GEW: "Europäischen Hochschul- und Forschungsraum sozial gestalten"
Für einen sozial gestalteten europäischen Hochschul- und Forschungsraum hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stark gemacht. "Soziale und ökonomische Entwicklungsstrategien müssen zusammen gedacht und entwickelt werden. Bisher haben wirtschaftliche Zielsetzungen den Bologna-Prozess bestimmt, die soziale Gestaltung ist dabei häufig in den Hintergrund geraten", sagte GEW-Hochschulexperte Gerd Köhler mit Blick auf die fünfte Bologna-Konferenz der Wissenschaftsminister, die seit gestern in Bergen/Norwegen tagt. Er bot die Unterstützung der GEW sowie des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften bei der Initiierung eines breiten gesellschaftlichen "sozialen Dialogs" an.
20.05.2005 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftDie GEW sei bereit, die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zu unterstützen, wenn die Studierenden selbst entscheiden können, mit welchem Abschluss sie die Hochschulen verlassen. "Nur so werden die Vorbehalte, die Wirtschaft und Studierende gegen die neuen Studiengänge haben, abgebaut", betonte Köhler. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass die Promotion künftig als erste Phase wissenschaftlicher Arbeit anerkannt werden solle. "Für junge Wissenschafter ist es nicht attraktiv, während ihrer Doktorarbeit weiter wie Studierende behandelt zu werden", sagte der Gewerkschafter. "Die Promotion muss als erste Phase eingeständiger wissenschaftlicher Arbeit anerkannt und entsprechend arbeitsvertraglich geregelt werden.
Er appellierte an die Wissenschaftsminister, die Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen und in der Forschung endlich auf die Agenda des Bologna-Prozesses zu setzen. "Gute Arbeit braucht gute Rahmenbedingungen. Um die internationale Mobilität der Wissenschafter zu verbessern, muss der Dschungel aus nationalen Gesetzen und Verordnungen endlich gelichtet werden", unterstrich Köhler.
Er setzte sich für die Öffnung der Hochschulen auch für Menschen ein, die keine traditionelle Studienberechtigung haben. Nur so sei das Konzept lebenslangen Lernens umzusetzen.
"All das wird es nicht zum Nulltarif geben. Deshalb schlagen wir einen materiellen und personellen Ausbau der Hochschulen und Forschungseinrichtungen vor. Dafür sollen Bildungs- und Wissenschaftsausgaben künftig Maastricht-Kriterium bei der Beurteilung der Staatsausgaben werden", sagte Köhler.
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