Zukunft des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) - ein wissenschaftspolitisches Signal für die Region Ruhr -

Sehr geehrte Damen und Herren, wir möchten Sie heute informieren über das Zukunftskonzept für das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) in Essen, das die Landesregierung in ihrer gestrigen Kabinettsitzung beschlossen hat.

05.04.2006 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Das KWI hat sich seit seiner Gründung 1988 eine ausgezeichnete Reputation verschafft und gilt als ein Juwel der nordrhein-westfälischen Forschungslandschaft. 2002 wurde das KWI vom Wissenschaftsrat evaluiert und erhielt als einziges der Institute unter dem Dach des Wissenschaftszentrums exzellente Beurteilungen. Ich darf die ersten beiden Sätze der damaligen Bewertung zitieren: "Das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen ist inhaltlich durch seine Konzentration auf die Kulturwissenschaften und strukturell durch seine Projektstruktur mit Elementen der Kollegstruktur eine singuläre Erscheinung in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Ihm kommt eine große Bedeutung auf dem Gebiet der Kulturwissenschaften in Deutschland zu, da es Fachwissenschaftlern unterschiedlicher geisteswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Disziplinen und verschiedener Qualifikationsstufen die Möglichkeit zu gemeinsamer Forschung ohne zusätzliche Verpflichtungen bietet."

Zugleich hat der Wissenschaftsrat Empfehlungen erteilt, wie das KWI noch stärker sichtbar, noch internationaler, noch exzellenter und noch stärker beim Einwerben von Drittmitteln werden könnte. Wir freuen uns außerordentlich, dass wir mit der jetzt gefundenen Neuorganisation einen großen Schritt in diese Richtung machen und das KWI strukturell so stärken, dass es sich zu einem weit über Deutschland hinaus strahlenden Institut für geisteswissenschaftliche Spitzenforschung weiterentwickeln kann.

Dazu wird das Landesinstitut KWI noch in diesem Jahr aus dem Verbund des Wissenschaftszentrums herausgelöst und als eigenständiges Institut in die Trägerschaft der drei Ruhrgebiet-Universitäten Duisburg-Essen, Dortmund und Bochum überführt. Organisatorisch, haushalts- und personalwirtschaftlich ist das KWI an die Universität Duisburg-Essen angegliedert, die damit – auch inhaltlich - eine Sonderfunktion einnimmt. In einem noch zu schließenden Kooperationsvertrag wird die enge und intensive Zusammenarbeit des KWI mit den drei Hochschulen vereinbart.

In einem "Letter of Intent" haben sich die Uni Duisburg-Essen und das KWI bereits darauf verständigt, dass das KWI Initiativen integrieren wird, die einzelne oder mehrere der Partner an den kooperierenden Universitäten entwickeln. Über die Satzung der Uni Duisburg-Essen wird die Selbststeuerung des Instituts festgelegt. Wörtlich heißt es in der Absichtserklärung: "Ein Vorstand entscheidet im Rahmen des Budgets über Programm, Personal und Mittelverteilung. Ihm gehören der Direktor (KWI), je ein Vertreter der kooperierenden Universitäten Duisburg-Essen, Bochum und Dortmund und der Geschäftsführer (KWI) an." Das KWI hat damit die Möglichkeit, sich noch besser zu vernetzen, noch interdisziplinärer zu arbeiten und mit diesen drei Universitäten im Rücken eine noch größere Wirkung zu erzielen. Dies ist gerade für die internationale Ausrichtung und die Bewerbung um international ausgeschriebene Forschungsetats von großer Bedeutung.

Der diesjährige Landeszuschuss für das KWI in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro wird vorbehaltlich der Haushaltsverhandlungen 2007 in voller Höhe zum Globalbudget der Universität Duisburg-Essen addiert. Damit ist die Finanzierung des KWI in Zeiten schwierigster Haushaltslage des Landes gesichert. Das KWI soll zu einem international exzellenten, fest im Ruhrgebiet verankerten und damit zu einem für die Region identifikationsstärkenden Nukleus im geisteswissenschaftlichen Bereich werden. Die Universität Duisburg-Essen, aber auch die Universitäten Dortmund und Bochum bekommen mit dem KWI ein Vorzeigeprojekt, das erheblich zur Profilschärfung der drei Hochschulen beiträgt. Die Neuorganisation des KWI hat darüber hinaus Signalwirkung: Es geht ein klares Signal aus für eine intensive Kooperation der drei Universitäten im Ruhrgebiet. Es geht ein klares Signal aus für die Bündelung der Kräfte und die Stärkung echter Stärken. Und es geht ein klares Signal aus für den Stellenwert der Geisteswissenschaften in der nordrhein-westfälischen Wissenschaftslandschaft. Mit diesem Konzept stärken wir das KWI nachhaltig und ermöglichen ihm langfristige Perspektiven zur Weiterentwicklung.

Wichtig war uns dabei, die Marke KWI in vollem Umfang intakt zu halten. Das Institut wird weiter unter diesem Namen und auch in diesen Räumlichkeiten tätig sein. Es wird seine unabhängige Leitungsstruktur behalten. Nach der Emiritierung von Präsident Professor Rüsen wird die W3-Stelle dem Institut zugeordnet bleiben und extern neu besetzt. Das KWI wird auch nach der Neuorganisation ein reines Forschungsinstitut bleiben. Mit diesem Konzept geben wir dem KWI langfristige Planungssicherheit zurück, die durch die 30-prozentige Kürzung der Landesmittel in den Jahren ab 2004 durch die Vorgängerregierung in Frage gestellt war. Alle Mitarbeiter werden von der Universität Duisburg-Essen übernommen.

Ich freue mich sehr, dass wir Ihnen heute ein Konzept vorstellen dürfen, das für alle Beteiligten die Aussicht auf eine sehr positive Entwicklung und große Zukunftschancen birgt: Für das KWI und seine Mitarbeiter, für die drei Universitäten, für das Ruhrgebiet und für das Land Nordrhein-Westfalen. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Es gilt das gesprochene Wort.

Die Rede als pdf-Datei zum Download


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