8. Landeskongress der Musikpädagogik in Stuttgart

Am 6. Oktober eröffnet der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog den 8. Landeskongress der Musikpädagogik in der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Das Kultusministerium erwartet von dem viertägigen Kongress neue Impulse für die musische Bildung an Schulen und Kindergärten.

29.09.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Bei der öffentlichen Vorstellung des Tagungsprogramms am Donnerstag (29. September) in Stuttgart hob der Amtschef des Kultusministeriums, Ministerialdirektor Thomas Halder, die Schlüsselrolle der Musikerziehung bei der frühkindlichen Bildung hervor. Musizieren und Singen fördere das Hörverstehen und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Die intensive Beschäftigung mit Musik gehöre somit zu den Voraussetzungen für den erfolgreichen Erwerb von Bildungskompetenzen. Der Ministerialdirektor sieht das Land im Bereich der Schulmusikpädagogik in einer bundesweiten Vorreiterrolle. Baden-Württemberg habe als erstes Bundesland "Musik-Standards" für den Schulunterricht entwickelt. Halder verwies auf die Vielzahl der schulischen Musikensembles in Baden-Württemberg und die jährlich 5.000 öffentlichen Konzerte, die von 3.000 Schulchören und 3.000 Instrumentalgruppen aufgeführt wer-den.

Mit über 150 Veranstaltungen spiegelt der Kongress das gesamte Spektrum der Musikpädagogik wider. An den vier Kongresstagen werden jeweils bis zu 1000 Gäste erwartet. Ein besonderer Schwerpunkt des diesjährigen Kongresses liegt auf dem Themenfeld "Medizin und Musikpädagogik". Den Impuls zu diesem Thema gibt die Veranstaltung "Medizin und Musikpädagogik als Partner". Diese Podiumsdiskussion führt Vertreter der Landesärztekammer, des Landesgesundheitsamts sowie der Wissenschaft und Forschung in der Medizin an einen Tisch zusammen. Dabei soll zunächst eine Bestandsaufnahme der Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf die Hörverarbeitung, Sprachentwicklung und kindliche Stimmstörungen geben. Gleichzeitig werden neue Ansätze erörtert, um zukünftige Kooperationen zwischen Medizin und Musikpädagogik zu initiieren. Der Kongress richtet sich nicht nur an das Fachpublikum, sondern auch an die musikinteressierte Öffentlichkeit. Der Besuch der vielfältigen Konzertangebote im Rahmen des Kongresses ist frei. Die erforderlichen Einlasskarten sind im Kongressbüro im Foyer der Musikhochschule zu erhalten.

Veranstaltet wird der Kongress vom Kultusministerium, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und dem Ministerium für Arbeit und Soziales, in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) und dem Verband Deutscher Schulmusiker (VDS). Diese Kooperation von Ministerien und Interessenverbänden im Rahmen eines solchen Projektes ist bundesweit einmalig. Die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart stellt als Kooperationspartner die Konzertsäle und Räumlichkeiten zur Verfügung und bietet Seminare und Workshops mit Professoren und Dozenten an. Die Landeskongresse der Musikpädagogik werden seit 1991 im zweijährigen Turnus durchgeführt.

Schwerpunkte des 8. Kongresses für Musikpädagogik

Im Zentrum steht die Klassik und die zeitgenössische Musik. Es sollen musikpädagogische Lösungsansätze vorgestellt und erarbeitet werden, die bestehende Rezeptionshürden zur zeitgenössischen Musik überwinden helfen sollen.

Im zweiten Schwerpunkt "Musik und Medizin" wird die Beziehung dieser beiden Disziplinen untersucht werden. Dabei geht es nicht nur um Menschen, die mit Behinderungen leben müssen, sondern um alle Kinder und Jugendlichen. Neben Expertengesprächen werden auch die Möglichkeiten interdisziplinärer Kooperationen und Zusammenarbeit erörtert.

Im Themenfeld Popularmusik, Musical und Jazz werden neue Ansätze zur Vermittlung dieser Genres vorgestellt. Zugleich wird das praktische Musizieren in Form von Workshops geübt und kreative Problemlösungsansätze vorgestellt.

Durch die Beiträge des Kongresses soll die Wichtigkeit der elementaren Musikerziehung hervorgehoben werden.

Im Themenblock Fremdsprachenlernen mit Musik steht die Verbindung von Sprache und Musik im Vordergrund. Dozenten aus Großbritannien und Frankreich zeigen am praktischen Beispiel, wie Musik als Medium zur Vermittlung von Fremdsprachen verwendet werden kann.

Ein weiteres Themenfeld kommt in der Reihe Rhythmik, Gestik und Tanz zur Geltung. Podiumsdiskussionen und begleitende Workshops zeigen die Möglichkeiten gestalterischer Bewegung und bieten einen Überblick über ihre Verankerung in allen Sparten der Musikpädagogik.

Dass Musikerziehung in der Grundschule mehr ist als gemeinsames Singen, zeigt das Themenfeld Musikpraxis in der Grundschule. Singen, Spielen und Bewegung zeigen Formen der in den Tagesablauf eines Kindes integrierten Musikerziehung.

Klassenmusizieren in allen Schularten ist als weiterem Schwerpunkt ein vielgestaltiges Angebot gewidmet. Für jede Schulform und Altersklasse geben entsprechende Beiträge Anregungen für den täglichen Gebrauch im Musikunterricht.

Mit Blick auf die vorbildliche Kooperation mit der Staatsoper Stuttgart ist auch dem Thema Schule und Musiktheater eine Reihe von Veranstaltungen gewidmet. Präsentiert werden neue Ansätze der Opernpädagogik und der Vermittlung von Musiktheater.

Im Bereich der Musikpädagogik werden bereits seit langer Zeit im Sinne des Netzwerkgedankens Kooperationen zwischen Schule, Musikschule und Verein gesucht und vermittelt. Es werden sowohl aktuelle Kooperationsbeispiele vorgestellt als auch bereits fest etablierte Kooperationen, zum Beispiel mit dem Südwestrundfunk.

Mit dem Thema Musik und Computer werden die Möglichkeiten, etwa die Erstellung eigener CDs, und die didaktischen Möglichkeiten des Arbeitens mit Computern und entsprechender Software vorgestellt.

Studium generale und musicale ist ebenfalls ein Schwerpunktthema. Ein breites Spektrum an Ernstem, wie Musik als Einstieg in den Rechtsradikalismus, aber auch Unbekanntem, wie Peter Makals "Körpersprache des Musiklehrers", runden das vielfältige Angebot des Kongresses ab.


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