Hightechlandwirtschaft und sterbende Dörfer?
Was wird aus den bevölkerungsarmen und strukturschwachen Räumen Ostdeutschlands, wenn immer mehr Menschen abwandern, weil sie keine Perspektiven sehen, wenn immer weniger Kinder geboren werden? Wie gestaltet sich eine Gesellschaft, die tendenziell von alten und immobilen Menschen geprägt sein wird? Durch die von Ministerpräsident Matthias Platzeck angestoßene Diskussion um die Neuausrichtung der Förderpolitik des Landes Brandenburg erhält die Fachtagung eine zusätzliche Aktualität.
11.03.2005 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes BrandenburgDie allgemeine Debatte war bisher weitgehend bestimmt durch Fragen und Probleme zur Stadtentwicklung, zu Schrumpfung, Wohnungsleerstand und Stadtumbau. Die Situation und Perspektive der Dörfer in den peripheren Regionen und ihre Strukturprobleme blieben dabei weitgehend außer acht. Dieses Thema steht nun im Mittelpunkt der Fachtagung.
Das Mobile Beratungsteam - Tolerantes Brandenburg ist seit etlichen Jahren in den ländlichen Räumen Brandenburgs aktiv. In diesen Jahren war eine Verschlechterung der Lebenssituation in den peripheren Regionen des Landes beobachtbar. Der gesellschaftliche und ökonomische Umbau hat deindustrialisierte und entleerte Räume geschaffen, deren Bewohner weitgehend von Transferleistungen abhängig sind. Sichtbar setzen soziale Desintegrationsprozesse ein, die den Grundkonsens einer demokratischen Wertegemeinschaft gefährdet. Besonders betroffen sind landwirtschaftlich geprägte Räume wie die Uckermark, Vorpommern, die Prignitz, die Altmark und der Elbe-Elster-Raum.
Während die Agrarproduktion in Ostdeutschland zu einem global wettbewerbsfähigen Wirtschaftsbereich aufgebaut wurde, geriet die damit einhergehende Entkoppelung von Produktion und ländlichem Gemeinwesen aus dem Blick. Der Strukturwandel hat zu einem Funktionsverlust der Dörfer als Wohn- und Arbeitsorte geführt. Ihre Existenz wird durch die demografische Entwicklung zusätzlich gefährdet.
Experten aus Wissenschaft, Kultur, Alltagspraxis und Politik werden auf der Veranstaltung den besonderen soziokulturellen Raum Dorf und seine Potenziale in den peripheren Regionen beleuchten sowie die Bedeutung der Dörfer für die Landesentwicklung und damit ihre Chancen und Perspektiven diskutieren. Wir wollen uns im Rahmen der Veranstaltung auf die Suche nach Ausgangs- und Anknüpfungspunkten für zukünftige Entwicklungspfade unter den derzeitigen ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen begeben.
Wir setzen bei dieser Veranstaltung bewusst nicht nur auf Diskussion, sondern wollen mit dem Theaterstück "Heimkehren" des Neuen Volkstheater Fläming und dem Dokumentarfilm "Uckermark" von Volker Koepp zusätzlich einen ästhetisch-kulturellen Blick für das Thema öffnen. Der Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Dietmar Woidke wird mit einem einleitenden Vortrag die Tagungsteilnehmer begrüßen. Staatssekretär Martin Gorholt vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport wird an der abschließenden Podiumsdiskussion teilnehmen.
Ansprechpartner:
Wolfram Hülsemann, Tel. 0173-6468 863
Gudrun Kirchhoff, Tel. 0173-6489 576
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