Mit dem Computer die Leselust wecken

(bikl.de) Sommerzeit - Lesezeit. Für viele Erwachsene gehört zum Urlaub auch das Lesevergnügen. Neben Sonnencreme, Badeanzug oder Wanderschuhen sind Bücher selbstverständlicher Teil des Gepäcks. Wie auch Kinder und Jugendliche in der "schönsten Zeit des Jahres" zum Lesen animiert werden können, wollte bildungsklick.de von der Lesebuchredakteurin Dr. Birgit Waberski wissen.

16.07.2007 Artikel
  • © Privat

"Ein Lesebuch ist eine Schatztruhe"

Wie lässt sich diese Leselust auf die Kinder übertragen und was können Eltern tun, damit die Sprösslinge neben Gameboy und Taucherbrille auch das eine oder andere Buch einpacken und es dann auch lesen?

Birgit Waberski: Dass Kinder aus bibliophilen Elternhäusern, in denen sie selbst mit altersgerechter Literatur vor allem durchs Vorlesen bekannt gemacht werden, leichter Lust am Lesen entwickeln, ist bekannt.

Die Bedeutung der schulischen Leseerziehung wird dagegen oft ambivalent beurteilt: Es scheint, als fänden hier Kinder kaum Lesevorbilder und der Unterricht sei vornehmlich auf Absicherung des Textverständnisses ausgerichtet. Die Bedeutung von Lesebüchern wird – sehr zu Unrecht – bisweilen gering geschätzt, zugunsten der Ganzschriftlektüre. Aber tatsächlich entfächern Lesebücher die Breite der Kinderliteratur wie sonst kein Medium, nirgends sonst erhalten die Kinder ein so komprimiertes Angebot altersgerechter Kinderliteratur. Ein Lesebuch ist eine Schatztruhe voller Leseproben, die Lust auf mehr machen, zum Beispiel für die Ferienlektüre.

Wie Erwachsene sich Gedanken darüber machen, welche Bücher sie in die Ferien mitnehmen wollen, und dafür in Buchhandlungen und Büchereien auswählen, kann dies auch mit ihren Kindern ein Ferienritual werden: Vor dem Kofferpacken besucht man gemeinsam die Bücherei. Wichtig ist, dass Eltern die richtige Vorstellung über das Lesevermögen ihres Kindes haben: Welche Bücher kann es wirklich selbstständig lesen? Steht man so vor den richtigen Regalbrettern, suchen sich die Kinder ihre Bücher, die sie interessieren, allein aus. Gerade in den Anfängen der Grundschuljahre klaffen Lesevermögen und Leseanspruch auseinander; dass ihre Kinder "jetzt lesen können", entbindet die Eltern nicht vom Vorlesen. Ein Vorlesebuch gehört unbedingt auch in das Reisegepäck der Eltern.

Die meisten Kinder spielen und lernen gern multimedial. Drängen die elektronischen Medien das Buch ins Abseits oder können sie vielleicht sogar zum Lesen animieren?

Birgit Waberski: Die Attraktivität der elektronischen Medien ist groß und ihre Bedeutung in der Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. Den Stellenwert des geschriebenen Wortes ficht das nicht an. Buch und Film erhöhen ihre Attraktivität wechselseitig, man denke nur an den Klassiker "Harry Potter". Dann gibt es computergestützte Leseförderungsprogramme, wie antolin, die Buch und Computerquiz so miteinander verbinden, dass Kinder wegen des PC-Spiels auch gerne zum Buch greifen.

"Gute Bücher warten auf einen"

Gibt es das ideale Ferienbuch für Kinder?

Birgit Waberski: Mir fallen ideale Schul-Lesebücher ein, das ideale Ferienbuch gibt es wohl nicht. Lesevorlieben unterscheiden sich nun mal. Haben Kinder sich Bücher ausgesucht, die sie gerne lesen möchten, gilt es unbedingt, diese Wahl zu akzeptieren. Das Kind wird Lesen nicht als genussvoll erleben, wenn es "Die Brüder Löwenherz" lesen soll, aber nur Pferdeabenteuer liebt. So wie der ganze Mensch größer wird und reift, wächst und entwickelt sich auch die Lesevorliebe. Das ist das Schöne an guten Büchern, sie warten auf einen.

Zur Person

Birgit Waberski ist Literaturwissenschaftlerin und Grundschulredakteurin im Bildungshaus Schulbuchverlage. In ihrer redaktionellen Verantwortung liegt das "Bausteine" Lesebuch, das jüngst von österreichischen Grundschulkindern zum "Buchliebling 2007" gewählt worden ist.


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