GEW: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte über die Zukunft
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ein Zehn-Punkte-Programm für eine bessere Bildung vorgelegt. Es soll Messlatte für die neue Bundesregierung nach der mutmaßlichen Bundestagswahl am 18. September 2005 sein. "Viele Menschen wollen einen Richtungswechsel in der Politik. Sie wollen endlich eine sozialere Politik, die reguläre Arbeitsplätze schafft. Sie wollen für ihre Kinder eine qualitativ gute Bildung und hochwertige Ausbildungsmöglichkeiten", erklärte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Freitag in Berlin.
19.08.2005 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und WissenschaftBei der Erneuerung der Bundesrepublik habe das Bildungswesen eine Schlüsselfunktion. "Ohne eine grundlegende Bildungsreform greifen auch alle Sozialreformen weitgehend ins Leere", betonte der GEW-Vorsitzende. Deshalb werde die GEW noch vor der Bundestagswahl mit allen demokratischen Parteien diese Zukunftsfragen diskutieren. Den Auftakt machte heute ein Gespräch des GEW-Vorsitzenden Ulrich Thöne mit Gregor Gysi, dem designierten Spitzenkandidaten der Linkspartei (Die Linke. PDS).
"Wir hatten ein konstruktives, aber auch kritisches Gespräch", fasste Thöne das Treffen zusammen. Viele Forderungen im Programmentwurf der Linkspartei lesen sich so, als stammten sie von den Gewerkschaften, sagte der GEW-Vorsitzende: Mehr Geld für die Bildung, kostenfreie Kindergärten, Schulen und Hochschulen, mehr Ganztagsschulen. Dennoch mahnte Thöne zur Vorsicht: "Der Lackmus-Test für eine Partei kommt immer dann, wenn sie ihre Ideen in der rauen Wirklichkeit umsetzen will. Dann klafft oft eine große Lücke zwischen Programmatik und Regierungsalltag." Im rot-roten Berlin bedeutete dies beispielsweise: Höhere Kita-Gebühren, drastische Kürzungen bei Kindergärten, Schulen und Hochschulen. "Wir haben die Kritikpunkte klar benannt. Beide Seiten haben sich darauf verständigt, weiter einen offenen Dialog zu führen", sagte Thöne.
Egal, welche Parteien die künftige Bundesregierung stellen, für die GEW steht fest: "Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte über die Zukunft unseres Bildungswesens. Die Gesellschaft muss definieren, was Bildung leisten soll und wie die Schritte zur Erreichung dieser Ziele aussehen. Zum Beispiel: Wie sichern wir Qualität? Wie senken wir die Zahl der Bildungsabbrecher? Wie fördern wir Migrantinnen und Migranten?", sagte der GEW-Vorsitzende. Dabei müsse aber auch klar sein, dass es beste Bildung nicht zum Nulltarif gibt. "Ohne eine deutliche Steigerung der öffentlichen Ausgaben für das Bildungswesen ist nachhaltige Qualitätsverbesserung nicht zur erreichen", unterstrich Thöne.
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