Bibliothek - nein danke?

(bikl) Spätestens seit PISA ist klar: Die Lesekompetenz deutscher Schüler muss dringend gefördert werden. Ein Programmpunkt, der seither auf der Agenda aller Bildungspolitiker steht. Um so mehr überrascht die Aussage des Deutschen Bibliothekartags, nach der nur jede zehnte Schule Bibliotheken nutzt.

22.03.2006 Artikel

Zur Eröffnung des 95. Deutschen Bibliothekartags am Dienstag in Dresden hatten die Fachleute Alarm geschlagen: Deutschlands Schulen setzten im internationalen Vergleich zu wenig auf Bibliotheken.

In Ländern wie Finnland habe jede Schule eine eigene Bibliothek oder sei an eine örtliche Ausleihe angeschlossen, in Deutschland treffe dies nur auf jede zehnte Schule zu, so die Vertreter des Bibliothekartags. Angesichts der vorhandenen Infrastruktur mit rund 12 000 Bibliotheken sei der Verzicht darauf ein "zweifelhafter Luxus".

"Bibliotheken tun heute mehr, als nur Bücher auszuleihen", erklärte die Vorsitzende des Berufsverbandes Information Bibliothek, Susanne Riedel und nannte als Beleg die Vielfalt an Medien, Arbeitsmöglichkeiten am Computer vor Ort und das Vermitteln von Medien- und Informationskompetenz. Dass Deutschlands Schulen im internationalen Vergleich zu wenig auf Bibliotheken setzen, führt Riedel auf gesellschaftliche Ursachen zurück: "Die Bibliotheken in Deutschland scheinen einen wenig positiven Stellenwert zu besitzen." Das drücke sich auch in den finanziellen Einschnitten aus. Bezeichnend sei außerdem, dass kaum noch neue Bibliotheken gegründet würden, der Bestand werde nur noch gepflegt oder reduziert.

Etwa 3000 Teilnehmer treffen sich auf dem Bibliothekartag, der noch bis einschließlich Freitag in Dresden stattfindet. Veranstalter sind drei Berufsverbände. Rund 100 Firmen zeigen Produkte wie Software und Ausstattung für Bibliotheken. Gastgeber ist die Sächsische Landesbibliothek, die in diesem Jahr 450 Jahre alt wird.

Link:

bibtag.slub-dresden.de/cgi-bin/bibtag.pl


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