150 Jahre Langenscheidt – Sprachen verbinden

Langenscheidt gehört zu den bekanntesten deutschen Marken. Die Wurzeln des blauen "L" auf gelbem Grund reichen 150 Jahre weit zurück: 1856 gründete Gustav Langenscheidt als 24-Jähriger in Berlin den heute als Langenscheidt KG firmierenden Verlag. Keimzelle war die "Methode Toussaint-Langenscheidt", die erste für Laien geeignete Lautschrift, die sich von Anfang an bewährte. Als erstes Verlagsprodukt erschien 1856 der "Briefliche Sprach- und Sprechunterricht für das Selbststudium der französischen Sprache". Es folgten Wörterbücher und schon 1905 der erste Sprachkurs auf Grammofonplatte. Heute ist Langenscheidt in vierter Generation in Familienbesitz. Mit rund 1400 Mitarbeitern werden in elf Ländern rund 255 Millionen Euro umgesetzt.

30.08.2006 Pressemeldung Langenscheidt GmbH & Co. KG

"Als ein ebenso wichtiger Triumph des menschlichen Scharfsinns wie die Erfindung der Dampfmaschine, Telegraphie usw." bezeichnete die "Literarische Rundschau" das Sprachlernsystem, das der 24-jährige Berliner Gustav Langenscheidt (1832–1895) und sein 43-jähriger Französischlehrer Charles Toussaint (1813–1877) Mitte des 19. Jahrhunderts gemeinsam entwickelt hatten. 1856 war mit dem "Brieflichen Sprach- und Sprechunterricht für das Selbststudium der französischen Sprache" der erste Selbstlernkurs fertig. Weil kein Verleger den Innovationswert erkannte, entschloss sich Langenscheidt, einen Verlag zu gründen und das Werk in Eigenregie zu publizieren.

Gustav Langenscheidt war alles andere als der gelernte klassische Verleger. Er stammte aus einer seit dem 17. Jahrhundert in Berlin ansässigen Handwerkerfamilie. Die Idee, Sprachkurse zu veröffentlichen, kam dem Verlagsgründer auf seiner Bildungsreise durch Europa. Umfangreiche Sprachkenntnisse waren im 19. Jahrhundert eher selten, insbesondere im Bürgertum. In London behinderte Langenscheidt seine Unkenntnis der englischen Sprache so sehr, dass er verärgert notierte: "Es ist ein wahrhaft peinliches Gefühl, unter Menschen nicht Mensch sein und seine Gedanken austauschen zu können." Heute steht sein vier Sprachen beherrschender Ururenkel Andreas Langenscheidt (Jg. 1952) an der Spitze der international tätigen Unternehmensgruppe.

Gemeinsam ist allen Langenscheidts das Geschick, die sprichwörtliche preußische Disziplin mit Pioniergeist, Verantwortungsbewusstsein und Visionen zu verknüpfen. Dadurch ist es ihnen gelungen, die Innovationskraft der Verlagsgruppe über 150 Jahre hinweg zu erhalten. So erschloss sich Langenscheidt im Lauf der Jahrzehnte nicht nur den Unternehmensbereich Reise und Kartografie (Polyglott, APA/Insight Guides, Berlitz Publishing), sondern auch den bedeutenden Sektor Wissen und Deutsche Sprache (Bibliographisches Institut, F. A. Brockhaus, Dudenverlag, Meyers Lexikonverlag, Harenberg Kalender- und Jahrbuchverlag). Mit zeitgemäßen, topaktuellen und immer wieder neue Maßstäbe setzenden Produkten stellt Langenscheidt seine Marktnähe und Verbundenheit mit seinen Zielgruppen stets aufs Neue unter Beweis.

