Kinder nicht in ein Raster zwängen
(bikl) Das Erziehungs- und Bildungssystem müsse sich endlich darauf einstellen, dass Kinder sich unterschiedlich schnell entwickeln. Kinder dürften nicht mit allen Mitteln zu einem definierten Zeitpunkt in ein festes Raster gezwängt werden. Das erklärten Kinder- und Jugendärzte zum Auftakt des 34. Herbst-Kongresses des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands (BVKJ) in Bad Orb.
17.10.2006 Artikel„Erzieher, Lehrer, Therapeuten und Ärzte haben an die Kinder unterschiedliche Erwartungen und messen sie mit verschiedenen Maßstäben. Medien und Internet geben zahllose Ratschläge, die Eltern oft eher verunsichern, anstatt ihnen weiter zu helfen. Lebenspraktische Vorbilder in Familie, Freundeskreis oder Nachbarschaft zur Orientierung fehlen in unserer kinderarmen Leistungsgesellschaft vielerorts. Vor dem Hintergrund der steigenden Leistungsanforderung unserer Schul- und Arbeitswelt (z. B. Einschulung mit 5 Jahren, Fremdsprache in der Grundschule, 8jähriges Gymnasium) werden engagierte Eltern frühzeitig durch vermeintliche oder reale Entwicklungsverzögerung ihres Kindes beunruhigt, sorgen sich um dessen künftige Entwicklung und suchen Rat bei Fachleuten ihres Vertrauens“, heißt es in einer Stellungnahme von Prof. Dr. med. Harald Bode, Universitätsklinik Ulm, Prof. Dr. med. Stefan Wirth, Universität Witten-Herdecke und dem Kölner Kinder- und Jugendarzt Dr. Antonio Pizull.
In einer Zeit der maximalen Erwartungshaltung, in der möglichst alles perfekt sein soll, sei es vor allem für Eltern oft schwer zu akzeptieren, dass bei ihrem Kind die idealen Attribute zumindest in Teilbereichen nicht erfüllt würden. So könne es zu berechtigten, zum Teil aber auch übermäßigen, gelegentlich überflüssigen oder sogar schädlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen führen, die manchmal unrealistische Ziele verfolgten.
Vor dem Hintergrund einer rasch wachsenden Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund forden die Experten auch „vermehrte transkulturelle Kompetenz der Kinder- und Jugendärzte“.
Ziel des Kongresses ist es, Kinder- und Jugendärzten die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Definition, Ursachen, Diagnostik, Förderung und Therapie der vermeintlicher oder tatsächlicher Entwicklungsverzögerungen im Kindesalter zu vermitteln.
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