Expertengespräch zur Frage "Fachhochschule/Berufsakademie" in Cham
Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel und Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner diskutierten am Donnerstag in Cham in Begleitung des Bundestagesabgeordneten Klaus Hofbauer mit einer hochrangig besetzten Expertenrunde aus Wirtschaft und Fachhochschulen über das Thema "Braucht Bayern Berufsakademien?".
17.09.2004 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und KunstEingeladen hatte der Chamer Landrat und Präsident des Bayerischen Landkreistages Theo Zellner, der damit ein Anliegen der ostbayerischen Wirtschaft aufgriff. Die Teilnehmer der Runde vereinbarten weitere gemeinsame Schritte, um die Qualifikation zukünftiger Führungskräfte in der Wirtschaft zu verbessern.
Im Landkreis Cham gibt es mehrere international tätige Unternehmen wie die Zollner AG oder die Dorst GmbH. Diese Unternehmen haben zum Teil 16-jähige Erfahrungen mit der Ausbildung an Berufsakademien in anderen Bundesländern. Landrat Theo Zellner: "Wir brauchen eine Verzahnung der praktischen und akademischen Ausbildung im Interesse unserer Wirtschaft und der jungen Menschen aus der Region."Die Präsidenten von sechs bayerischen Fachhochschulen (Amberg-Weiden, Deggendorf, Ingolstadt, Regensburg, Landshut und Nürnberg) informierten über das rasch wachsende duale Studienangebot dieser Hochschulgattung. Obwohl jede bayerische Fachhochschule mittlerweile duale Studiengänge durchführt, bestehen, so wurde einvernehmlich festgestellt, noch erhebliche Informationsmängel gerade auf Seiten der Wirtschaft über dieses Angebot. Die Vertreter der Wirtschaft regten einen weiteren Ausbau der dualen Studiengänge an. Verkürzung der Studienzeiten und noch stärkere Verzahnung zwischen Theorie und Praxis sollten hierbei Schwerpunkte sein. "Das Modell der Berufsakademie ist gut, das Konzept der dualen Ausbildung an unseren Fachhochschulen ist aber der bessere Weg" so Goppel. Die bayerischen Fachhochschulen erreichten, so der Minister, mit ihrem dualen Angebot eine praxisnahe, theoretisch gut fundierte und zukunftssichere Ausbildung. Methodensicherheit und Breite der Ausbildung ermöglichten Berufstätigkeit weit über den einmal gewählten Partnerbetrieb hinaus. Dies sei auch der Grund, weshalb das Angebot für duale Studiengänge in Bayern sich enorm verstärke. "Qualität geht vor. Deshalb sehe ich die Absolventen dualer Studiengänge an bayerischen Fachhochschulen noch besser gerüstet für die Zukunft als Absolventen von Berufsakademien.", so Goppel. "Mein Ziel ist es daher", so der Minister weiter, "die Erwartungen der Firmen und die Möglichkeiten der bayerischen Fachhochschulen noch enger aufeinander abzustimmen und Schulabsolventen intensiver über die wachsenden Potenziale einer dualen Berufsausbildung zu informieren." Der von Goppel gemeinsam mit Landrat Zellner hierfür entwickelte Stufenplan fand die breite Unterstützung der Firmenvertreter:
In einer ersten Phase werden Vertreter der Fachhochschulen unterschiedliche duale Modelle an Oberpfälzer Unternehmen vorstellen. Die Unternehmen sollen dabei auch die Möglichkeit haben, ihre Anforderungen und Wünsche an die Studieninhalte einzubringen. Firmen und Fachhochschulen werden in einem zweiten Schritt Schulabsolventen über Produktionsstandorte sowie über die mit der jeweils gewählten Partnerfachhochschule möglichen dualen Studiengänge ausführlich unterrichten. Sollte darüber hinaus noch gezielter Informations- und Koordinierungsbedarf bestehen, könnte, so Goppel und Zellner, am Landratsamt eine von Wirtschaft, Landkreis und Wissenschaftsministerium als Modellversuch befristet getragene Vermittlungs- und Informationsstelle eingerichtet werden. Hierzu Landrat Zellner: "Ein solches Angebot würde es lokal ansässigen Firmen wesentlich erleichtern, in Kooperation auch mit entfernteren Fachhochschulen duale Studiengänge durchzuführen und so den hochqualifizierten Führungsnachwuchs an die Region zu binden." Goppel verwies darauf, dass ein solches zusätzliches Serviceangebot möglich sei, aber erst in Betracht gezogen werden solle, wenn die aus dem Gespräch erwachsenen Informationswege bei Wirtschaft und Fachhochschulen ihr Ziel nicht erreichen.
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