Longseller mit mehr als 100-jähriger Lebensdauer

Die Stationen der Langenscheidt-Verlagsgeschichte sind ein frühes Bei spiel konsequenter Markenpolitik. Zu ihnen gehört das bis heute lieferbare Enzyklopädische Großwörterbuch Französisch. Nach seinen ersten Autoren, dem brandenburgischen Oberlehrer Karl Sachs und dem Neustrelitzer Gymnasiallehrer Césaire Villatte, ist es bis heute als "Sachs-Villatte" bekannt. Die erste Ausgabe erschien 1869–1880 in mehreren Lieferungen. Das erste Wörterbuchprojekt des Verlags hätte den jungen Verleger fast die Existenz gekostet, da Redaktion und Produktion nicht wie geplant drei, sondern siebzehn Jahre benötigten und damit das veranschlagte Budget in jeder Hinsicht gesprengt haben. Gustav Langenscheidt konstatierte nach erfolgreicher Fertigstellung, "dass derartige Werke schwerlich das Licht der Welt erblicken würden, wenn jeder Autor von vornherein wüsste, welche Herkulesarbeit er unternimmt".

Noch größeres Durchhaltevermögen erforderte das Großwörterbuch Englisch ("Muret-Sanders"), an dem ab 1869 gearbeitet wurde und das erst 1901 fertig gestellt werden konnte. Doch auch mit diesem Werk schuf Langenscheidt eines der langlebigsten Produkte der Verlagsgeschichte und stellte dem Prototypen "Sachs-Villatte" ein nicht minder erfolgreiches Pendant an die Seite. Schon vier Jahre später, 1905, experimentierte Langenscheidt im Bereich der "Neuen Medien": Das Ergebnis war die erste Grammofonplatte für den Sprach-Selbstlern-Unterricht. Die schwarze Scheibe erleichterte das Erlernen der englischen Sprache und ergänzte das Verlagsprogramm erstmals um ein so genanntes Non-Book.

Taschenwörterbücher als Brotartikel

Ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann Langenscheidt konsequent in Reihen zu denken: 1903 wurden die "Taschenwörterbücher" begründet, bis heute eine der tragenden Säulen des Wörterbuchgeschäfts. Carl Langenscheidt (1870–1852), der Sohn des Verlagsgründers, ging damit geschickt auf die Bedürfnisse der damaligen Gesellschaft ein: Das, was sein Vater 1883 als "Langenscheidts Notwörterbücher" für die Sprachen Englisch und Französisch auf den Markt gebracht hatte, entsprach den Wünschen der mobiler werdenden Gesellschaft nach handlichen und preiswerten Wörterbüchern, die auf Reisen mitgeführt werden konnten und in allen möglichen Lebenssituationen "aus der Not helfen". Die Bezeichnung "Notwörterbuch" allerdings war zu dieser Zeit längst nicht mehr angemessen. Carl Langenscheidt, der sich im Ausland mit den Gesetzen des modernen Marketings vertraut gemacht hatte, wählte für seine Reihe den gefälligeren Begriff "Taschenwörterbücher".

Ebenfalls 1903 begann Langenscheidt damit, seinen Hauptumsatzbringer, die Unterrichtsbriefe, die bis dato nur für Französisch und Englisch vorlagen, auf weitere Sprachen auszuweiten. 1923 wurde mit "Hebräisch" die in dieser Reihe 14. und letzte Sprache erschlossen.

Neue Geschäftsfelder und erste Übernahmen

1905 war Langenscheidt als Sprachenverlag so gut eingeführt, dass für die Schülerübungsbücher "Schreibmethode Mentor" ein neues Unternehmen, der Mentor Verlag, gegründet und damit eine neue Marke eingeführt wurde. Dieses Vorgehen ist ein weiterer Beweis dafür, wie modern Carl Langenscheidt in Marketingfragen dachte.

1907, ein Jahr nachdem in Berlin-Schöneberg ein repräsentatives Verlags- und Druckereigebäude bezogen werden konnte, wuchs Langenscheidt erneut, dieses Mal durch Übernahme des sprachwissenschaftlichen Programms aus dem Paul Neff Verlag. 1917 kamen die Wörterbücher des Westermann Verlags hinzu.

