Jean-Paul-Preis 2005 für Sarah Kirsch
Den Jean-Paul-Preis 2005 des Freistaates Bayern erhält die Schriftstellerin Sarah Kirsch für ihr Gesamtwerk.
27.10.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und KunstDies hat Bayerns Kunstminister Thomas Goppel auf Vorschlag einer Jury entschieden. Wie der Minister am Donnerstag erklärte, werde mit Kirsch eine "Dichterin ersten Ranges" ausgezeichnet, die die Lyrik der letzten Jahrzehnte entscheidend geprägt habe und bereits heute als Klassikerin zu Lebzeiten gelte. "Beeindruckend konsequent hat sich Sarah Kirsch auf den ihr eigenen Ton konzentriert und ist bis heute ihren Themen und Motiven treu geblieben", meinte der Minister. Der Blick auf Natur und Landleben lasse dabei nicht auf Weltabgewandtheit schließen, sondern werde, getragen von einem feinen Humor durchaus Jean-Paulscher Couleur, zum Medium für menschliche Grunderfahrungen wie Liebe, Trennung und Einsamkeit, Altern und Vergänglichkeit.
Geboren 1935 im Harz, lebte die Autorin bis 1977 in der DDR. Als Mitunterzeichnerin des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann wurde sie noch im selben Jahr aus der SED und aus dem Vorstand des DDR-Schriftstellerverbandes ausgeschlossen und siedelte nach ihrem Ausreiseantrag in die Bundesrepublik Deutschland über. Heute lebt Sarah Kirsch ländlich-abgeschieden in Schleswig-Holstein. Obwohl sie als introvertierte Schriftstellerin gilt, hat sie sich doch immer wieder politisch engagiert. Die Gedichte Kirschs gehen häufig von privater Lebenssphäre aus und formulieren in subjektiver Weise emotionales Erleben. Ein zentrales Thema ihrer Lyrik ist, oft durch Märchen- und Mythenmotive vertieft, das stets gefährdete Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch. Sarah Kirsch sieht sich selbst als "poetische Landschafterin". Neben zahlreichen Gedichtbänden wie "Landaufenthalt" (1967), "Zaubersprüche" (1973), "Wintergedichte" (1978), "Katzenleben" (1984), "Irrstern" (1987), "Erlkönigs Tochter" (1993) oder "Schwanenliebe" (2001) hat die Autorin auch Erzählungen, Hörspiele und Kinderbücher verfasst. Besondere Beachtung haben dabei die tagebuchartigen Prosaminiaturen erfahren, die häufig auf Reisen entstanden sind, etwa "La Pagerie" (1980) oder "Islandhoch" (2002). In dem poetischen Tagebuch "Tatarenhochzeit" (2003) schildert sie Szenen aus der Freundschaftskultur in der Nischengesellschaft DDR. Im Jahr 2000 ist eine fünfbändige Werkausgabe bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienen. Im April 2005 erschien die Sammlung "Sämtliche Gedichte", im August 2005 ein neuer Band mit Erzählungen, "Kommt der Schnee im Sturm geflogen". Sarah Kirsch hat für ihr Werk zahlreiche Auszeichnungen erhalten, etwa den Heinrich-Heine-Preis der DDR (1973), den Petrarca-Preis (1976), den Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur (1980), den Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein (1988) oder den Georg-Büchner-Preis (1996).
Der mit 15.000 Euro dotierte Jean-Paul-Preis wird in diesem Jahr zum 12. Mal verliehen. Die Preisverleihung wird am 9. Dezember in München stattfinden. Unter den bisherigen Preisträgern waren Friedrich Dürrenmatt, Botho Strauß, Siegfried Lenz, Günther de Bruyn und Gerhard Polt.
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