Nichtwissen macht reich

(bikl/pm) Nichts wissen macht nichts: In Zukunft können Anleger sich diese Devise zumindest im Hinblick auf den Aktienmarkt zu Herzen nehmen. Ein Forscherteam des Institutes für Banken und Finanzen der Universität Innsbruck wies im Rahmen eines umfassenden Forschungsprojektes nach, dass mittelmäßig informierte Händler im Schnitt schlechter abschneiden als gänzlich Uninformierte. Fraglich allerdings, ob man diese Ergebnisse auch auf andere Bereiche übertragen sollte.

08.06.2007 Artikel

"Kann ich durch zusätzliche Informationen, meine Rendite erhöhen?" – das fragen sich nicht nur Privatanleger, sondern auch Fondsmanager und sonstige Investoren am Aktienmarkt. Glaubt man den Börsenmedien, so schneiden besser Informierte auch besser ab. Der Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Informationsstand eines Investors und dessen Rendite gehen auch Dr. Michael Kirchler und DDr. Jürgen Huber mit ihrer Forschungsgruppe seit vier Jahren nach. Ihre Ergebnisse lassen nun starke Zweifel an der gängigen Meinung aufkommen.

Laborexperimente

Da der Informationsstand von Aktienhändlern am realen Markt kaum messbar ist, entschieden sich die Innsbrucker Forscher zur Durchführung von Laborexperimenten mit realen Händlern. Die Probanden erhielten dabei vom Computer unterschiedliche Informationen, auf deren Basis sie nach eigenem Ermessen handeln, also kaufen bzw. verkaufen, konnten.

Die Händler wurden in 5 Informationsklassen eingeteilt. Die Insider (Bestinformierten) bekamen relevante Informationen über das Unternehmen als Erste, die zweitbest Informierten als Zweite, usw. Die Uninformierten am anderen Ende des Spektrums erhielten gar keine Informationen über das Unternehmen. In der Hälfte der Märkte wurden diese uninformierten Händler durch einen einfachen Zufallsgenerator ersetzt. Kauf oder Verkauf war damit gänzlich dem Zufall überlassen.

Uninformierte haben mehr Erfolg

Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die gänzlich uninformierten schneiden wesentlich besser ab als schlecht und mittelmäßig informierte Händler. Sogar die computersimulierten Zufallshändler erreichen die durchschnittliche Rendite am Markt und können signifikant höhere Renditen als die schlecht und mittelmäßig Informierten erwirtschaften. Wenig überraschend hingen ist, dass die am besten Informierten (Insider) die höchste Rendite erzielen und alle anderen Händlerklassen deutlich abhängen.

Mittelmaß ist schlecht

Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich sehr gut in bereits bestehende Literatur einordnen. "Ein Großteil der empirischen Studien zum Insiderhandel auf realen Märkten weist diesen Händlern weit überdurchschnittliche Renditen zu", so Michael Kirchler. Des weiteren belegen ein Vielzahl von Untersuchungen, dass rund 60 bis 80 Prozent der Investmentfonds schlechter als der jeweilige Benchmarkindex (Marktschnitt) abschneiden. Da anzunehmen ist, dass die Investmentfondsmanager weder über Insiderinformationen verfügen noch uninformiert sind, kann davon ausgegangen werden, dass sie zur großen Gruppe der mittelmäßig Informierten zählen. Folglich stimmen diese Indizien mit den Ergebnissen der Experimente überein, wobei aber der große Vorteil der Laborexperimente darin besteht, Erklärungen für diese Beobachtungen abgeben zu können.

Ungünstig: Veraltete Informationen

Durch die Analyse der Handelsdaten haben Kirchler und Huber auch eine Erklärung für dieses Phänomen parat. Wie am realen Markt erhalten Insider die Informationen als Erste und handeln entsprechend. Durch ihre Käufe (Verkäufe) bewegt sich der Preis bereits nach oben (unten). Wenn die mittelmäßig und schlecht Informierten diese Informationen einige Perioden später erhalten, sind diese Informationen bereits alt, somit längst im Preis enthalten und der Markt bewegt sich bereits in die andere Richtung. Während also Insider es schaffen, zu kaufen (verkaufen) bevor die Preise steigen (fallen), kaufen (verkaufen) mittelmäßig und schlecht Informierte erst, wenn die Preise bereits ein lokales Maximum (Minimum) erreicht haben. "Insider kaufen billig ein und verkaufen teurer weiter, mittelmäßig und schlecht Informierte kaufen hoch und verkaufen billiger. Uninformierte haben den großen Vorteil, dass sie nicht durch alte und bereits eingepreiste Informationen systematisch fehlgeleitet werden können. Manchmal haben sie Glück, kaufen billig, manchmal Pech, und es wird teuer eingekauft. Im Schnitt reicht es zur durchschnittlichen Marktrendite. Lediglich Insider und sehr gut Informierte sind besser", fasst Michael Kirchler die Ergebnisse zusammen.

Medieninfos lohnen sich nicht

Für Privatinvestoren, die sich für eine Veranlagung am Aktienmarkt entschieden haben, lohne es sich nicht, sich an Börseninformationen aus den Medien zu orientieren. Vielmehr seien Indexprodukte, die die Entwicklung eines Index nachvollziehen, die geeignete Wahl für Privatinvestoren. "Man "kauft" sich dadurch die Entwicklung diverser Indizes und erreicht per Definition die durchschnittliche Marktrendite", so Jürgen Huber abschließend.


Weiterführende Links

  • Universität Innsbruck, Institut für Banken und Finanzen

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