Rechtschreibrat: Änderungsumfang steht weitgehend fest
Der vom Rat für deutsche Rechtschreibung gesehene Änderungsumfang an der Rechtschreibreform steht weitgehend fest. Nachdem bereits auf der vorangegangenen Sitzung die wesentlichen inhaltlichen Punkte in den Bereichen der Zeichensetzung und der Silbentrennung geklärt wurden, konnten diesmal die Beratungen zu beiden Bereichen abgeschlossen werden.
25.11.2005 ArtikelFür den Bereich der Silbentrennung empfiehlt der Rat neben der Nichtabtrennung von einzelnen Vokalbuchstaben (vgl. die Dokumentation zur 6. Sitzung) eine Umstrukturierung der Regeln, um die Hierarchie deutlich zu machen. Demnach soll zuerst die Trennung nach Wortbestandteilen (z.B. voll-enden, Pro-gramm) und dann die Trennung im Inneren von Wörtern (z.B. Bau-er, ros-ten) angeführt werden. Diesen speziellen Regeln vorangestellt bleibt - wie nach der Rechtschreibreform - die Grundregel, nach der Wörter gewöhnlich so getrennt werden, wie sie sich bei langsamem Vorlesen in Silben zerlegen lassen (z.B. eu-ro-pä-i-sche, Haus-tür).
Im Bereich der Zeichensetzung beriet der Rat schwerpunktmäßig die Kommasetzung bei Infinitivgruppen. Er bestätigte grundsätzlich die Regelung der Rechtschreibreform, nach der Infinitivgruppen, die von einem Korrelat oder Verweiswort abhängen, durch Komma abgesetzt werden (z.B. Anna hat es nie bereut, diese Ausbildung gemacht zu haben). Er schlägt aber vor, dieses Komma bei einem bloßen Infinitiv freizustellen (z.B. Thomas dachte nicht daran(,) zu gehen). Darüber hinaus spricht er sich für ein obligatorisches Komma bei Infinitivgruppen aus, die mit "um", "ohne", "statt", "anstatt", "außer" oder "als" eingeleitet sind (z.B. Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen) bzw. von einem Substantiv abhängen und mehr als den bloßen Infinitiv umfassen (z.B. Er wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom Nachtwächter überrascht).
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat darüber hinaus die Einsetzung einer Arbeitsgruppe zur Groß- und Kleinschreibung beschlossen. Diese Arbeitsgruppe hat den Auftrag, bis Mitte Januar eine Beschlussvorlage mit folgenden vier Punkten zu erarbeiten: (1) Schreibung des Anredepronomens du, (2) Schreibung fester Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv (z.B. gelbe/Gelbe Karte), (3) Schreibung von Einzelfällen insbesondere aus dem Überschneidungsbereich von Groß-Klein- und Getrennt-Zusammen-Schreibung (Pleite gehen, Recht haben), (4) Schreibungen im Randbereich (z.B. auf allen vieren (gehen)).
Die Groß- und Kleinschreibung bildet den letzten Komplex des Paketes an Empfehlungen, das der Rat für deutsche Rechtschreibung der Kultusministerkonferenz rechtzeitig vor ihrer Märzsitzung vorlegen wird.
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rechtschreibrat.ids-mannheim.de
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