Sprachführer – auch für das Ausland

Mit den "Metoula-Sprachführern", einer eingängigen Abkürzung von "Methode Toussaint-Langenscheidt", kam 1912 eine weitere Erfolgsserie auf den Markt. Die kleinen, elegant gebundenen Bändchen vermittelten, thematisch strukturiert, den auf Auslandsreisen wichtigsten Wortschatz. Sie erschienen für insgesamt 35 Sprachen. 1914 waren die "Metoula-Sprachführer" bereits so gut eingeführt, dass mit "German" der erste "Metoula" für Ausländer erschien. Die "Methode Toussaint-Langenscheidt" blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg das Charakteristikum sämtlicher Langenscheidt-Wörterbücher und Sprachkurse. Erst danach wurde sie durch die internationale Lautschrift IPA abgelöst.

Handelkorrespondenz – ein neues Geschäftsfeld

In den 1920er-Jahren widmete sich Langenscheidt verstärkt den Firmenkunden, die immer mehr Auslandskontakte pflegten und deshalb Hilfsmittel für den Schriftwechsel mit ihren ausländischen Kunden benötigten. "Langenscheidts Handbücher der Handelskorrespondenz" (1924) dokumentieren dies ebenso wie "Langenscheidts Handelswörterbücher" (1926).

"Wunderwaffen" für Schüler

Die Bedürfnisse der Menschen begannen sich immer weiter auszudifferenzieren. Langenscheidt erkannte dies frühzeitig und brachte 1930 zwei neue Wörterbuchserien heraus, die einen noch geringeren Umfang hatten als die "Taschenwörterbücher": "Langenscheidts Miniatur-Wörterbücher", die bis heute Generationen von Schülern als Rettungsanker bei schwierigen Klassenarbeiten in bester Erinnerung sind. Auch dies war ein gelungener Marketingschachzug: Jeder Markenartikler träumt davon, seine Kunden schon als Jugendliche zu gewinnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die "Miniatur-Wörterbücher" unter dem eingängigeren Namen "Lilliput" in mehr als 100 Sprachkombinationen vertrieben. Wegen ihrer Größe und kunstvollen buchbinderischen Verarbeitung stehen sie auch bei den Sammlern von Minibüchern hoch im Kurs.

Als weitere Produktlinie konnten sich 1930 "Langenscheidts Universal-Wörterbücher" etablieren, die im Entstehungsjahr damit beworben wurden, dass sie "klein, handlich, leicht in der Rocktasche oder im Stadtkoffer unterzubringen" seien.

Zerstört und wieder aufgebaut

In den 1930er-Jahren, in denen viele Verlage mit erheblichen Absatzproblemen zu kämpfen hatten, stand Langenscheidt aufgrund seiner Auslandsgeschäfte überdurchschnittlich gut da. 1936 konnte mit populären Sprachillustrierten, die auf unterhaltsame Weise Kenntnisse der jeweiligen Fremdsprache vermittelten, sogar noch ein neues Geschäftsfeld eröffnet werden. Der Kriegsbeginn erschwerte die Arbeit des Sprachenverlags aber zunehmend. Im Januar 1944 kam sie nahezu zum Erliegen, nachdem das Berliner Verlagsgebäude von Bomben beinahe vollständig zerstört worden war. Der größte Teil der Redaktionsunterlagen und Bestände wurde ein Opfer der Flammen.

1948 trat Karl Ernst Tielebier-Langenscheidt (Jg. 1921), der heutige Seniorverleger, in den Verlag ein und leitete an der Seite seines Großvaters den Wiederaufbau des Unternehmens. Zu den wichtigsten Etappen dieser frühen Jahre zählt die Entwicklung eines einheitlichen Corporate Designs (CD), das sukzessive auf alle Produkte des Hauses übertragen wurde. Erstmals sichtbar wurde die Neugestaltung des blauen "L" auf gelbem Grund, heute ein Synonym für Wörterbücher und Sprachkurse, im Jahr 1956.

München wird zweiter Verlagssitz

Tielebier-Langenscheidt entwickelte das Traditionsunternehmen zu einem modernen Verlag für unterschiedlichste Nachschlagewerke. Dass er auch thematisch über das Ererbte hinauskommen wollte, bewies er bereits 1959 mit der Gründung der "Polyglott Reiseführer". Der Mauerbau in Berlin veranlasste Tielebier-Langenscheidt, 1961 in München einen zweiten Firmensitz zu installieren, der sukzessive zum Hauptsitz des kontinuierlich wachsenden Unternehmens wurde.

