Kultusstaatssekretär Georg Wacker: Unternehmen sollen stärker in betriebliche Einrichtungen zur Kinderbetreuung investieren

Kultusstaatssekretär Georg Wacker MdL hat an die Unternehmen im Land appelliert, noch stärker als bisher in betriebliche Kinderbetreuungsangebote zu investieren. "Im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte werden immer häufiger Firmen und Betriebe die Nase vorne haben, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kinderbetreuungsfragen unterstützen. Auch Top-Kräfte möchten berufliche Karriere und Familie vereinbaren können."

09.03.2009 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Wacker stellte klar, dass der Ausbau betrieblicher Kindertagesstätten das Angebot der Kommunen und freien Träger nicht "ersetzen soll und auch gar nicht ersetzen kann." Wenn die Landesregierung zu mehr Engagement aufrufe, dann deshalb, weil betriebliche Angebote ein wichtiges Element darstellten, um eine noch größere Flexibilität und Vielfalt bei den Betreuungsmöglichkeiten zu erreichen.

Die Landesregierung stehe den Unternehmen finanziell zur Seite, indem sie rund ein Drittel der Betriebsausgaben der unternehmenseigenen Kindertagesstätten be-zuschusse. Wird die Einrichtung in den örtlichen Bedarfsplan der Kommune auf-genommen, ist ein Gesamtzuschuss von mindestens 63 Prozent der Betriebsaus-gaben bei Kindergärten und 68 Prozent bei Kinderkrippen für unter dreijährige Kinder vorgesehen. Für auswärtige Kinder, die in solchen Kindertagesstätten betreut werden, erhält die Standortgemeinde einen Kostenausgleich von der Wohnsitzgemeinde. Als weitere Option biete sich die Kooperation mit bestehenden Kindertagesstätten im Umfeld des Betriebs an. So könnten die Unternehmen Betreuungsplätze reservieren und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anbieten.

Frühkindliche Bildung als Top-Thema der Landespolitik

Der Kultusstaatssekretär bezeichnete die frühkindliche Bildung und Betreuung als "Top-Thema" der Landespolitik. In Kindergarten und Grundschule wird nach den Worten Wackers das Fundament für eine erfolgreiche Bildungsbiografie gelegt. Die Landesregierung habe deshalb ein ineinander verzahntes Förderkonzept für Kinder-garten und Grundschule entwickelt. Beide Einrichtungen sollen zukünftig noch enger miteinander kooperieren. "Es ist wichtig, dass wir den Bildungsabschnitt zwischen dem dritten und zehnten Lebensjahr immer enger verzahnen und als Einheit begreifen."

Orientierungsplan bildet Grundlage für Kindergärten

Als Grundlage der frühkindlichen Bildung und Förderung dient der Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in den Kindergärten. In sechs Entwicklungsfeldern erhalten die Erzieherinnen und Erzieher Anregungen für die Begleitung und Förderung der frühkindlichen Bildungsprozesse. "Aufgabe der Erzieherinnen und Erzieher ist es heute, auf spielerische Weise Wissen zu vermitteln", sagte Wacker. Der Orientierungsplan wird seit drei Jahren erprobt und wissenschaftlich begleitet. Insgesamt 1700 Kindergärten hatten Gelegenheit, Rückmeldungen über die Arbeit mit dem Orientierungsplan zu geben. Für alle 38.000 Erzieherinnen und Erzieher gab und gibt es Fortbildungsangebote. Die dafür notwendigen Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro teilten sich Land und Kommunen jeweils zur Hälfte. "Noch im September dieses Jahres", so der Kultusstaatssekretär, "soll der Orientierungsplan in allen Kindergärten umgesetzt werden."

Projekt Schulreifes Kind: Gezielte Förderung am Übergang zur Schule

Wo der Förderbedarf eines Kindes über die Möglichkeiten des Orientierungsplans hinausgeht, setzt das Projekt "Schulreifes Kind" an. Ziel ist es, allen Kindern einen guten Start in die Schule zu ermöglichen. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Bildungsort Schule von Beginn an mit positiven Gefühlen besetzt ist. Das gelingt uns nicht, wenn Kinder aufgrund von Entwicklungsdefiziten dem Unterricht kaum folgen können." Zu den Fördermaßnahmen gehören beispielsweise Sprachförderung, Schulung der Feinmotorik und Übungen zur Förderung der Konzent¬rationsfähigkeit. Die Förderung kann durch Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher oder in Zusammenarbeit beider pädagogischer Fachkräfte erfolgen. Bis 2011 läuft der Modellversuch an insgesamt 245 Standorten mit 592 Kindergärten und 265 Grundschulen. Im Endausbau stehen ab dem Jahr 2011 Landesmittel in Höhe von 45 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.

Verbindliche Sprachstandsdiagnose und flächendeckende Sprachförderung

"Die Sprachkompetenz der Kinder stellt eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen gelingenden Schulstart dar", so Wacker. Bei sprachlichen Auffälligkeiten kommt ab dem Spätherbst im Rahmen der neu konzipierten Einschulungsuntersuchung ein verbindliches Sprachstandsfeststellungsverfahren zum Einsatz. Es ermöglicht einen detaillierten Blick auf die sprachlichen Defizite und liefere damit Ansatzpunkte für eine gezielte Förderung. Die Sprachstandsdiagnose wird von 2009 bis 2012 mit einem Betrag von über 10,6 Millionen Euro aus der "Qualitätsoffensive Bildung" finanziert. Um dem zukünftigen Förderbedarf entsprechen zu können, hat der Aufsichtsrat der Landesstiftung für das Kindergartenjahr 2009/10 eine flächendeckende Ausweitung des erfolgreichen Sprachförderprogramms "Sag mal was" beschlossen. Dafür stehen acht Millionen Euro zur Verfügung.

Bildungshäuser für Drei- bis Zehnjährige

Mit der Verzahnung von Kindergärten und Grundschulen zu Bildungshäusern an 33 neuen Standorten im Land eröffnen sich neue Möglichkeiten in der frühkindlichen Förderung. "Wir möchten Kindern eine kontinuierliche und bruchlose Entwicklung ihrer Bildungsbiografie ermöglichen." Die Zusammenarbeit von Kindergärten und Grundschulen wird so intensiviert, dass eine durchgängige Bildungseinrichtung für Drei- bis Zehnjährige entsteht.

Zentrales pädagogisches Strukturelement sind einrichtungsübergreifende Lern- und Spielzeiten in jahrgangsgemischten Gruppen. Entwicklungsberichte sollen Ansatz-punkte für gezielte Fördermaßnahmen aufzeigen. "Je individueller auf den Ent-wicklungsprozess eines Kindes eingegangen wird, desto seltener wird es zu Rück-stellungen vom Schulbesuch kommen."


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