KiBiz-Revision in NRW - die Fachkraft-Kind-Relation muss verbessert werden!
12.03.2011 Artikel
-
In der Dialog-Veranstaltung des Forums Förderung von Kindern stellte Frau Prof. Dr. Susanne Viernickel die Expertise über "Schlüssel zur guten Bildung, Erziehung und Betreuung" vor und wies dabei u.a. darauf hin,
dass es Schwellenwerte gibt, ab deren die Wirkung für das kindliche Wohlbefinden negativ beeinflusst wird (die Prozessqualität),
dass es sich (für Kinder) "lohnt", in die Rahmenbedingungen, so die Fachkraft-Kind-Relation, zu verbessern
und dass, wenn in Statistiken z.B. einem Personalschlüssel von 1:10 ausgegangen wird, aufgrund der Abwesenheitszeiten, faktisch nur ein Schlüssel von 1:13 bis 1:15,6 gegeben ist. Oder anders: Wenn eine Fachkraft-Kind-Relation von 1:10 erreicht werden soll, müsste faktisch diese bei der Ausgestaltung auf den Wert von 1:7,7 bis 1:6,4 ausgerichtet sein.
So erläuterte sie, dass die vorliegenden Informationen über die tatsächlich gegebenen Verhältnisse als widersprüchlich erscheinen. Während die Bertelsmannstiftung im Rahmen des Ländermonitors 2010 für Kinder im Krippenalter für NRW ein Verhältnis von 1:5,5 festgestellt habe, hätte das Statistische Bundesamt einen Wert von 1:3,6 ermittelt. Diese Unterschiedlichkeit sei frapierend und zunächst nicht erklärbar.
Das dies in Ansätzen jedoch der Fall ist, ergibt sich aus den Ausführungen des Statischen Bundesamtes selber. Bei der am 10.2.2011 erfolgten Vorstellung der Übersichten zum Personalschlüssel wies es auf die "Schwachstellen" seiner Darstellung hin und betonte ausdrücklich, dass aus seinen Daten keine "Betreuer-Kind-Relation" geschlossen werden könne. Dies ist dann aber - sogar durch das Statistische Bundesamt selbst - gemacht worden.
Zur Vorstellung der Informationen des Statistischen Bundesamtes vom 10.2.2011:
Das Statistische Bundesamt am 10.2.2011 die zum Stichtag 1.3.2010 ermittelten Übersichten zum Personalschlüssel in den Bundesländern veröffentlicht. In der Pressemitteilung wird darauf hingewiesen, dass Gruppen mit Kindern bis 2 Jahren das günstigste zahlenmäßige Verhältnis zwischen pädagogisch tätigen Personen und betreuten Kindern haben. Der niedrigste Wert wurde für das Bundesland Bremen festgestellt (3,2). NRW wurde mit 3,6 ausgewiesen.
Achtung: Diese Darstellung ist mit größter "Vorsicht" zu verwenden.
In der Pressemitteilung wird dazu selbst ausgeführt:
Methodischer Hinweis: Das Betreuer-Kind-Verhältnis, der so genannte Personalschlüssel, ist eine standardisierte Größe, die das rechnerische Verhältnis von einer ganztags pädagogisch tätigen Person in einer Kindertageseinrichtung zu einem dort ganztags betreuten Kind für verschiedene Gruppenformen darstellt. Er ist ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Qualität von Betreuungsangeboten in Kindertageseinrichtungen. Mit dem Personalschlüssel können Grundsatzaussagen über regionale Unterschiede und im Zeitverlauf gemacht werden. In der täglichen Betreuungssituation vor Ort können sich andere Bedingungen ergeben. Dies gilt insbesondere bei Ausfallzeiten des Personals oder in den so genannten Randzeiten der Betreuung. Berechnet wurde der Personalschlüssel auf Basis der Daten zur Statistik über Personen und Kinder in Kindertageseinrichtungen.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass in die Personalschlüssel auch die Beschäftigungsumfänge von freigestellten Leiterinnen/Leitern eingerechnet wurden und so "geschönt" sind.
Außerdem ist nicht erkennbar, dass Abwesenheitszeiten (z.B. wegen Krankheit, Urlaub, Fortbildung) und die Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit (z.B. Elterngespräche, Bildungsdokumentationen) abgezogen sind.
Gravierend ist jedoch auch noch, dass das Bundesamt selber darauf hinweist (Seite 5), dass es sich um "rechnerische Größen" handelt, aus denen kein "tatsächliche Betreuer-Kind-Relation" abgeleitet werden kann. Tatsächlich verwendet das Bundesamt selbst in der Überschrift der Pressemitteilung die Bezeichnung "Betreuer-Kind-Verhältnis" und erweckt den Eindruck, als könnte eine solche Schlussfolgerung gezogen werden.
Die Darstellung dürfte damit kaum geeignet, um in einen entsprechenden Diskurs über Rahmenbedingungen einzusteigen.
Weiterführende Links
- Informaiton des Bundesamtes
Keine Kommentare vorhanden