Pisa 2003: Baden-württembergische Schulen im Bundesvergleich weit vorne und deutlich über OECD-Schnitt / Im internationalen Ranking überall verbessert
Die Schulen in Baden-Württemberg liegen im Bundesdurchschnitt weit vorne, die Gymnasien erreichen sogar im internationalen Vergleich Spitzenwerte. Das geht aus der Länderauswertung Pisa 2003 hervor, die am Donnerstag (3.November) in Berlin vorgestellt wurde.
03.11.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergSo erreicht Baden-Württemberg im internationalen Vergleich bei der Problemlösekompetenz Rang 8, in der naturwissenschaftlichen Kompetenz Rang 9, in der Lesekompetenz Platz 10 und im Bereich Mathematik Platz 13. Das Land hat sich damit im internationalen Ranking überall verbessert. Im nationalen Vergleich erreicht der Südwesten die Plätze 3 (Problemlösekompetenz), 3 (Naturwissenschaften), 2 (Lesen) und 3 (Mathematik). Damit liegen die Ergebnisse der baden-württembergischen Schulen insgesamt deutlich über dem deutschen wie auch über dem OECD-Schnitt.
"Diese Ergebnisse belegen, dass in unseren Schulen gute Arbeit geleistet wird und dass sie sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen können", bewertete Kultusminister Helmut Rau MdL die Datenauswertung am Donnerstag in Stuttgart.
Helmut Rau hob hervor, dass die integrierten Gesamtschulen in den alten Bundesländern auf der Verliererstraße seien. Mit besonderen Schulformen in den neuen Ländern könne man dies nicht vergleichen, weil diese eine ganz andere Entstehungsgeschichte hätten und sich die Schülerschaft anders zusammensetze als beispielsweise in Baden-Württemberg. "Die Gesamtschulen sind ein Auslaufmodell. Die nationalen Spitzenländer Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg haben die Qualität des gegliederten Schulwesens bestätigt, während die noch existierenden Gesamtschulen in den entsprechenden Ländern in der Regel unzureichende Ergebnisse aufweisen. Wer heute versucht eine Schulstrukturdebatte im Sinne einer Einheitsschule anzuzetteln, diskutiert letztlich über die Vergangenheit." Der Minister machte klar, dass die Kinder und Jugendlichen in den bewährten Strukturen stärker gefördert werden müssen: "Wir sehen beispielsweise, dass bei Hauptschülern kognitive Potenziale besser ausgeschöpft werden können. Hier müssen wir gezielt ansetzen."
Klares Ziel muss es Helmut Rau zufolge sein, die festgestellte Koppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolgen zu verringern: "Bei den Jugendlichen wird zwar insgesamt eine hohe Kompetenz festgestellt, es ist aber bedenklich, dass Kinder von Akademiker mit 4,4mal höherer Wahrscheinlichkeit ein Gymnasium besuchen als Arbeiterkinder. Baden-Württemberg liegt hier etwa im deutschen Mittel, die Ergebnisse geben uns aber eine Aufgabe auf, die wir lösen müssen."
Gymnasium ist nicht der einzige Weg zur Hochschulreife
Der Minister verwies allerdings darauf, dass die Pisa-Befunde nicht alle Bildungserfolge darstelle: "Die Bildungsbiografie ist bei den 15-Jährigen, auf die sich Pisa bezieht, noch nicht abgeschlossen. In Baden-Württemberg erwerben ein Drittel aller Abiturienten ihre Hochschulreife im beruflichen Schulwesen. Das gilt nicht nur für die beruflichen Gymnasien. Basierend auf den Hauptschulabschluss haben Schülerinnen und Schüler auch über Fachschulen, Berufsoberschulen und Berufkollegs die Möglichkeit zum Hochschulzugang."
Helmut Rau unterstrich, dass die Frühförderung der Kinder in den nächsten Jahren der wichtigste Schwerpunkt der Bildungspolitik sein werde: "Die Weichen für Bildungserfolge werden schon früh gestellt und wir werden alle Anstrengungen daran setzen, den Kindern ein gutes Fundament für ihre weitere Schullaufbahn zu ermöglichen." Als Stichworte nannte der Minister dabei den Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen, frühkindliche Erziehung, Sprachförderung und Ganztagesschulen.
Obwohl die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (Anteil 31,6 Prozent, bundesweit 22,5 Prozent) laut der Pisa-Ergebnisse im Ländervergleich in Baden-Württemberg sehr gut gelingt, will Minister Rau die Förderung dieser Schülerinnen und Schüler noch verstärken. Er machte allerdings klar, dass Schule die Förderung nicht alleine leisten kann: "Was für alle Eltern gilt, gilt besonders für die Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund. Der Schlüssel zur Bildung ist Sprache. Ich appelliere eindringlich an die Eltern, mit ihren Kindern Deutsch zu sprechen. Die beste Schule kann das Elternhaus nicht ersetzen und ohne Sprachkompetenz, die am Anfang zuhause vermittelt und gepflegt werden muss, kann auch das intelligenteste Kind keinem Unterricht folgen."
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