Lebenswandel schaffen", erklärt Anja Beisenkamp.
Deutscher Kinderschutzbund: Die Schulen sind stärker gefordert
Die Schulen spielen auf dem Weg zu einem gesunden Lebensstil bislang nur eine untergeordnete Rolle: Als Vermittler von Wissen stehen sie auf dem dritten Rang nach der Mutter und Ärzten, das Gesundheitsverhalten wird von ihnen nicht direkt beeinflusst. "Wenn es um Gesundheit geht, dürfen die Schulen sich nicht nur auf reine Wissensvermittlung beschränken. Sie müssen Kindern Erfahrungen bieten, um gesundheitsförderliches Verhalten auszuprobieren und einzuüben. Ein gemeinsames Frühstück oder Kochen wäre ein guter Anfang", fordert Friedhelm Güthoff vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB). Die Politik müsse dafür die entsprechenden personellen und räumlichen Ressourcen schaffen.
Prof. Grönemeyer: Hohe gesellschaftliche Verantwortung
Aus medizinischer Sicht leitet Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer eine hohe gesellschaftliche Verantwortung aus der Elefanten-Kindergesundheitsstudie ab. "Wir wissen aus anderen Untersuchungen, dass sich das Ernährungsverhalten bei einem beträchtlichen Teil der Kinder später sehr negativ entwickelt", so der Mediziner und Buchautor. "Deshalb müssen wir uns fragen: Warum geht das Gesundheitsbewusstsein, das bei 7- bis 9-Jährigen schon ausgebildet ist, offenbar später bei manchen Kindern verloren? Warum werden so viele Kinder übergewichtig? Was können wir tun, damit die kindliche Motivation, der Spaß und die Freude an einem gesunden Lebensstil erhalten bleiben?", so Grönemeyer.
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