Mehr als 80 000 ambulante und teilstationäre Hilfsmaßnahmen für Kinder, Jugendliche sowie junge Erwachsene

Können junge Menschen ihre Probleme nicht alleine oder mit Hilfe ihrer Familie bewältigen, bietet die Kinder- und Jugendhilfe ein breites Spektrum individueller erzieherischer Hilfen an. Wie das Statistische Landesamt feststellt, wurden im Jahr 2008 mehr als 80 000 erzieherische Hilfen ambulant oder teilstationär, d.h. unter Verbleib in der Familie durchgeführt.

21.10.2009 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Die Erziehungs-, Familien- und Jugendberatungsstellen öffentlicher und freier Träger stellen dabei oftmals eine erste Anlaufstelle dar. Im vergangenen Jahr haben 54 299 junge Menschen die Hilfe psychologischer Beratungsstellen allein, mit ihren Eltern oder mit ihrer Familie in Anspruch genommen. 90 Prozent der Erziehungsberatungen richteten sich an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, 56 Prozent an Jungen und junge Männer. 28 Prozent aller jungen Menschen hatten mindestens einen Elternteil ausländischer Herkunft.

Hilfe und Unterstützung durch einen Erziehungsbeistand erhielten 3 494 junge Menschen im Jahr 2008. Der Erziehungsbeistand hat die Aufgabe, Heranwachsende bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen zu unterstützen und ihre Verselbständigung zu fördern. Für 1 211 junge Menschen wurden Betreuungshelfer tätig. 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Einzelbetreuung waren unter 18 Jahre alt, 63 Prozent männlichen Geschlechts. Im Gegensatz zum Erziehungsbeistand werden Betreuungshelfer in der Regel aufgrund richterlicher Weisung tätig. 4 329 jungen Menschen wurde durch soziale Gruppenarbeit geholfen. Sie erhielten in Übungs- oder Erfahrungskursen Hilfestellungen, um Entwicklungsauffälligkeiten und Verhaltensprobleme durch soziales Lernen in der Gruppe zu überwinden. 85 Prozent der Teilnehmer waren im schulpflichtigen Alter, 70 Prozent waren Jungen und junge Männer.

Die intensivste Form der ambulanten Erziehungshilfen stellt die sozialpädagogische Familienhilfe dar. Zur Verbesserung der künftigen Entwicklungsmöglichkeiten der minderjährigen Kinder suchten Fachkräfte 10 473 Familien im Jahr 2008 in ihrer häuslichen Umgebung auf. Durch intensive Betreuung und Begleitung unterstützten sie die Familien mit mehr als 23 000 Kindern in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, bei der Lösung von Konflikten und Krisen sowie im Kontakt mit Ämtern und Institutionen. Dabei kommt dem Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" und der Bereitschaft zur Mitarbeit aller Familienmitglieder besondere Bedeutung zu. Durch die Hilfegewährung wird angestrebt, die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen außerhalb des Elternhauses zu vermeiden.

In 67 Prozent der Familien lebten ein oder zwei Kinder. Bei der Hälfte der sozialpädagogischen Hilfen wuchsen die Kinder oder Jugendlichen bei einem allein erziehenden Elternteil auf.

3 154 Jungen und 964 Mädchen unter 18 Jahren befanden sich im Jahr 2008 in einer Tagesgruppenerziehung. Sie erfuhren bei diesem teilstationären Hilfeangebot soziales Lernen und schulische Förderung in Zusammenarbeit von Familie, Schule und Tagesgruppe, ohne dass eine Trennung von der Familie erfolgte. Bei dieser Hilfeart sind die Kinder und Jugendlichen abends, am Wochenende und in den Ferien zu Hause.

In vorrangig ambulanter oder teilstationärer Form wurden 2 771 flexible Hilfen durchgeführt. Sie richteten sich an 1 428 junge Menschen oder erreichten als familienorientierte Maßnahme 2 382 Kinder.

Die Gründe für den Bedarf an erzieherischen Unterstützungsmaßnahmen sind vielschichtig: Entwicklungsauffälligkeiten, Belastungen des jungen Menschen durch familiäre Konflikte, eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern oder des Sorgeberechtigten und unzureichende Betreuung oder Versorgung des jungen Menschen in der Familie waren die Hauptgründe.


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