Kultusminister Helmut Rau gratuliert Matthias-Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim

Mit großer Freude hat Kultusminister Helmut Rau darauf reagiert, dass das Matthias-Grünewald-Gymnasium Tauberbischofsheim bei dem bundesweiten Wettbewerb "Unterricht innovativ 2005" den mit 5.000 Euro dotierten 1. Preis mit dem Projekt "Ein Buch macht Schule" errungen hat. Der Preis wurde am Freitag (25. November) in Berlin verliehen. Initiatoren und Träger des Wettbewerbs sind die Stiftung Industrieforschung, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Philologenverband.

25.11.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Ich freue mich sehr darüber, dass das Lehrerteam um Tobias Endres von den Juroren zu den innovativsten Lehrerinnen und Lehrern Deutschlands gezählt werden. Alle Klassen haben bei dem Buchprojekt mitgemacht und so gilt die hohe Auszeichnung auch jedem einzelnen Schüler. Das ist ein großartiger Beleg dafür, wie spannend fächerübergreifender Unterricht sein kann und wie viel Teamgeist und Selbstständigkeit diese neue Unterrichtskultur mit sich bringt", erklärte Helmut Rau: "Viele Schulen in Baden-Württemberg haben sich mit Erfolg und Begeisterung auf diesen Weg gemacht. Ideenreichtum, Engagement, interdisziplinäre Ansätze, Methodenvielfalt und Motivationskraft zeichnet gute Schule aus und es ist umso erfreulicher, dass derartige Beispiele auch öffentlich gewürdigt werden."

Die Preisträger beim Wettbewerb "Unterricht innovativ 2005"stehen fest:

Deutschlands innovativste Lehrerinnen und Lehrer in Berlin ausgezeichnet

Wie Schulunterricht gleichermaßen Freude machen und erfolgreich Wissen vermitteln kann, haben 217 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Deutschland mit frischen Ideen und engagiertem Handeln beim Wettbewerb "Unterricht innovativ" unter Beweis gestellt. Daran beteiligt waren Lehrkräfte, die in der Praxis in der Sekundarstufe in Deutschland innovativ und im Team fächerübergreifend unterrichten. Initiatoren und Träger des Wettbewerbs sind die Stiftung Industrieforschung, der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Philologenverband. Die Preisverleihung fand am 25. November 2005 in Berlin statt.

Wie durch fächerübergreifendes Lehren erfolgreich Lerninhalte vermittelt und Schüler im Unterricht zum Mitmachen ermuntert werden können, zeigt das Projekt "Ein Buch macht Schule" des Matthias-Grünwald-Gymnasiums in Tauberbischofsheim. Mädchen und Jungen aller Jahrgangsstufen, also die ganze Schule, haben einen Roman geschrieben und ihn im schuleigenen Verlag herausgebracht. Held des Buches ist ein Schüler, der die Klassen 5 bis 12/13 am Matthias-Grünwald-Gymnasium absolviert und dort eine große Entdeckung macht: eine Tür mit acht Schlössern. In jedem Schuljahr erwirbt oder findet er einen Schlüssel – indem er jeweils eine Fähigkeit erlernt oder eine Tugend erfährt.

Jede Klasse hatte drei Wochen Zeit, ein Kapitel von etwa 25 Seiten zu schreiben. Die Schülerinnen und Schüler erweiterten so ihre Vorstellungs- und Ausdrucksfähigkeit, gestalteten Erzählungen im Deutsch- und Literaturunterricht, übernahmen die Text- und Bildgestaltung am Computer im Fach Informatik, entwickelten das Cover in den Kunststunden und machten Erfahrungen beim wirtschaftlichen Planen und Arbeiten im eigens gegründeten Schulverlag. Nicht zuletzt konnten sie erfahren, wie spannend und aufregend es ist, das eigene Buch in den Händen zu halten. Für dieses Projekt erhielt das Lehrerteam um Tobias Endres den mit 5.000 Euro dotierten 1. Preis.

