Kultusstaatssekretärin Dr. Monika Stolz: Frühkindliche Förderung wird zum Schwerpunkt der Bildungspolitik in Baden-Württemberg

Der Orientierungsplan für frühkindliche Bildung und Erziehung für die Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg liegt druckfrisch in Buchform vor und wird ab sofort an die Kindergärten im Land verschickt. Ausgewählte Kindergärten starten zu Beginn des kommenden Jahres mit der Pilotphase. Ab 2009 wird der Orientierungsplan verbindlich für alle Kindertageseinrichtungen im Land. Insgesamt werden für die Einführung und Umsetzung des Orientierungsplans 20 Millionen Euro - insbesondere zur Fortbildung der Erzieherinnen - zur Verfügung stehen, die je zur Hälfte vom Land und von den Trägern zur Verfügung gestellt werden.

23.11.2005 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Damit schlagen wir ein neues Kapitel in der Bildungspolitik in Baden-Württemberg auf. Die Bildung in Kindergarten und Grundschule ist das Bildungsthema des Jahrzehnts. Der Orientierungsplan wird als Bildungskompass wesentlich zur Stärkung der frühkindlichen Erziehung beitragen und zentraler Bestandteil der Bildungs- und Kinderpolitik der nächsten Jahre sein", erklärte Kultusstaatssekretärin Dr. Monika Stolz am Mittwoch in Stuttgart.

Von heute an werden die Orientierungspläne an alle rund 7.300 Kindergärten und rund 2.500 Grundschulen im Land verschickt. Anfang Dezember beginnt die Bewerbungsfrist für die Teilnahme an der Pilotphase. Bis Ende Dezember werden 30 Kindergärten von einer Findungskommission ausgewählt, die an der wissenschaftlichen Begleitung teilnehmen werden. Diese startet Anfang Februar 2006. Dazu kommen weitere 200 Kindergärten, die direkt an der Pilotphase teilnehmen und die eng mit den wissenschaftlich begleiteten Kindergärten vernetzt sind. Weitere 700 Kindergärten werden durch Stichprobenerhebungen in die Pilotphase integriert. Darüber hinaus haben alle anderen Kindertageseinrichtungen die Möglichkeit, ab sofort auf freiwilliger Basis ihre Arbeit unter die Perspektive des Orientierungsplans zu stellen. Zu Beginn des kommenden Jahres startet auch die so genannte Tandemfortbildung für Erzieherinnen und Lehrkräfte, bis Ende 2005 wird eine trägerübergreifende Fortbildungskonzeption durch das Kultusministerium, das Wissenschaftsministerium, die kommunalen Landesverbände, Kirchen und sonstige freie Trägerverbände erstellt. Ab Februar 2009 wird der Orientierungsplan aufgrund der Erfahrungen in der Praxis und den Erkenntnissen der wissenschaftlichen Begleituntersuchung modifiziert und dann ab Sommer 2009 für alle Kindertageseinrichtungen im Land verbindlich.

"Wir fangen mit dem Orientierungsplan nicht beim Punkt Null an. Baden-Württemberg setzte schon seit Mitte der 90er Jahre Schwerpunkte in der frühkindlichen Bildung, unter anderem mit dem 'Schulanfang auf neuen Wegen' und der Förderung von Kooperation zwischen Kindergärten und Grundschulen", hob Monika Stolz hervor. Dies habe dazu beigetragen, dass baden-württembergische Grundschulen durch die IGLU-Studie im internationalen Vergleich ein exzellentes Zeugnis erhalten hätten: "Bei der Erarbeitung des Orientierungsplans ging es nach dem Prinzip 'Sorgfalt vor Schnelligkeit'. Wichtig war dabei vor allem die Verbindlichkeit aller Bildungs- und Entwicklungsfelder des Orientierungsplans, die Pflicht zu Elterngesprächen und zur Dokumentation der Entwicklung der Kinder. Diesen Grad der Verbindlichkeit haben andere Bundesländer nicht festgeschrieben." Die Staatssekretärin betonte, dass viele Kindergärten schon jetzt mit Elementen arbeiten, wie sie in dem Orientierungsplan formuliert sind.

Der Orientierungsplan, der im Beltz-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist, gliedert sich in Grundlagen sowie in Bildungs- und Entwicklungsfelder. Stichworte sind dabei unter anderem der Blickwinkel des Kindes, ein mehrperspektivisches Verständnis von Bildung und Erziehung, die Erziehungspartnerschaft von Fachkräften und Eltern sowie die pädagogische und strukturelle Qualitätsentwicklung. Eine besondere Rolle spielt die verpflichtende Kooperation Kindergärten - Schule sowie die pädagogische Begleitung im Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Hier wird auch die Förderkonzeption 'schulreifes Kind' integriert.

In sechs Bildungs- und Entwicklungsfeldern werden die thematischen Schwerpunkte gesetzt: Körper; Sinne; Sprache (Insbesondere auch Sprachförderung); Denken; Gefühl und Mitgefühl; Sinn, Werte und Religion. "Diese Bildungs- und Entwicklungsfelder sind nicht wie ein schulisches Curriculum zu verstehen, sondern als ganzheitlicher kindgerechter Ansatz zur Unterstützung und Förderung von Bildungsprozessen, die in der Grundschule ihre Fortsetzung finden. Die enge Verzahnung von Kindergarten und Grundschule soll den Übergang fließend machen. Er darf keinen Bruch darstellen, sondern muss eine Brücke sein", hob Monika Stolz hervor.

Zusatz-Information für die Medien:
Am 1. und 2. Dezember richtet das Kultusministerium jeweils von 10 bis 16 Uhr eine Telefon-Hotline ein, bei der Experten alle Fragen rund um den Orientierungsplan beantworten. Die Hotline ist erreichbar unter 0711/279-2471.

Alle weiteren Informationen im Internet unter www.Kindergarten-BW.de.


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