Jugendhilfeeinrichtung besucht
Die Ministerin der Justiz und für Europaangelegenheiten und der Minister für Bildung, Jugend und Sport haben am 9. August 2004 die Jugendhilfeeinrichtung des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerkes (EJF) in Frostenwalde bei Schwedt/Oder besucht. Anlass des Besuches der Jugendhilfeeinrichtung in Frostenwalde war die Vertragsverlängerung zur Fortführung der Einrichtung, die schon seit März 1995 als zentrale Einrichtung des Landes Brandenburg die gesetzliche Aufgabe der Vermeidung von Untersuchungshaft bei Jugendlichen erfüllt.
09.08.2004 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes BrandenburgUntersuchungshaft darf bei Jugendlichen aus Gründen der Verhältnismäßigkeit nur verhängt und vollstreckt werden, wenn ihr Zweck nicht durch eine vorläufige Anordnung über die Erziehung oder durch andere Maßnahmen erreicht werden kann. Anders als in der Untersuchungshaft werden die Jugendlichen in Frostenwalde nicht durch Mauern und Zäune am Fortlaufen gehindert. Stattdessen wird in der als offenes Heim konzipierten Einrichtung unter dem Motto "Menschen statt Mauern" schon im Vorfeld der Hauptverhandlung intensiv daran gearbeitet, dass die Jugendlichen sich nicht nur in Frostenwalde, sondern auch danach ändern und in Zukunft ein Leben ohne Straftaten führen. Hierzu bedarf es vor allem einer hochqualifizierten pädagogischen Betreuung sowie verbindlicher und klarer Absprachen und Verhaltensregeln.
Nach nahezu einhelliger Auffassung der justiziellen Praxis hat sich die Einrichtung nicht zuletzt wegen dieser fachlich qualifizierten und verbindlichen Betreuung sehr bewährt. Sie hat inzwischen Modellcharakter für andere Bundesländer erlangt und genießt weit über die Landesgrenzen hinweg ein hohes Ansehen.
Justizministerin Barbara Richstein: "In der für Brandenburg zentralen Jugendhilfeeinrichtung in Frostenwalde wird seit Jahren in beispielhafter Art und Weise die gesetzliche Aufgabe der Haftvermeidung in die Praxis umgesetzt. Der Erfolg der renommierten Einrichtung, der vor allem in der vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Justiz und Jugendhilfe sowie der qualifizierten Arbeit und dem großen Engagement von Leitung und Mitarbeitern der Einrichtung begründet ist, hat uns die positive Entscheidung über die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem EJF leicht gemacht. Frostenwalde kann somit auch in Zukunft im Leben vieler straffällig gewordener Jugendlicher, die ihre Chance erkannt und den ernsthaften Willen haben, dem Dilemma einer kriminellen Karriere zu entkommen, ein Wendepunkt und der Grundstein für ein Leben ohne Straftaten sein. Falls dort erkannt wird, dass dem jugendlichen Straftäter dies nicht gelingt, droht die Vollstreckung von Untersuchungshaft. Die Klarheit dieser Alternative ist gleichzeitig auch praktizierter Opferschutz, ein Aspekt, der für mich als Justizministerin auch im Jugendstrafrecht von besonderer Bedeutung ist."
Jugendminister Steffen Reiche: "Auch aus meiner Sicht stellt die Jugendhilfeeinrichtung Frostenwalde ein erfolgreiches Modell einer Einrichtung zur U-Haftvermeidung dar und eine große Chance für die Jugendlichen, eine Alternative zur kriminellen Karriere kennen- und leben zu lernen. Letzteres geschieht mit Hilfe eines durchstrukturierten Tagesablaufs, der Schulunterricht und berufsvorbereitende Maßnahmen einschließt. Diese durch die Besonderheit der Einrichtung bestehenden Zwänge wie räumliche Abgeschiedenheit, extra geschaffene Strukturen für Schule, Ausbildung und Beruf und beschränkte Freizeitmöglichkeiten werden aber, wie ich dem Evaluationsbericht des Instituts des Rauhen Hauses entnommen habe, von allen Beteiligten akzeptiert. Die hier untergebrachten Jugendlichen leben auf den Termin der Hauptverhandlung hin und hoffen auf eine Bewährungsstrafe. Diese Hoffnung geht nur für einen Teil in Erfüllung, bedeutet aber gleichzeitig, dass u. U. ganz schnell eine Anschlussperspektive zur Wiedereingliederung in das normale Leben gefunden und damit die erste große Belastungsprobe durchgestanden werden muss.
Auch hier versuchen die mit großem Engagement arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Frostenwalde und der anderen Einrichtungen des EJF in Schwedt mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ich freue mich deshalb, dass mit der Vertragsverlängerung die rechtliche Grundlage für das unbefristete Fortbestehen von Frostenwalde geschaffen wurde."
Hinweis: Informationen zur Einrichtung finden Sie:
www.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=65869&_siteid=250
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