Fächerübergreifendend zu unterrichten - dahinter steckt die Idee, einen Themenbereich von verschiedenen Fachrichtungen aus anzugehen und ihn von den Schülern weitgehend eigenständig in Gruppen bearbeiten zu lassen. Für Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), liegt der Vorteil auf der Hand: "Schüler, die sich weitgehend selbständig in neue Themen und Projekte einbringen, haben auch einen höheren Lerngewinn."
Wichtigste Voraussetzung für ein solches Konzept sind kreative und engagierte Lehrer. Sie wenden im Umgang mit ihren Schülern verschiedene Methoden an, belassen es nicht mehr beim Lehrervortrag oder beim "fragend entwickelnden Unterricht". Sie gehen verstärkt auf die Interessen der Schüler ein. Sie arbeiten offen und fair mit Kollegen anderer Fachrichtungen zusammen. "Interdisziplinäres Arbeiten macht unsere Schüler fit, die großen Herausforderungen der Zukunft innovativ zu lösen", sagt Dr. Holger Schmidt aus dem Kuratorium der Stiftung Industrieforschung in Köln.

Der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Randolf Rodenstock, forderte in seiner Festansprache alle dazu auf "an der Reform unseres Bildungssystems mitzuarbeiten: Politiker, Eltern, Unternehmer, Lehrende, Lernende und Verbände und andere gesellschaftliche Gruppen. Den Lehrern kommt dabei naturgemäß eine Schlüsselrolle zu. Sie sind es, die den notwendigen Bildungshunger bei unseren Kindern und Jugendlichen wecken können. Sie brauchen dazu Motivation, kreative Ideen für den Unterricht und die richtigen Rahmenbedingungen." In diesem Jahr haben sich 217 Lehrerinnen und Lehrer in 96 Lehrerteams aus der gesamten Bundesrepublik mit insgesamt 60 bewertbaren Unterrichtsvorhaben zum Wettbewerb angemeldet. Eine Jury wählte daraus sechs besonders beispielhafte Projekte aus. "Bewertungskriterien waren beispielsweise ein enger Bezug zu den Alltagsfragen der Jugendlichen, eine intensive Zusammenarbeit der Lehrkräfte und die Möglichkeit der Übertragbarkeit auf andere Schulen", so Jurymitglied Dr. Carsten Kreklau, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI.
Die ersten drei Preise des Wettbewerbs sind mit insgesamt 10.000 Euro, die drei Sonderpreise mit insgesamt 4.500 Euro dotiert. Stifter der Sonderpreise sind VVA Vereinigte Verlagsanstalten GmbH, BHW und HUK Coburg.
Zeitgleich mit der Preisverleihung wurde die Wettbewerbsrunde 2006 eingeläutet. Für diese vierte Runde des Wettbewerbs konnte die Wochenzeitung "Die Zeit" als Medienpartner gewonnen werden. In der Jury werden erneut hochrangige, schulpolitische und wissenschaftspolitische Experten mitarbeiten, darunter die Bildungsministerinnen Karin Wolff und Doris Ahnen sowie Prof. Manfred Prenzel vom PISA-Konsortium.

Informationen zu allen Preisträgern und ihren prämierten Projekten unter www.unterricht-innovativ.de.



Buch mit sieben Siegeln - Tür mit acht Schlössern

"Ein Gramm Erfahrung ist besser als eine Tonne Theorie, einfach deswegen, weil jede Theorie nur in der Erfahrung lebendige und der Nachprüfung zugängliche Bedeutung hat." Dieser Satz des amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey aus seinem Buch "Erziehung durch und für Erfahrung" war das Leitmotiv bei den Planungen für das Projekt und hat sich in vielerlei Hinsicht bewahrheitet.

