Wolff: "Frühe Förderung der Lesefähigkeit an Grundschulen trägt erste Früchte"
"Mit den Orientierungsarbeiten hat Hessen ein wichtiges Diagnose-Instrument für die Grundschullehrkräfte geschaffen. Sie können mit Hilfe der Orientierungsarbeiten Stärken und Schwächen einzelner Kinder besser erkennen und sie gezielter für die weitere Schullaufbahn fördern." Mit diesen Worten bewertete Kultusministerin Karin Wolff die Ergebnisse des zweiten Durchgangs der Pilotphase, an der im Juni 2004 mehr als 3.700 Drittklässler aus 131 Klassen teilgenommen hatten.
08.12.2004 Pressemeldung Hessisches KultusministeriumDie Orientierungsarbeiten werden mit dem laufenden Schuljahr für alle dritten Klassen an den rund 1.170 Grundschulen in Hessen verbindlich. Geschrieben werden die Arbeiten im Zeitraum 25. April bis 6. Mai 2005.
Die Orientierungsarbeiten im dritten Jahrgang der Grundschule sind eine Reaktion Hessens auf die Kritik von PISA I, wonach an deutschen Schulen Diagnose-Instrumentarien nicht ausreichend vorhanden seien. "Verbesserungen müssen bereits in der Grundschule ansetzen", sagte Wolff. Schließlich gehe es auch um die Vergleichbarkeit und die Berechenbarkeit der Grundschularbeit.
In der Auswertung der Ergebnisse der Pilotphase 2004 ist festzustellen, dass im Vergleich zum Vorjahr die Lesekompetenz der Kinder besser geworden ist. "Die frühe Förderung der Lesefähigkeit an Grundschulen trägt erste Früchte", sagte Wolff. Individuelle Abweichungen zwischen den Schülerinnen und Schülern seien aber weiterhin festzustellen. Schwächen wurden erneut im Bereich der Rechtschreibung ausgemacht. "Wir müssen die Diagnosefähigkeit unserer Lehrkräfte weiter ausbauen, damit sie einzelne Schülerinnen und Schüler noch gezielter fördern können", sagte Wolff. Bisher wurden bereits 790 hessische Grundschullehrkräfte in Fortbildungsreihen gezielt auf den Anfangsunterricht vorbereitet.
Das Ergebnis in Mathematik unterscheidet sich nur unwesentlich von dem der ersten Pilotphase und wird von der Ministerin auch diesmal als "gut" bewertet. Die Problemlösekompetenz hat sich im Vergleich zum Vorjahr etwas verbessert. "Ein positives Signal, das uns bestärkt, gerade leistungsschwächere Kinder weiter gezielt und individuell zu fördern", so die Ministerin.
Auch diesmal zeigt sich, dass Klassen mit einem hohen Migrantenanteil schlechter abgeschnitten haben. "Die Einführung unserer Deutsch-Vorlaufkurse vor der Einschulung ist ein großer Schritt nach vorn. Dies wird sich in den nächsten Jahren bemerkbar machen", sagte Wolff mit Hinweis darauf, dass die Kinder aus den ersten Vorlaufkursen 2002/03 im Herbst 2005 in die dritte Klasse kommen werden. Die Anzahl der Kinder in Deutsch-Vorlaufkursen war im Schuljahr 2003/04 gegenüber dem Vorjahr um 670 auf 5.520 deutlich gestiegen. Die Akzeptanz bei den Eltern hat sich demnach weiter erhöht. "Lesen, Schreiben, Lernen und Verstehen - alles dreht sich um die deutsche Sprache. Sie ist die Basis, auf der schulischer Erfolg aufbaut", sagte Wolff.
Geschrieben werden die Orientierungsarbeiten jeweils im zweiten Halbjahr der 3. Jahrgangsstufe. Die Kinder erhalten einheitliche Aufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik. Die Orientierungsarbeiten werden nach vorgegebenen Kriterien von den Fachlehrkräften an den Schulen ausgewertet. Die Arbeiten werden nicht benotet. "Die Ergebnisse der Orientierungsarbeiten dienen nicht zum Erstellen eines Rankings der einzelnen Schulen", betonte Wolff. Vielmehr erlaubten sie Rückschlüsse auf den weiteren Förderbedarf der einzelnen Kinder und dienten auf schulischer Ebene der Analyse des Unterrichts. "Orientierungsarbeiten sollten auch als Anstoß im Kollegium verstanden werden, um über Konsequenzen zur Steigerung der Effizienz des Unterrichtes in der Grundschule nachzudenken", sagte die Ministerin.
Hinweis: Weitere Informationen zum Thema mit Aufgabenstellungen, Einzelergebnissen und Lehrerinformationen finden Sie unter www.kultusministerium.hessen.de.
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