Unternehmer fordern bessere frühkindliche Bildung

(bikl/ots) Zusätzliche und kostenfreie Kindergartenplätze zahlen sich für den Staat erst dann richtig aus, wenn zugleich die Qualität der frühkindlichen Bildung verbessert wird. Dies geht aus Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des politisch unabhängigen Unternehmensnetzwerks "Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V." hervor.

15.02.2007 Artikel

Gut 10 Milliarden Euro pro Jahr müsste der Staat zusätzlich aufbringen, um nicht nur ein größeres und gebührenfreies Angebot an Kindergartenplätzen, sondern auch höher qualifizierte Betreuer/innen sowie Ganztags-Grundschulen zu finanzieren. Aber, so die Studie, bis 2050 entstünde ein durchschnittliches Einnahmeplus von fast 14 Milliarden Euro pro Jahr, weil besser ausgebildete Beschäftigte erfahrungsgemäß weniger von Arbeitslosigkeit betroffen seien, ein höheres Sozialprodukt erwirtschafteten sowie mehr Steuern und Sozialbeiträge zahlten.

Steigendes Bruttoinlandsprodukt

Zudem würde der Staat durch die intensivere Förderung auf Dauer 4,2 Milliarden Euro jährlich einsparen – etwa, weil die Kinder früher eingeschult werden können und weniger Ausgaben für die Nachqualifizierung von Kindern und Jugendlichen anfielen, die in der Schule oder in der Berufsausbildung nicht mitkommen. Der Aufwand für das gesamte Paket rentiere sich damit für den Staat langfristig mit rund 8 Prozent, so das Ergebnis der Studie. Das Bruttoinlandsprodukt könnte im Jahr 2050 – in heutigen Preisen gerechnet – um 100 Milliarden Euro höher sein, als es ohne diese Maßnahmen möglich wäre, so IW-Direktor Prof. Dr. Michael Hüther.

Gefragt: qualifizierte Mitarbeiter

"Kinder, Staat und Wirtschaft profitieren, wenn frühkindliche Bildung ernster genommen wird", erklärte Dr. Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der BASF Aktiengesellschaft. Qualifizierte Mitarbeiter seien gefragter denn je. Bereits jedes siebte Unternehmen bekomme den Fachkräftemangel zu spüren. Die Situation werde durch die geburtenschwachen Jahrgänge noch verschärft. Doch rund 160.000 Schulabsolventen pro Jahr müssten zunächst eine berufsvorbereitende Maßnahme besuchen, bevor sie eine Lehre antreten können. "Wer den Standort Deutschland sichern will, muss also in Bildung investieren, denn als Hochtechnologie-Standort leben wir von kreativen Mitarbeitern und ihren Ideen", so Hambrecht.

250 Bildungsprojekte

Die Mitgliedsunternehmen des Netzwerks "Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V." engagieren sich bundesweit mit 250 Bildungsprojekten in über 400 Bildungskooperationen. Mit der Studie hat die Wissensfabrik nun erstmals Zahlen über Renditen von Investitionen in frühkindliche Bildung vorgelegt. Sie soll zusätzliche Argumente liefern, schon früh in Bildung zu investieren.


Weiterführende Links

  • IW-Studie zur Bildungsökonomie
  • Wissensfabrik Deutschland

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