Neue Medien für die Bildung

(bikl.de) Mit welchen Medien werden Schülerinnen und Schüler in Zukunft lernen können? Welche Medien werden den Lehrenden zur Verfügung stehen? Wer wird den "Content" produzieren, welche Angebote wird man für welche Art des Lernens und Lehrens zukünftig erwarten können?

12.07.2007 Artikel
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Diese Fragen werden in zwei europäischen Projekten untersucht, an denen das FWU beteiligt ist: EdReNe und MELT. Schon jetzt zeichnen sich europaweit folgende Tendenzen ab:

  • sowohl privatwirtschaftliche als auch staatliche Organisationen (von pädagogischen Instituten bis zu Archiven) bieten Medien für das Lernen und Lehren an;
  • zunehmend werden auch Rundfunk- und Fernsehanstalten ihr Material anbieten, ebenso Organisationen wie Banken und Stiftungen, die bislang noch Print-Materialien für Schulen erstellt haben;
  • Medien werden zunehmend digital und "online" über web-basierte Server, so genannte "Repositorien" angeboten. Die großen Herausforderungen liegen, abgesehen von der erforderlichen IT-Infrastruktur und Ausbildung der Lehrenden:
  • in der Ordnung des immer unüberschaubarer werdenden Angebotes zum Vorteil der Nutzer
  • in der europaweiten Nutzung der Angebote.

Überall in Europa bieten schon jetzt Erziehungsministerien und andere Produzenten von Unterrichts-Materialien den Schulen große Kataloge und entsprechende Bestände von Online-Unterrichtsmaterialien an.

Doch mit dem Anwachsen der Bestände wachsen die Ansprüche an die Qualität der Metadaten. Genauere und detailliertere Beschreibungen der Ressourcen sind für Lehrende und Lernende der Schlüssel zum schnelleren und leichteren Auffinden der in einem je spezifischen Kontext benötigten Materialien.
Die Anreicherung der Lerninhalte mit Metadaten soll nicht nur deren Auffinden erleichtern, sondern beispielsweise auch Entscheidungshilfen dafür geben, ob bzw. wie die unterschiedlichen Materialien für unterschiedliche Unterrichts- oder Lernformen geeignet sind und auch, in welchem Maß die Inhalte in anderen Kontexten nutzbar sind, unabhängig von Speicherort und Sprache.

Offensichtlich ist, dass hier gewerbliche und nicht-gewerbliche Akteure zusammen arbeiten müssen und dass für die gewerblichen Anbieter (und auch das wirtschaftlich orientierte, gemeinnützige Unternehmen FWU) auch Geschäftsmodelle gefunden werden müssen, um angesichts des in der Regel kostenfreien Materials nicht-gewerblicher Anbieter nicht nur bestehen, sondern auch Chancen zur Expansion auf nationaler oder sogar globaler Ebene nutzen zu können.

EdReNe – "Educational Repositories Network"

Im Projekt EdReNe arbeiten gewerbliche und nicht-gewerbliche Organisationen aus 14 europäischen Ländern zusammen, um obige Fragen anzugehen und auch Geschäftsmodelle zu erarbeiten.
Auch für kostenfreie, z.B. nach Creative Commons frei gegebene Materialien könnte sich ein gewerblicher Markt entwickeln – nicht für den Inhalt, den Content selbst, aber für die auf dessen Basis entstehenden Mehrwertdienste, also z.B. die Bereitstellung von Metadaten, Beurteilungen über die Qualität und die pädagogische Nutzung sowie die Einbindung in nationale oder regionale Curricula.

Konkret werden in EdReNe folgende Fragestellstellen angegangen:

  • Wie können die in vielen unterschiedlichen Repositorien angebotenen Lernressourcen miteinander zusammengefügt werden,
  • welche Strategien und Erfahrungen (Organisation und Aufwand) liegen vor, welche sind übertragbar?
  • Welche Qualitätskriterien sollten international gelten?
  • Wie können Urheberrechte und verwandte Schutzrechte gesichert werden?
  • Wie können Lernressourcen international klassifiziert werden?
  • Wie können Lehrpläne international kategorisiert werden?
  • Welche technischen Standards werden benötigt?
  • Wie können Nutzer mit einbezogen werden (Stichwort Web2.0) Das FWU ist der einzige deutsche Partner in diesem "thematischen Netzwerk" von 23 gewerblichen und nicht-gewerblichen Organisationen, das in einer Laufzeit bis 2010 vier strategische Seminare und zehn Experten-Workshops organisieren und die Ergebnisse aufbereiten und dokumentieren wird.

Mehr Informationen unter www.edrene.org (in Kürze verfügbar)

MELT – "Metadata Ecology for Learning and Teaching"

MELT ist ein Projekt zur Anreicherung von Inhalten, das vom Programm der Europäischen Kommission eContentplus gefördert wird. Im Projekt arbeiten 17 öffentliche und private europäische Anbieter von Lerninhalten zusammen.

