Forderung nach Kommunalisierung der Schule

"Für die Zukunft unserer Kinder müssen Städte und Gemeinden die Zuständigkeiten und Ressourcen zur Gestaltung einer kommunalen Bildungslandschaft übertragen bekommen." Dies forderte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe (AGJ) Reiner Prölß anlässlich des 12. Deutschen Jugendhilfetages in Osnabrück. Dazu gehöre dann konsequenter Weise auch eine weitgehende Kommunalisierung des Schulwesens, so Prölß.

15.06.2004 Pressemeldung Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ)

Die zur Zeit praktizierte geteilte Schulträgerschaft zwischen Ländern und Kommunen entspreche nicht den pädagogischen Erfordernissen zur Gestaltung von Lern- und Bildungsprozessen, da diese nur im geringen Umfang auf die jeweiligen Bedingungen des sozialen Nahraums eingingen. Der jeweilige pädagogische Ort im sozialen Nahraum wie Schule oder Kindertagesstätten werde jedoch immer mehr zum Kristallisationsort für Lern- und Bildungsprozesse.

Über zwei Millionen junger Menschen sind in Deutschland von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. "Deshalb braucht es grundsätzlich die Möglichkeit, ein auf die jeweiligen Bedingungen abgestelltes Konzept zu entwickeln und umsetzen," sagte der Vorsitzende der AGJ. Speziell gehe es dabei um mehr Gestaltungsfreiheit der einzelnen Einrichtungen. "Auf die Schule bezogen geht es um Schulautonomie," erklärte Prölß. Die verschiedenen pädagogischen Orte und pädagogischen Einrichtungen müssten dabei gleichberechtigt zusammenarbeiten. "Die kommunale Ebene muss durch inhaltliche Ziele, spezielle Programme und entsprechende Budgets aufgrund der jeweiligen sozialräumlichen Bedingungen und der daraus abgeleiteten bildungs-, sozial, kultur- und gesundheitspolitischen Erfordernissen, steuernd Einfluss nehmen können", forderte der Vorsitzende der AGJ.

Das setze voraus, dass es nationale oder landespolitische pädagogische Mindeststandards gebe, die von den Kommunen spezifiziert werden und von den Akteuren in den Stadtteilen konkret ausgestaltet werden.

Die Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe ist der bundeszentrale Zusammenschluss der öffentlichen und freien Jugendhilfe. Auf dem 12. Deutschen Jugendhilfetag, Europas größtem Fachkongress mit Fachmesse in diesem Bereich, beschäftigten sich an drei Tagen insgesamt 30.000 Fachleute in einem intensiven fachlichen Diskurs mit den zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen für Kinder, Jugendliche und ihrer Familien. Einig waren sich die Fachleute, dass eine Verengung der Bildungsdiskussion auf die Schule, die derzeitige Problemkonstellation verkenne und wesentliche gesellschaftliche Lösungspotenziale auch der Kinder- und Jugendhilfe verschenke.


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