Fachkräftemangel in NRW

KiBiz und Fachkräftemangel: Ein Konzept der Landesregierung ist nicht erkennbar

30.11.2011 Artikel

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In der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Carolin Butterwegge, DIE LINKE, zur Fachkräftesituation in Tageseinrichtungen wird u.a. deutlich, in welchem Umfang sich junge Menschen in den Ausbildungsgänge für Erzieher/Erzieherinnen, Heilpädagogen/Heilpädagoginnen, Heilerziehungspflegerinnen/Heilerziehungspflege befinden. Die Landesregierung schätzt ein, dass nicht mit einem akuten, jedoch mittelfristigen Fachkräftemangel in NRW zu rechnen ist, die Ausbildungskapazitäten erhöht und z.B. die Attraktivität des Arbeitsfeldes schon durch die im Rahmen der Revision erfolgte "Verbesserung des Personalschlüssels" in den Gruppen mit Kindern unter 3 Jahren erfolgt ist.

Damit wird aber auch deutlich, dass die Landesregierung bisher kein weitergehendes Konzept weder vorbereitet noch vorgesehen hat.

Kommentar:

Mit den Fragestellungen der Kleinen Anfrage wurde auf die Beantwortung einer Vorgängeranfrage reagiert, zumal die Landesregierung im März 2011 angekündigt hatte, dass sie erst im Rahmen der weiteren Entwicklung konkretere Berechnungen vorlegen kann. Nach 7 Monaten gibt es für die Landesregierung noch keine Neuerungen, obwohl zwischenzeitlich u.a. das Deutsche Jugendinstitut mit einer sehr vorsichtigen Berechnung ausgewiesen hatte, dass in NRW zum 1.8.2013 rd. mit einem Fehlbedarf von zusätzlich erforderlichen 7.000 Fachkräfte zu rechnen ist!

Mit den vorgelegten Daten über die Schülerzahlen einerseits eine Übersicht über die derzeit in Ausbildung befindlichen Jugendlichen gegeben. Entgegen der Fragestellung wird jedoch z.B. nicht darüber informiert, wie viele Absolventinnen aus Fachhochschulausbildungen zu erwarten sind. Andererseits wird bei einer Auseinandersetzung mit diesen Zahlenangaben deutlich, dass sich zwar die Ausbildungskapazitäten erhöht haben, aber in keiner Weise ausreichend sein werden, um den prognostizierten Fachkräftebedarf zu decken. Die Daten weisen aus, dass bis zum 1.3.2013 lediglich rd. 1.000 zusätzliche Fachkräfte qualifiziert sein werden.

Bei der Bewertung der Zahlen ist aber auch zu berücksichtigen, dass diese Maximalgröße u.a. durch folgende Faktoren reduziert wird: Es ist nicht berücksichtigt, dass es Ausbildungsabbrüche gibt. Es ist nicht bedacht, dass rd. 1/3 aller ausgebildeten Erzieher/Erzieherinnen keine Tätigkeit in Tageseinrichtungen aufnehmen, weil sie evtl. weiter studieren und, was vorwiegend auf Männer zutrifft, im Bereich der Erziehungshilfe tätig werden. Es scheint nicht bedacht zu werden, dass nach den Untersuchungen von Prof. Sell etwa 20 % der ausgebildeten Fachkräfte nach dem ersten Berufsjahr das Arbeitsfeld verlassen, weil die Arbeitsbedingungen unattraktiv und im örtlichen Einzelhandel sogar günstiger sind. Es müsste aber auch berücksichtigt werden, dass aufgrund der Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte in zunehmenden Maße nur noch befristete und Teilzeittätigkeiten angeboten werden, so dass die Zahl der Absolventen nicht der Zahl der zu besetzenden Vollzeitstellen entspricht.

Alleine vor diesem Hintergrund ergibt sich, dass bereits zum 1.8.2013 mit einer Fachkräftelücke in NRW von rd. 6.000 Personen zu rechnen ist. Dies ist erstaunlicherweise bisher für die Landesregierung kein Grund, zusätzliche Initiativen zu starten, so wie dies z.B. in Rheinland-Pfalz der Fall ist.

Irritierend und unverständlich ist der Hinweis darauf, dass mit der Revision des KiBiz ab 1.8.2011 eine "Verbesserung des Personalschlüssels" für die Gruppen mit Kinder unter 3 Jahren erfolgt sei. Mit der Einführung der befristet eingeführten U3-Pauschale werden weder die Verschlechterungen kompensiert, die seit der Einführung des KiBiz zum 1.8.2008 erfolgt sind. Noch werden die bereits vorher durch die rot-grüne Landesregierung und Federführung der auch jetzt zuständigen Ministerin Schäfer mit dem "Kontrakt für die Zukunft" im Jahr 2008 erfolgen Kürzungen in der Personaltabelle kompensiert. Seit "damals" werden dem System der Tagseinrichtungen jährlich 220 Mio. Euro entzogen, mithin ein Finanzierungsvolumen von rd. 13.000 Vollzeitstellen. Diese Kürzung erfolgte durch die Einführung der so genannten "Wochenstundentabelle" und der damit auch realisierten Abschaffung gesicherter Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit (Verfügungszeit).

Interessant ist der Hinweis, dass weitere "Schritt" im Rahmen der 2. Revisionsstufe erfolgen sollen. Es ist zu hoffen, dass dazu der Handlungsrahmen durch die Bereitstellung zusätzliche Mittel geschaffen und kurzfristig auch in die Mittelfristige Finanzplanung eingestellt wird. Bisher sieht die Finanzplanung bis zum Ende der Legislaturperiode überhaupt keine weiteren Ausgabensteigerungen für den Elementarbereich vor.


Weiterführende Links

  • Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 1173

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