Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises 2008
Der Deutsche Jugendliteraturpreis 2008 wurde am 17. Oktober 2008 auf der Frankfurter Buchmesse von Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, verliehen. Der einzige Staatspreis für Literatur in Deutschland zeichnete herausragende Kinder- und Jugendbücher mit Preissummen von insgesamt 50.000 Euro aus.
18.10.2008 Pressemeldung Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.Neben zahlreichen nominierten Personen und ihren Verlegern wohnten über 1.000 Gäste aus dem In- und Ausland der mittlerweile größten Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse bei.
Der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis ging an die Übersetzerin Gabriele Haefs. Die Jury würdigte damit das Gesamtwerk ihrer kinderliterarischen Übersetzungen: "Virtuos geht sie mit den unterschiedlichsten Erzählstimmen, Dialogformen und narrativen Strukturen um. Sie verweigert sich in ihren kinder- und jugendliterarischen Übertragungen jeglicher Verniedlichung und Simplifikation und zollt ihrer intendierten Leserschaft dadurch ebenso viel Respekt wie den Adressaten ihrer allgemeinliterarischen Übersetzungen."
In den Kategorien Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch wurde je ein Preis in Höhe von 8.000 Euro verliehen. Die Kritikerjury zeichnete im Bilderbuch die neu illustrierte Fassung des Grimmschen Märchens Hänsel und Gretel von Susanne Janssen aus: "Bildgewaltig, archaisch und kühl greift die Künstlerin die psychologischen Aspekte dieses Textgutes auf und transportiert es fulminant ins Heute."
Den Preis für das beste Kinderbuch erhielten die amerikanische Autorin Paula Fox und ihre Übersetzerin Brigitte Jakobeit für Ein Bild von Ivan: "Der poetisch kurz gefasste, fast komprimierte Roman dreht sich leichtfüßig um das Thema Bilder: um Eigen-, Fremd- und Ab-Bilder. Virtuos spielt Fox mit diesem Sujet und zeichnet das eindrückliche Porträt eines Jungen, der kaum Zuwendung und Wärme erfuhr."
Sieger in der Sparte Jugendbuch wurde der Titel was wäre wenn: "Das grandios entworfene Spiel mit den Identitäten, das egomane Kreisen um das eigene Ich wird von der Autorin Meg Rosoff mit sprühendem Witz und Tempo in einen Adoleszenzroman gegossen. Brigitte Jakobeit gelingt es, diese humorvoll-hintergründige Geschichte sprachlich fein austariert ins Deutsche zu übersetzen."
Mit dem prämierten Sachbuch Der Kick. Ein Lehrstück über Gewalt liefert der Dokumentarfilmer Andres Veiel die Chronik einer unfassbaren Tat: Der 16-jährige Marinus Schöberl wurde 2002 von drei Freunden im brandenburgischen Potzlow ermordet. "Versucht wird, den ´Stoff` auf fiktionalisierte, auf dokumentarische und auf wissenschaftliche Weise einzukreisen." Die Jury lobte "die aufklärerische Intention, die profunde Information und das pointiert gearbeitete Konzept" dieses Sachbuches.
Der Preis der Jugendjury, der ebenfalls mit 8.000 Euro dotiert ist,ging an die französische Autorin Marie-Aude Murail und ihren Übersetzer Tobias Scheffel für Simpel. "Eindringlich stellt die Autorin den Grundkonflikt im Umgang mit Behinderten dar: Isolation im Heim oder Leben in einer integrativen Gesellschaft. Der quirlig-spritzige Schreibstil vermittelt den Eindruck bester Unterhaltungsliteratur. Doch schnell wird klar: Hier handelt es sich um Gesellschaftskritik auf hohem Niveau", so die Jury.
Für die freundliche Unterstützung bei der Durchführung der Preisverleihung danken wir unseren Partnern Frankfurter Buchmesse und DasTelefonbuch.
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