VBE: Spracharmut ist nicht geil
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg prangert die zunehmende Primitiv- und Gossensprache an, die vor allem in den Talent- und Talkshows der Privatsender, bisweilen auch in der Werbung zum scheinbar guten Ton gehören. Wenn jedes fünfte Kind bei der Einschulung unter Spracharmut leidet, entwickelt sich der Wortschatz dieser Schüler durch die schlechten Vorbilder zusätzlich noch in die falsche Richtung.
18.04.2011 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDer Umgangston in nachmittäglichen Gerichtssendungen im Privatfernsehen, in Talent- und Talkshows ist häufig nicht vom Feinsten und will glauben machen, dass dieser in unserer Gesellschaft "normal" sei. Mit flotten Sprüchen wie "Geiz ist geil", "Lasst euch nicht verarschen" und "ohne Scheiß" suggeriert die Werbung jungen Menschen, dass solche Parolen alltägliche Ausdrucksweisen sind. Lehrer beobachten mit großer Sorge, dass durch eine primitivere, aggressivere Umgangssprache auch die Hemmschwelle für Attacken sinkt. "Die häufigere Form von Gewalt bei Kindern und Jugendlichen ist zuerst einmal eine verbale und nicht gleich die körperliche Gewalt", behauptet VBE-Chef Gerhard Brand.
Mit Blick auf die Zunahme der Radebrech- und Gossensprache mit Ausdrücken wie "Hurensohn" und "Wichser", die heute Schülern wie selbstverständlich von den Lippen gehen, hält der VBE es für wichtig, dass im Elternhaus und in der Schule frühzeitig und verstärkt Wert auf einen "guten Umgangston" gelegt wird. Dabei geht es nicht darum, den Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Jargon auszureden, mit dem sie sich bewusst oder unbewusst von den Erwachsenen abgrenzen wollen. Es müsse jedoch nicht jedes Missgeschick mit "Scheiße" kommentiert werden, kommentiert der VBE den inflationären Gebrauch von Kraftausdrücken und fordert einen wieder bewussteren Einsatz von Sprache.
Eine gute Ausdrucksfähigkeit und ein höflicherer Umgangston sind erstrebenswerte fächerübergreifende Lernziele und Kompetenzen, die nicht nur für die Berufsfindung notwendig sind. Kinder und Jugendliche müssen weg vom holzschnittartigen "Gassenjargon" zu einer "gepflegteren" Umgangssprache kommen. Dabei können und sollen Eltern wie Pädagogen durch ihre tägliche Vorbildfunktion behutsam Hilfestellung geben, denn das Fernsehprogramm selber werden sie nicht ändern können, so lange nicht miese Einschaltquoten die Verantwortlichen zum Umdenken zwingen.
Keine Kommentare vorhanden