MELT wurde mit dem Ziel konzipiert, für Nutzerinnen und Nutzer von Internet-Unterrichtsressourcen Metadaten bereitzustellen, mit deren Hilfe sie besser als bisher Materialien finden können, die ihren Bedürfnissen entsprechen, wobei sprachliche und kulturelle sowie methodisch-didaktische Aspekte berücksichtigt werden.

Jeder kennt das Problem bei der Nutzung von Suchmaschinen: oft werden hunderte oder tausende Treffer angezeigt, die manuell geprüft werden müssen. MELT soll helfen, sehr viel treffsicherer geeignete Lern- und Lehrressourcen aufzulisten und anzubieten. Dies ist bei der zunehmenden Menge von Ressourcen und dem ebenfalls zunehmendem Wunsch, Ressourcen "on-demand" im Lernprozess nutzen zu können, von großer, ja strategischer Bedeutung.

Im Projekt MELT sollen Repositorien von Medien, genauer gesagt von "Lernobjekten" integriert werden, die nach Creative Commons zur kostenfreien Nutzung frei gegeben wurden. Bewusst wurden hier keine kostenpflichtigen Materialien gewählt, da es in diesem Projekt vornehmlich um die technische Integration geht und das digitale Rechtemanagement hier ausgeklammert werden sollte.
Unter Nutzung einer technischen Basis ("brokerage system"), die im vorangehenden CELEBRATE-Projekt im Rahmen des IST-Programms der Europäischen Kommission entwickelt wurde – alternativ mit Hilfe des Protocol for Metadata Harvesting der Open Archives Initiative – sollen die Angebote in einer zentralen Datenbank beim European Schoolnet zusammengeführt werden; so dass Lehrende und Lernende im Rahmen einer zentralen übergreifenden Suche Zugriff auf alle MELT-Inhalte haben.

Um für diese Inhalte zusätzliche und verbesserte Metadaten zu generieren, wird MELT drei unterschiedliche Ansätze implementieren:

  • Mithilfe neuer technischer Verfahren werden bestimmte Metadaten automatisch generiert.
  • Ein Teil der MELT-Ressourcen wird durch Dokumentare und speziell vorbereitete Lehrerinnen und Lehrer angereichert.
  • Lehrerinnen und Lehrer erhalten so genannte "Web2.0"-Tools (Stichworte "folksonomy" und "social tagging"), mit denen sie die von ihnen genutzten Materialien mit zusätzlichen Metadaten versehen können.

Warum "folksonomies" und "social tagging"?

Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass Evaluatoren im Kontext des Projekts CELEBRATE beobachtet haben, dass Metadaten, die durch Experten erstellt worden sind, nicht immer berücksichtigen (können), in welcher Form eine Ressource von erfahrenen Lehrkräften tatsächlich eingesetzt wird.
Ein Dokumentar mag beispielsweise entscheiden, dass eine Ressource dem Typ "drill and practice" (Übungsprogramm) zuzuordnen ist, Lehrkräfte sind dagegen durchaus in der Lage, diese Ressource in unterschiedlichsten anderen Kontexten zu nutzen – bis hin zum selbstbestimmten Lernen in Gruppen.
Der Ausgangpunkt von MELT ist daher, dass wir Metadaten benötigen, die genauer als bisher beschreiben, wie Lernressourcen tatsächlich eingesetzt werden, und dass Lehrerinnen und Lehrer selbst die Möglichkeit und die entsprechenden Tools haben sollten, den von ihnen genutzten Ressourcen eigene Metadaten hinzuzufügen. Nur so kann es gelingen, den Nutzern bei der Suche nach Ressourcen möglichst treffsicher eine Auswahl anzubieten.

Um den tatsächlichen Nutzen dieser neuen Form der Generierung von Metadaten beurteilen zu können, wird ein Internet-Portal für Schulen entstehen, über das Unterrichtende und Lernende auf die MELT-Inhalte zugreifen können.
Die Bewertung der MELT-Arbeiten erfolgt über die Rückmeldungen von Lehrerinnen und Lehrer, die in Form von Fokusgruppen, Sommerschulen und vier Pilotschul-Clustern (Österreich, Belgien, Finnland und Ungarn) mit insgesamt ca. 40 Grund- und Sekundarschulen zusammenarbeiten.
MELT wird eine skalierbare und kosteneffektive Lösung für europäische Content-Anbieter bereitstellen, die damit konfrontiert sind, dass sie mehr und bessere Metadaten produzieren müssen.

Im Einzelnen werden im Rahmen des Projekts mehr als 37.000 Lernressourcen und 97.000 Lern-Assets mit Metadaten angereichert, womit:

  • die Nutzung von Inhalten über Fächergrenzen hinweg innerhalb der Länder erleichtert wird;
  • die Nutzungsmöglichkeiten von Inhalten in unterschiedlichen Regionen eines Landes erweitert werden;
  • neue Möglichkeiten der Nutzung von Inhalten aus anderen Ländern entstehen;
  • ein Grundstock für einen gesamteuropäischen Austausch von Lernressourcen für Schulen geschaffen wird.

Das FWU ist in diesem strategischen Projekt der einzige Partner aus Deutschland.
Mehr Informationen unter www.fwu.de/projekte/melt


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