Ausbau zur Verlagsgruppe

Von München aus leitete Tielebier-Langenscheidt systematisch die Internationalisierung des Traditionsverlags ein. Sein Sohn Andreas Langenscheidt, seit 1981 im Unternehmen, baute zusammen mit dem Vater die Firma durch zahlreiche Zukäufe zur internationalen Verlagsgruppe aus. Bereits 1981 konnte in den USA der erste von inzwischen acht Kartografieverlagen erworben werden. Mit ihnen wurde Langenscheidt zum zweitgrößten US-Anbieter von Straßenkartografie. Der bedeutsamste Wachstumsschritt der Münchner Verlagsgruppe erfolgte 1988, als Langenscheidt die Mehrheit am Mannheimer Lexikonverlag Bibliographisches Institut/F. A. Brockhaus (BIFAB) übernehmen konnte.

Langenscheidt bleibt Technik-Trendsetter

Mit einer Vielzahl von Entwicklungen im elektronischen Bereich sicherte sich das Traditionshaus auch in den letzten Jahrzehnten weltweite Anerkennung und knüpfte an die Erfolgslinie an, die Carl Langenscheidt 1905 mit der ersten Sprechplatte eröffnet hatte: 1983 kam mit dem "alpha 8 Englisch" das erste elektronische Wörterbuch der Welt heraus, mit dem Langenscheidt erneut Mediengeschichte schrieb. Die Nachfolger dieser Innovation sind aus dem Alltag der heutigen Reisenden nicht mehr wegzudenken. Seit 1984 bietet Langenscheidt Softwareprodukte für Computer an und brachte 1996 mit "Langenscheidts T1" seine erste Übersetzungssoftware auf den Markt. Weil es parallel dazu immer noch viele Gebiete gibt, die nach individueller Übersetzung verlangen, wurde 1997 der Langenscheidt Übersetzungsservice gegründet. Das Dienstleistungsunternehmen kann auf einen großen weltweiten Pool von Übersetzern zurückgreifen und damit auch kurzfristige Aufträge termingerecht abwickeln. Neben der klassischen CD-ROM haben die Produkte aus dem Haus Langenscheidt längst auch Einzug auf iPod, Palm, Handy oder Internet bzw. Intranets gehalten.

Internationalisierung – auch in Zukunft

Das Jubiläumsjahr 2006 begann mit einer Kooperation, die Langenscheidt mit Mondadori verknüpft, dem größten italienischen Verlag: Mit eigens für den italienischen Markt entwickelten Wörterbüchern und Sprachführern erschließt die Münchner Verlagsgruppe nun auch den italienischen Fremdsprachenmarkt und etabliert die Marke mit dem unverwechselbaren gelb-blauen Design auch südlich der Alpen. Verleger Andreas Langenscheidt versteht die Zusammenarbeit mit dem renommierten Mailänder Verlag "als entscheidenden Baustein zur weiteren Internationalisierung unserer Verlagsgruppe", die 2005 weltweit rund 255 Millionen Euro umgesetzt hat. Doch Langenscheidt verfolgt mit der Internationalisierung keineswegs nur unternehmerische Interessen; der Gedanke der Völkerverständigung, der 1856 – vor 150 Jahren – bereits den Verlagsgründer Gustav Langenscheidt angetrieben hat, spielt auch im 21. Jahrhundert noch eine wichtige Rolle: Seinen Wunsch, sich im Ausland verständigen zu können, kommuniziert die Verlagsgruppe Langenscheidt heute unter dem Unternehmensmotto "…weil Sprachen verbinden".

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Ansprechpartner

Gabriele Becker - Die Agentur für Presse und Öffentlichkeit
Nymphenburger Straße 101 / Rückgebäude
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Telefon: 089 - 15 82 02 06
Fax: 089 - 15 82 02 08
E-Mail: presse@langenscheidt.de


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