Tim Mälzer will mehr Ernährungskunde in den Schulen

(bikl) Die Schule habe auch einen Erziehungsauftrag in Sachen kulinarischer Bildung zu erfüllen, hatte Tim Mälzer Ende vergangenen Jahres gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt. bildungsklick.de hat den Starkoch jetzt auf der didacta 2007 in Köln getroffen und ihn gefragt, ob er sich persönlich für mehr Ernährungskunde in den Schulen stark macht. *(Im Podcast das Interview in Langfassung)*

09.03.2007 Artikel
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Herr Mälzer, machen Sie Bildungsfernsehen?

Mälzer: Das ist schon ein bisschen hochgestochen ausgedrückt, aber ich versuche Wissen zu vermitteln.

Ich habe gehört, Sie gehen auch in Schulen – machen Sie das eher sporadisch?

Mälzer: Also eine Zeit lang habe ich es nur aus Spaß an der Freude gemacht. Momentan mache ich es sehr sporadisch aufgrund meines Zeitplans. Ich versuche aber das, was man mir gegeben hat, die Aufmerksamkeit und die Möglichkeiten, zu nutzen: Ich kann Türen öffnen, ich kann wirtschaftliche Kooperationspartner dazugewinnen. Einer Hausfrau oder Mutter wird man kaum Gehör schenken, wenn ich mich aber hinstelle und in einem öffentlichen Medium sage: ´Guckt doch mal, ist da nicht etwas möglich´, dann bekomme ich mehr Gehör als die Hausfrau. Das heißt nicht, dass ich erfolgreicher sein werde, aber zumindest bekomme ich schon mal die Aufmerksamkeit. Ich bin dabei, solche Dinge vorzubereiten, ja.

Das heißt, Sie wollen vielleicht so etwas Ähnliches machen wie Jamie Oliver in England?

Mälzer: Nein, das habe ich nicht gesagt. Man darf das nicht verwechseln. Jamie ist in England und ich bin in Deutschland. Das deutsche Bildungswesen ist komplett anders als das englische Bildungswesen. Und das alles nur auf die Currywurst runterdrücken zu wollen, ist doof. Das, was Jamie in England geleistet hat, ist so viel mehr als nur die Fish and Chips zu verbannen. Das ist so viel nachhaltiger als es eventuell im ersten Moment scheint. Ich muss mich hier erst einmal damit beschäftigen, wie unser Bildungssystem aufgebaut ist. Natürlich habe ich meine Erfahrungen. Aber welche Hintergründe gibt es? Ich kann mich nicht einfach hinstellen und sagen: Wir brauchen viel mehr Ernährungswissenschaften an den Schulen ohne dass ich weiß, wie viel das alles kostet und welche Möglichkeiten überhaupt bestehen.

Also Sie denken schon ernsthaft darüber nach, dass hier etwas getan werden müsste?

Mälzer: Na klar denke ich ernsthaft darüber nach. Bloß, ich habe den Schlüssel noch nicht gefunden, werde ihn vielleicht auch nie finden. Aber ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin, mir ein System zusammenzubauen, wo ich zumindest das, was ich erreichen kann auch mit Inhalt füllen kann. Ich möchte nicht nur auf irgendeiner Broschüre aufgedruckt sein von irgendeiner neuen Initiative, die über den Prospektstatus nie hinauskommt. Ich möchte Verantwortung übernehmen und auch soweit im Thema drin sein, dass ich weiß, warum wir Erfolg haben oder warum wir einen Misserfolg haben.

Hatten Sie denn Kochunterricht in der Schule?

Mälzer: Nein nie. Das soll nicht blöd klingen, aber ich bin in einer Zeit groß geworden, als das noch nicht so ein dramatisches Thema war. Wir haben jetzt eine rasende Entwicklung vollzogen, gerade was das Ernährungsangebot in Supermarktketten, in Fast Food Ketten in Systemgastronomien etc. angeht. Dadurch sind Problematiken entstanden, um die ich mir damals keinen Kopf machen musste. Bei uns wurde noch gekocht, fertig. Wenn ich heute sehe, welche Werteverschiebung stattgefunden hat - was ich gar nicht bejammere, sondern es ist einfach ein Zustand und danach müssen wir uns ein bisschen richten - dass zwei Urlaubsreisen im Jahr oder der dritte DVD-Player innerhalb von vier Jahren wichtiger sind als eventuell mal dem eigenen Nachwuchs etwas Gutes zu gönnen. Wenn Papa an der Tankstelle das Super-plus-plus-plus-Benzin tankt, aber nicht bereit ist, dem Kind eine vollwertige Mahlzeit zu bezahlen, dann haben wir einfach verschobene Wahrnehmungen.

Das heißt, man müsste nicht nur die Kinder weiterbilden, sondern auch Eltern und Lehrer?

Mälzer: Natürlich hat es etwas mit Bildung zu tun. Aber ich will kein Prüfungsthema draus machen, ich will kein Unterrichtsfach haben, das am Leistungsprinzip orientiert ist. Ich will keine kleinen Bocuses. Aber es sollte zumindest möglich sein, dass ein Kind, ein Elternteil, ein Lehrer den Unterschied zwischen Zucchini, Paprika und Karotte kennt und vielleicht auch noch weiß, was man daraus machen kann. Kinder sollten mit fünf, sechs Jahren wissen,was eine Karotte ist.


Weiterführende Links

  • Homepage von Tim Mälzer

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