75. Deutscher Archivtag in Stuttgart steht unter dem Thema "Archivwesen und Nationalsozialismus"
Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg hat bei der Eröffnung des 75. Archivtags in Stuttgart die vielfältigen Funktionen der Archive herausgestellt.
27.09.2005 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg"Durch die Sicherung, den Erhalt und das Bereitstellen der historischen Überlieferung sind die Archive ein wesentlicher Bestandteil unserer Erinnerungskultur. Gleichzeitig sichern sie den Anspruch der Bürgerinnen und Bürger auf Zugang zu den Informationen der Verwaltung und gewährleisten damit auch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung", erklärte Frankenberg am 27. September in Stuttgart. Der Archivtag findet vom 27. bis 30. September statt und steht unter dem Thema "Das deutsche Archivwesen und der Nationalsozialismus".
Mit dem Rahmenthema habe der Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare einen Schwerpunkt gesetzt, der 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die notwendige und längst überfällige Auseinandersetzung mit dieser Epoche in der Geschichte des eigenen Berufsstandes einleite, sagte Frankenberg. Die Bestände der Archive seien unentbehrlich für die Aufarbeitung der Geschichte des Dritten Reiches generell, vor allem im Zusammenhang mit der Ahndung krimineller Schuld, der Wiedergutmachung von erlittenem Unrecht und der Rückerstattung von Verlusten. "Allein in den Abteilungen des Landesarchivs Baden-Württemberg lagern Millionen von Einzelakten über die Verfahren der Entnazifizierung, über Rückerstattungs- und Wiedergutmachungsverfahren sowie über polizeiliche Ermittlungen und Prozesse gegen NS-Verbrecher", so Frankenberg.
Er würdigte die vorzüglich geordnete Archivlandschaft in Baden-Württemberg mit ihrem reichen Bestand an staatlichen und nicht staatlichen Archiven: "Mit unseren Staatsarchiven, den Stadt-, Kreis- und Gemeindearchiven, kirchlichen Archiven, Adelsarchiven, Literaturarchiven, dem Wirtschaftsarchiv, dem Landtagsarchiv und den Archiven der Rundfunk und Fernsehanstalten findet sich jede Fachgruppe des Vereins Deutscher Archivare hierzulande gut vertreten."
Als große Herausforderung bezeichnete Frankenberg die Frage der Langzeitarchivierung von elektronischem Archivgut, die dringend gelöst werden müsse. "Die Archive sind nicht nur gezwungen, ihre Arbeitsweise zu ändern, sie müssen auch eine organisatorische und technische Infrastruktur aufbauen, mit deren Hilfe die digitalen Unterlagen über lange Zeiträume erhalten und nutzbar gemacht werden können." Das Landesarchiv Baden-Württemberg stelle sich aktiv dieser Aufgabe, indem es bereits digitale Unterlagen übernimmt und im Verbund mit anderen Archiven und Einrichtungen Lösungen für deren dauerhafte Archivierung entwickelt. Das Konzept für ein digitales Landesarchiv soll im Jahr 2008 vorliegen.
Minister Frankenberg stellte die Leistungen von Prof. Dr. Wilfried Schöntag heraus, der Ende August als Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg in den Ruhestand getretenen ist: "Er hat durch seine langjährige und zukunftsweisende Arbeit für das Archivwesen maßgeblich zum Ansehen der baden-württembergischen Archivverwaltung in Deutschland beigetragen."
Näherer Informationen zum Archivwesen in Baden-Württemberg unter www.lad-bw.de.
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