Können Gummibärchen tauchen, ohne nass zu werden?

(cwk). Kaum ein Kind ist zu klein, um sich mit Naturwissenschaften und Technik zu beschäftigen – diese Erfahrung hat der Förderverein Science und Technologie e.V. nicht erst durch die äußerst positive Resonanz gemacht, die der erste „Science Day für Kinder“ im vergangenen Jahr hervorgerufen hat. Wer den kleinen Forscherinnen und Forschern zwischen vier und acht Jahren über die Schulter schaut, wie konzentriert, ernsthaft und mit Ausdauer sie Experimente durchführen und nach Erklärungen suchen, der weiß, wie wichtig der Zugang zu Naturwissenschaften und Technik in diesem Alter ist.

17.08.2006 Artikel

Kinder machen ständig Erfahrungen beim Spielen, beim Nachdenken oder beim Lernen und diese hinterlassen Spuren. Bildung ist ein aktiver Verarbeitungsprozess von Informationen, dabei sind die Kinder die Akteure, die sich neugierig ihre Umwelt erschließen.

Die „Science Days für Kinder“ bieten ihnen eine anregende Umgebung, sie werden ermutigt, Fragen zu stellen, sie erhalten Informationen und Material zum Forschen. Dabei entstehen Erlebnisse, die Neugierde freisetzen und den Wunsch erzeugen, Wissenschaft und Technik zu erobern. Die kleinen Besucher werden angeleitet, immer selbständiger zu experimentieren, zu beobachten, zu beschreiben, zu deuten und zu vergleichen. Durch das Entdecken und das folgende Staunen werden sie zu weiteren Aktivitäten im Kindergarten, der Grundschule oder im häuslichen Umfeld angeregt und an das Verstehen der Beobachtung und an die Bedeutung der Naturwissenschaften herangeführt. Die „Science Days für Kinder“ fanden in diesem Jahr am 27. und 28. Juni 2006 im Europa-Park Rust bei Freiburg statt. Der Förderverein „Science und Technologie e.V.“ als Veranstalter verwandelte den Europa-Park Dome für die 5000 jungen Besucher in ein großes Labor. Die Medienhalle bot faszinierende Angebote, z.B. eine Reise zu einem brodelnden Vulkan, einen Abstecher in die Tiefen des Ozeans oder die anziehend-abstoßende Entdeckung des Magnetismus.

Spannende Erlebnisse auch für die Begleiter

Bei den „Science Days für Kinder“ sind die über 800 Erzieher und Grundschullehrkräfte nicht nur Zuschauer in der zweiten Reihe, die ihre kleinen Schlaumäuse begleiten, sondern erhalten selbst Einblick in Natur und Technik. Dabei verlieren auch sie die Scheu vor naturwissenschaftlichtechnischen Themen und lassen sich von der Begeisterung und Wissbegierde der Kinder anstecken. Die Workshops und verschiedenen Shows bieten eine Fülle von Anregungen und Beispielen, wie Experimente in den Kindergarten- und Grundschulalltag eingebunden werden können. Die „Science Days für Kinder“ sind damit ein bereicherndes Arbeitsfeld sowohl für die Kleinen als auch für die Erwachsenen. Hier bekommen sie Informationsmaterial, Experimentieranleitungen, Tipps für die Praxis, pädagogisch-didaktische als auch methodische Unterstützung für die Umsetzung der Ideen.

Hilf mir, es selbst zu tun!

Eine spannende Umgebung zu schaffen, die Kinder zu begleiten und zum Experimentieren zu ermutigen, sind wichtige Aufgaben der betreuenden Personen an den Ständen. Dabei wurden nicht nur Erwachsene oder Fachpersonal ausgewählt. Das Schüler-Tutoren-Programm hat sich in den letzten Jahren sowohl bei den „Science Days“ als auch beim ersten „Science Day für Kinder“ im vergangenen Jahr bewährt. Der Grundgedanke dieser Tutorenarbeit ist, dass ältere Schülerinnen und Schüler Inhalte für die jüngeren aufarbeiten und diese im Rahmen der „Science Days für Kinder“ an die Kleinen weitergeben. Die Schülertutoren kommen von Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien, haben sich im Unterricht besondere Fähigkeiten in den naturwissenschaftlichen Fächern angeeignet und verfügen über ausgeprägte Kompetenzen im sozialen Bereich. Sie leiten Workshops, helfen den Kindern, mit ihren fünf Sinnen die Umwelt zu erkunden und begleiten sie bei ihren wissenschaftlichen Entdeckungen. Die Versuche haben sie in Projekten selbst entwickelt und erproben sie nun auf Augenhöhe mit ihren kleinen Gästen.

Von den 30 Ständen werden elf komplett von Schulklassen betreut. So buddeln Marietta und Lisa aus der 9. Klasse der Breisacher Realschule mit zehn kleinen Mädchen in einem großen Sandkasten. Die Sieben- und Achtjährigen bauen heute keine Sandburg – sie sind Geologinnen und graben nach einem Dinosaurierskelett, das sie anschließend mit Hilfe der großen Schülerinnen zu einem Dino zusammensetzen.

Das Tutoren-Prinzip ist für beide Seiten ein Gewinn: „So lerne ich, die Fakten über den Spinosaurus verständlich rüber zu bringen,“ sagt Lisa. Bei der Betreuung der kleinen Besucher verbessern die jungen Tutorinnen und Tutoren selbst ihre Präsentations- und Kommunikationsfähigkeiten. Sie erleben, mit welcher Motivation sich die Kids mit den Fragen der Natur beschäftigen.

Inhalte kindgerecht präsentieren

Können Gummibärchen tauchen, ohne nass zu werden? Ausgerüstet mit Plastikbechern und leeren Teelichtern, die den bunten Bären als „Unterseeboote“ dienen, machen sich zwölf Kindergartenkinder daran, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Die sechsjährige Laura stülpt ihren Becher über das Gummibärchen und drückt ihn in der Wasserschüssel nach unten. Das Gummibärchen bleibt trocken. „Weil da Luft im Becher ist“, vermutet Jungforscherin Laura. „Quatsch“, sagt Tim, der neben ihr das gleiche Experiment durchführt, „das Gummibärchen will gleich noch gegessen werden.“

Und als Zugabe gibt es eine Show mit naturwissenschaftlichem Inhalt: Originelle Physikexperimente vor einem großen Publikum kleiner „Neugiernasen“ bieten Studierende der PH Freiburg, Abteilung Physik, in ihrer Show „Was schwingt denn da?“. Jede Menge Gruseln und Faszination für Kleinstlebewesen vermittelt Deutschlands berühmtester Forensiker Dr. Mark Benecke. Er ist vor allem durch seine Bestimmung der Liegezeit von Leichen anhand des Madenbefalls bekannt. Alle bemühen sich, naturwissenschaftliche Inhalte verständlich und kindgerecht „rüber zu bringen“ und tragen so zum erneuten Gelingen der „Science Days für Kinder“ bei. Das Konzept ist angekommen, nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den begleitenden Eltern und Erzieherinnen. Beim Verlassen der Veranstaltung sagt Laura: „Das war die schönste Schule, die ich je hatte, da komme ich im nächsten Jahr wieder!“

Erstveröffentlichung:

Klett-Themendienst


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