GEW: Die Kultusminister sollen an der Rechtschreibung festhalten
Die GEW fordert die Kultusministerkonferenz auf, an der Rechtschreibreform festzuhalten und sich nicht von den Alleingängen verschiedener Verlage unter Druck setzen zu lassen.
06.08.2004 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft"Es ist unverantwortlich, wir hier auf Kosten von Kindern, Eltern und Schulen Stimmung gemacht wird, um das Sommerloch zu füllen und die eigene Macht zu demonstrieren", so Marianne Demmer, die Schulexpertin im Geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Hartnäckigkeit, mit der das Thema hochgespielt werde, sei nicht nachzuvollziehen. Dass die ältere Generation nicht gerne umlerne, sei zwar verständlich, aber in einer Zeit, da von jedem und jeder die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen gefragt sei, wohl nicht mehr zeitgemäß. Schließlich zeige die Erfahrung in den Schulen, dass die Kinder nach den neuen Regeln weniger Fehler machten, denn die alte Rechtschreibung sei ja nun "alles andere als logisch" gewesen. "Hier ist die Solidarität der Älteren mit den Jüngeren gefragt", so Demmer. Gerade in PISA-Zeiten müsse Einvernehmen darüber bestehen, dass die Schulen die knappe Lernzeit sehr effizient verwenden. Demmer: "Die Schulen haben wichtigere Probleme zu lösen, als den Zirkus um die Rechtschreibreform nachzuvollziehen".
Im deutschsprachigen Ausland werde das deutsche Hin und Her nur noch mit Kopfschütteln betrachtet. Dort denke niemand daran, bestehende Vereinbarungen zur Wahrung der Einheitlichkeit der deutschen Sprache in Frage zu stellen.
Eine Rückkehr zur alten Schreibweise hätte nach Ansicht der GEW für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern gravierende Auswirkungen: gerade für die Jahrgänge, die schon komplett nach der neuen Rechtschreibung unterrichtet wurden, wäre eine Rückkehr zur alten Schreibweise eine ziemliche Katastrophe; die Verunsicherung wäre komplett.
Gravierend seien aber auch die finanziellen Auswirkungen auf Schulbudgets und den Geldbeutel der Eltern. Darauf machte die GEW-Expertin die Ministerpräsidenten aufmerksam, die das Thema Anfang November auf die Tagesordnung setzen wollen. Schätzungen gehen davon aus, dass in den Schulen Bücher im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro bei einem Rückkehrbeschluss zur alten Rechtschreibung zumindest stark entwertet, wenn nicht - wie in der Grundschule und den rechtschreibsensiblen Fächern - völlig wertlos würden.
In Niedersachsen und im Saarland würden dies allein die Eltern bezahlen müssen, da es dort keine Lehrmittelfreiheit gibt. In den anderen Bundesländern müssten die Lehrmitteletats der Länder und Kommunen entweder drastisch angehoben oder der Elternanteil weiter erhöht werden. Der VDS Bildungsmedien beziffert die privaten Ausgaben der Eltern für Lehrmittel bundesweit für 2003 auf ca. 200 Millionen Euro. Auch diese Bücher würden durch einen Rückkehrbeschluss sofort entwertet und ließen sich dann nicht mehr an Geschwister weitergeben oder auf Schulbuchbörsen verkaufen."
Demmer: "Wer eine Rücknahme der Reform will, muss sagen, wie das finanziert werden soll. Entweder muss die Zeche des Polittheaters aus den Bildungsetats der Länder oder von den Eltern bezahlt werden. Und das bei angeblich leeren Kassen!"
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