Lehrer an der vordersten "pädagogischen Front"
Mit einem Zitat von Bertolt Brecht eröffnete der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff heute die didacta 2006 in Hannover. Brecht habe nämlich geschrieben: "Ich habe das Licht der Welt im Jahr 1898 erblickt, die Volksschule langeweilte mich vier Jahre und während meines neunjährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Gymnasiums gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern."
20.02.2006 ArtikelVielleicht sei diese Bildunsgerfahrung von Bertolt Brecht als kleine Bildungsepisode auch heute noch nachdenklich stimmend. Würde es einem Brecht heute genauso ergehen oder seien Pädagogik und Didaktik erheblich weiter? Sei das Bildungssystem in der Lage, Talente zu erkennen und zu fördern oder Defizite zu handhaben? Fragen wie diese würden in den nächsten Tagen auf der didacta gestellt.
Klar sei, so Wulff weiter, dass die beste Förderung der Kinder und Jugendlichen nicht ohne engagierte Pädagoginnen und Pädagogen möglich sei. Für sie fand er zum Schluss anerkennde Worte. Lehrer stünden an vorderster Stelle der sogenannten pädagogischen Front und trügen viel Verantwortung, wofür ihnen besonderer Dank und Anerkennung gebühre.
Welch hohen Stellenwert die Bildung auf europäischer Ebene hat, machte Ján Figel deutlich, der den Festvortrag hielt. Als Mitglied der EU -Kommission ist er zuständig für Bildung. Schließlich, so Figel, sei Bildung eines der drei großen Themen auf der nächstren G8 Sitzung. Deutschland stellte er in Sachen Berufsausbildung ein gutes Zeugnis aus: Hier sei das Land sehr stark. Der Vorsitzende des VDS - Verband der Bildungsmedien, Dr. Gerd-Dietrich Schmidt, forderte eine stärkere Unterstützung der Wissenschaft und der Bildungsforschung bei der inhaltlichen Weiterentwicklung der Bildunsgeinrichtungen und eine Anschaffungswelle für moderne Bildunsgmedien, egal ob Schulbücher, Soft- und Hardware oder andere Materialien. "Wenn keine ausreichenden naturwissenschaftlichen Geräte vorhanden sind, lassen sich auch keine Experimente durchführen", so Schmidt.
Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan, die die Messe schließlich feierlich eröffnete, plädierte für Bildungskonzepte für Kinder von 0-10 Jahren - an dieser Stelle wachse zukünftig auch die Verantwortung der Städte und Gemeinden. Zur aktuellen Förderalimusdiskussion erklärte sie, dadurch entstehe mehr Verantwortung, um gemeinsam zu strategischen Zielen und kontinuierlichen Vereinbarungen zu kommen. Allerdings fehle es in Deutschland noch an Bildungsforschung. Wenn jemand behaupte, vor 30 Jahren sei alles besser gewesen, könne man dies nicht beweisen - es gebe keine Daten. Deshalb plädierte sie dafür, das Augenmerk verstärkt auf die Bildunsgforschung zu legen.
Was alle Aussteller der Messe besonders freuen darf, war ein Satz von Ján Figel während der Pressekonferenz. Ein Mehr an Bildung, so erklärte er, bedeute auch ein Mehr an Geld.
746 Aussteller präsentieren sich bis zum Freitag dieser Woche auf 26 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Dazu kommen mehr als 1 000 Vorträge, Seminare, Workshops und Symposien. Soviel konzentrierte Bildungsinformationen gibt es nur einmal im Jahr.
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