Englischunterricht in der Grundschule kontraproduktiv?
(bikl/ots) Elsbeth Stern vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hält Fremdsprachenunterricht in der Grundschule zur Zeit nicht für sinnvoll. "Die Einführung dieses Unterrichts finde ich unter den gegebenen Verhältnissen kontraproduktiv, weil er Kosten und Kräfte bindet, die man besser einsetzen könnte", sagt sie der ZEIT. "Unsere Schulen sind so große Baustellen, dass man sich eigentlich nicht den Luxus erlauben kann, ein neues Fach zu etablieren, ohne dass wir eine Didaktik dafür haben oder die Effekte des Unterrichts kennen."
01.03.2006 ArtikelUmgekehrt gebe es gute Konzepte für Mathematik oder den Sachunterricht, die nicht umgesetzt würden. Eine sinnvolle Didaktik für das frühe Sprachenlernen fehle bislang weitgehend: "Natürlich bekommen die Kinder ein paar fremde Worte mit. Doch was soll es darüber hinaus bringen, wenn eine Englischlehrerin ein-, zweimal die Woche im Kindergarten oder in der Schule ein paar Lieder singt und sagt: 'The weather is fine, now we go outside'."
Lieber spielen
Aus ihren Vorträgen zum frühen Lernen wisse sie, dass sich Eltern fragen, ob sie ein schlechtes Gewissen haben müssten, wenn sie den Englischkurs für ihr Kind nicht bezahlen könnten. „Ich beruhige die Eltern und sage: Was die anderen Kinder lernen, kann ihr Kind später in der Schule in kurzer Zeit nachholen. Wenn man die Alternative hat, draußen zu spielen oder Spanisch zu lernen, würde ich fürs Spielen plädieren“, so die Forscherin in der ZEIT.
Gleichzeitig betonte Stern, dass Kinder, die zweisprachig aufwüchsen, kognitiv weiter als Gleichaltrige seien und sogar beim Schriftspracherwerb Vorteile hätten.
Dritte Fremdsprache Türkisch?
Im Zusammenhang mit dem Schulhofverbot für Türkisch erklärt der Linguistik Prof. Dr. Jürgen M. Meisel von der Universität Hamburg im gleichen Beitrag: „Mit Sprachverboten erreicht man nichts.“ Zwar gelte in diesem Fall wie für alle Sprachen: So früh wie möglich und so viel wie möglich Deutsch. „Aber das ist kein Votum gegen Türkisch“, so Meisel weiter. „Man sollte auch die Mehrsprachigkeit der Migranten als Chance verstehen und nicht nur immer als Problem. Warum zum Beispiel bietet man nicht viel mehr die Möglichkeit, neben Englisch als zweite oder dritte Fremdsprache Türkisch zu lernen?“, fragt der Wissenschaftler in der ZEIT.
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