Fünf Jahre Kita-Gutscheinsystem in Hamburg

(redaktion/idw) Vor 5 Jahren, zum 1. August.2003, wurde in Hamburg das Kita-Gutscheinsystem eingeführt. Damit wurde ein völlig neues System der Angebotssteuerung und Finanzierung der Kindertagesbetreuung etabliert. Es erhebt den Anspruch, die Grundsätze von Nachfrageorientierung, Subjektförderung und Wettbewerb der Leistungsanbieter auch in der Kindertagesbetreuung zu verankern. Ein zweitägige Fachtagung sollte jetzt Bilanz ziehen. Ein Ergebnis: Es gibt Nachbesserungsbedarf.

31.10.2008 Artikel
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Mit dem Hamburger Gutscheinsystem Anders als früher wurde den Eltern nun nicht mehr ein bestimmter Kita-Platz zugewiesen, sondern nur noch eine Leistungsart bewilligt und den Eltern die Auswahl der Kita überlassen. Die stärkere Nachfragemacht der Eltern sollte, so das Konzept, den Wettbewerb der Anbieter beflügeln und so zu einem quantitativ und qualitativ verbesserten Angebot führen.

Bei ihrer heutigen Pressekonferenz betonten die Veranstalter der Fachtagung - die Hamburger Kita-Träger und -Verbände und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) -, dass das Kita-Gutscheinsystem ein taugliches Instrument ist, den großen quantitativen Bedarf an Kita-Plätzen in Hamburg zu decken. Auch wenn das erste Jahr nach dem Systemwechsel als Zeit des "Kita-Chaos" in die Wahrnehmung von Presse und Öffentlichkeit eingegangen sei, habe doch schließlich eine Konsolidierung eingesetzt, die zu einem beständigen Ausbau an Kindertagesplätzen führte: Standen in Hamburg im Jahr 2003 noch rund 50.400 Kita-Plätze zur Verfügung, sind es im Jahr 2008 bereits rund 59.100 in allen Altersgruppen, wobei der stärkste Zuwachs mit Raten von zuletzt etwa 13 Prozent pro Jahr im Krippenbereich zu verzeichnen ist. Darüber hinaus sei auch eine qualitative Weiterentwicklung hinsichtlich der differenzierteren pädagogischen Konzeptionen und der Kundenorientierung beobachtbar. Insgesamt, so die Kita-Träger und die HAW Hamburg, hat sich das System bewährt.

Standards wurden gesenkt

Trotz der insgesamt positiven Bilanz hoben die Fachleute aus Trägern, Verbänden und Hochschule hervor, dass im Zuge der Einführung des neuen Systems so manche 'hohe Rechnung' zu zahlen gewesen sei: Um die steigenden Kinderzahlen ohne zusätzliche Haushaltsbelastung finanzieren zu können, hat die Stadt Hamburg 2005 die Standards für die Ausstattung mit pädagogischem Personal durchschnittlich um etwa 11 Prozent abgesenkt. Diese Personalkürzung habe insbesondere in Einrichtungen der Sozialen Brennpunkte und in Kitas mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund zu spürbaren Einschränkungen in der Betreuungsqualität geführt. Gleichzeitig habe die Kopplung von Gutscheinen an die Berufstätigkeit von Eltern bewirkt, dass Kinder von arbeitslosen Eltern oder von Eltern mit Migrationshintergrund die für diese Familien besonders wichtigen Betreuungs- und Bildungsangebote der Kitas häufig nicht nutzen konnten.

Bildungsinteressen der Kinder in den Mittelpunkt stellen

Nachbesserungsbedarf besteht daher in der Ausgestaltung des Systems. Gefordert werden eine Rücknahme der Kürzungen und eine höhere personelle Ausstattung in Kitas, um Kinder mit besonderem Förderungsbedarf sowie den gewachsenen Ansprüchen an eine qualifizierte Bildungsarbeit gerecht werden zu können. Diese Forderungen werden von wissenschaftlichen Experten unterstützt. So wies Prof. Dr. Petra Strehmel von der HAW Hamburg darauf hin, dass bei der Ausgestaltung des Gutscheinsystems die Bedürfnisse und Bildungsinteressen der Kinder im Mittelpunkt stehen sollten. "Auch und gerade in einem für die Eltern so hochflexiblen Angebot muss den Bedürfnissen der Kinder nach Kontinuität und Vertrautheit Rechnung getragen werden, denn dies sind wichtige Voraussetzungen für das Lernen der Kinder."


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