Das Erbe der Kriege
Dass Geschichtserziehung ein hochsensibles Thema ist, zeigen die Proteste Chinas gegen das japanische Geschichtsbuch: Zehntausende Chinesen demonstrieren gegen die Verharmlosung der Kriegsverbrechen durch Japan, werfen Steine auf die japanische Botschaft und bedrohen japanische Geschäfte in Peking. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie brisant interkulturelle Geschichtserziehung sein kann.
14.04.2005 Pressemeldung Ernst Klett Verlag GmbHWie vermitteln wir unseren Kindern oder Schülern die Naziverbrechen? Der Ernst Klett Verlag begreift Geschichtserziehung als eine wichtige Aufgabe. Im Schuljahr 2006/07 erscheint in Zusammenarbeit mit dem französischen Schulbuchverlag Nathan das erste Geschichtsbuch, das inhaltlich gleich in beiden Ländern in der Oberstufe eingesetzt wird. Die Arbeiten daran haben begonnen, am 16.4.2005 tagen die französischen und deutschen Autoren in Paris.
Einst erbitterte Feinde, sitzen Deutschland und Frankreich nun an einem Tisch, um zunächst die Geschichte nach 1945 gemeinsam darzustellen. "Kriegsverbrechen verharmlosen wir natürlich keineswegs", beruhigt Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Leiter der Geschichtsredaktion beim Ernst Klett Verlag. "In dem gemeinsamen Geschichtsbuch geht es weder um eine Rechtfertigung der Naziverbrechen noch um eine Schuldklärung. Die Geschichte soll unter Einbeziehung der unterschiedlichen Blickwinkel der beiden Länder dargestellt werden", so Körner-Wellershaus. Der Versailler Vertrag spricht zum Beispiel in der französischen Fassung von der "responsibilité", der Verantwortung Deutschlands nach dem Krieg. In der deutschen Fassung ist dagegen von "Schuld" die Rede. Dr. Ilas Körner-Wellershaus, seine Kollegin Françoise Fougeron von Nathan und die französischen und deutschen Autoren freuen sich auf das gemeinsame Projekt: "Wir haben die Chance, durch das Geschichtsbuch mehr über unsere unterschiedlichen Perspektiven zu erfahren. Niemand wird Steine werfen", ergänzt Körner-Wellershaus scherzhaft.
Das politisch, kulturell und didaktisch einzigartige Projekt wurde anlässlich des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags 2003 von beiden Regierungen und dem Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit, Ministerpräsident Müller (Saarland), angestoßen.
Der erste Band des gemeinsamen Schulbuchs ist für die Abiturklasse gedacht und wird sich mit der neuesten Geschichte ab 1945 befassen. Ihm folgen die zwei weiteren Bände zu den Zeiträumen vom 19. Jahrhundert bis 1945 und von der Antike bis zur Romantik. Im Schuljahr 2008/09 sollen die kompletten drei Bände für die Oberstufe vorliegen.
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