Zu diesem Schluss kommt Tobias Endres (Deutsch, Politische Weltkunde) vom Matthias-Grünwald-Gymnasium in Tauberbischofsheim, der mit seinen Kolleginnen Kerstin Haug-Zademack und Uta Weidemann sowie seinem Kollegen Reinhard Lieb bereits zum zweiten Mal ein Buch veröffentlicht. Geschrieben wurde es von Schülern, verlegt im schuleigenen Verlag.

Alles begann im Schuljahr 2003/04 mit einem großen Koffer, der plötzlich im Klassenzimmer stand. Er bekam den Namen "Gustav" und wurde nach und nach mit Geschichten gefüllt, erdacht von Schülern und Schülerinnen der Klasse 6c. "Gustav" ging auf Reisen nach Afrika, um Geschichten von Schülerinnen und Schülern der deutschsprachigen Schulen in Lagos, Nairobi und Pretoria einzusammeln. Es entstand das erste gemeinsame Buch "Koffers phantastische Reisen", das in Gruppenarbeit geschrieben, bebildert, getippt und layoutet, korrigiert und schließlich präsentiert und verkauft wurde. Parallel dazu gründeten Schülerinnen der Jahrgangstufen 10 und 11 den schuleigenen Verlag MAGGY, betreuten die Schülerinnen und Schüler der 6c bei den abschließenden Arbeiten und kümmerten sich um Druck und Bindung des Buches. Der durch den Verkauf erzielte Gewinn stand dem Verlag für ein neues Buchprojekt im Jahr 2005 zur Verfügung.

Aufgrund der positiven Erfahrungen aus dem Vorjahr wagte sich das Lehrerteam um Tobias Endres noch einen Schritt weiter: Nicht nur eine Jahrgangsstufe, sondern Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge werden beteiligt, und es soll ein geschlossener Roman entstehen.
Dafür gab es einige für alle verbindliche Vorgaben: Die Hauptfigur durchläuft die Klassen 5 bis 12/13 und altert entsprechend, die Figuren müssen bis zum Ende mitgeführt werden und Fixpunkt ist das Matthias-Grünwald-Gymnasium. Dort entdeckt der Held eine Tür mit acht Schlössern. In jedem Schuljahr findet oder erwirbt sie einen Schlüssel. Dies gelingt ihr nur, indem sie jeweils eine Fähigkeit erlernt oder Tugend erfährt. Jede Klasse hat drei Wochen Zeit, ein Kapitel von etwa 25 Seiten Umfang zu schreiben.

Die Klasse 5 beginnt im Oktober 2004, tauft die Hauptfigur Matthias, genannt Matze, lässt ihn sehr mutig sein, wofür er einen der acht Schlüssel bekommt, und gibt das begonnene Werk an die 6. Klasse weiter. Und diese gibt es weiter an die 7. Klasse, so dass im Mai 2005 die Jahrgangsstufe 12/13 ihr Kapitel schreibt. Nach Fertigstellung und Druck im Juni 2005 konnte das neue Buch "Acht Schlösser" im Juli 2005 präsentiert und verkauft werden. Während des gesamten Entstehungsprozesses liefen wieder alle Fäden bei den Schülerinnen des Schulverlages MAGGY zusammen, die Schülerinnen und Schülern ebenso berieten wie die Lehrer.

Im Laufe des Schuljahres entstanden Diskussionen in und zwischen allen Jahrgangsstufen, die sich mit Schicksal und Zukunft der Hauptfigur von "Acht Schlösser" Matze beschäftigten und ihn so zu einem fast realen Schüler des Gymnasiums werden ließen.

Alle Beteiligten konnten mit diesem Projekt neuartige Erfahrungen sammeln und sich in Fähigkeiten üben, die üblicherweise nicht zum Schulalltag gehören. Jeder spielte ja nicht nur einmal den Autor, den Lektor oder den Buchhändler, sondern führte diese Tätigkeiten real aus – bis hin zu der Erfahrung, wie spannend und aufregend es ist, das eigene Buch schließlich in den Händen zu halten.


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