50 Jahre "Schmales Handtuch":

Im Rahmen eines großen Festaktes und im Beisein zahlreicher Ehrengäste konnte das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft heute (25.6.04) das 50-jährige Jubiläum seines Dienstgebäudes feiern. Nach der Begrüßung durch Kultusminister Jürgen Schreier und dem Geleitwort des französischen Generalkonsuls Gérard Grall erinnerten Professor Dr. Rainer Hudemann und Anne-Katrin Wadle an die zeitgeschichtlichen Ereignisse aus der Gründerzeit des Gebäudes.

25.06.2004 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

"Die Geschichte des Hauses erinnert an eine Zeit, als das Saarland im Zentrum der internnationalen Politik gestanden hat. Die ehemalige französische Botschaft ist ein herausragendes Dokument der Nachkriegszeit und gemeinsamer deutsch-französischer Vergangenheit", betonte Minister Schreier.

Nach Kriegsende im Saarland, am 10. Juli 1945, geht das Saargebiet an die französische Besatzungsmacht über und Gilbert Grandval wird Militärgouverneur. In den folgenden Jahren erfolgt die Verabschiedung der saarländischen Verfassung und am 18. Dezember 1948 wird die erste saarländische Regierung unter Johannes Hoffmann gebildet. Am 1. Januar 1948 wird die Militärregierung durch ein Hochkommissariat unter Gilbert Grandval abgelöst.

Die Planungen für den Neubau der diplomatischen Vertretung an der Saar beginnen 1951. Chefplaner war der 1894 geborene Georges-Henri Pingusson, der 1945 ins Saarland gekommen und bis 1949 der leitende Städteplaner für den Wiederaufbau der Landeshauptstadt war.

Die Bauarbeiten beginnen 1952. Das Bauvorhaben wurde auf Kosten des Saarlandes betrieben. Verantwortlich für Detailplanung und Ausführung waren die beiden Saarbrücker Architekten Schultheis und Baur, beide Mitbegründer der Architektenkammer des Saarlandes.

1954 wird das Gebäude fertig gestellt und Gilbert Grandval, der 1952 in den Botschafterrang erhoben worden war, bezieht seine Dienst- und Wohnräume. Im Juni 1955 übernimmt Gilbert Grandval neue Aufgaben in Marokko. Nach der mehrheitlichen Ablehnung des Saarstatus durch die saarländische Bevölkerung am 23. Oktober 1955 wird die Saarfrage zwischen Paris und Bonn durch den Vertrag von Luxemburg am 27. Oktober 1956 geregelt. In den folgenden Jahren wird das Saarland schrittweise und am 6. Juli 1959 auch durch die Einführung der DM wirtschaftlich an die Bundesrepublik angegliedert. An diesem Tag schließt Botschafter Tanguy de Courson de Villneuve die bisherige Diplomatische Mission Frankreichs an der Saar. Es verbleibt das neue Generalkonsulat in der Johannisstraße. Am 1. Januar 1960 übernimmt das Saarland das Gebäude und überlässt es dem Kultusministerium zur Nutzung.

Parallel zu den Feierlichkeiten hatte das Historische Museum eine Ausstellung mit Erinnerungsstücken aus der damaligen Zeit organisiert. Auch das Kultusministerium hatte zahlreiche historische Dokumente über Saarbrücken, das Baugelände und die Geschichte des Hauses zusammengetragen.

"Die Zeit vor 50 Jahren war im Saarland spannend und bewegt - eine Zeit des Pro und Contra. Dass sich die Saarländerinnen und Saarländer damals für die Wiedervereinigung im Kleinen, wie die Geschichtsschreibung die Rückgliederung des Saarlandes nennt, entschieden haben, ist die eine Seite der Medaille.

Dass wir das französischste Bundesland geblieben sind, die andere gute Seite. Die Medaille hieß früher Franc. Dann DM. Und heute: Euro. Im Saarland beginnt nicht nur die deutsch-französische Freundschaft. Das Saarland ist auch Europa im Kleinen", erklärte Kultusminister Jürgen Schreier im Rahmen der Festveranstaltung.


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