Philologenverband begrüßt Öffnung der Grundschulen und Kindergärten
Der Philologenverband Baden-Württemberg begrüßt, dass die Landesregierung beabsichtigt, Grundschulen und Kindergärten im Juni komplett zu öffnen, nachdem die erste Zwischenauswertung einer Studie mehrerer Landesuniversitäten für Baden-Württemberg bestätigt, „dass Kinder unter 10 Jahren als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielen“.
27.05.2020 Baden-Württemberg Pressemeldung Philologenverband Baden-WürttembergAngesichts dessen, dass in der Schweiz schon seit zweieinhalb Wochen die Kindergärten und Schulen wieder geöffnet sind – je nach Kanton komplett oder jeweils nur mit je halber Gruppenstärke in Form von „Schichtunterricht“ am Vormittag und Nachmittag – ist dieser Schritt spätestens ab 15.06.2020 nur konsequent. In den Schweizer Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Luzern und Schaffhausen wird bereits seit dem 11.05.2020 nicht nur in den Kindergärten und Grundschulen, sondern sogar in der Sekundarstufe 1 (bis einschließlich Klasse 9) ganz normal unterrichtet.
Spätestens ab Pfingsten sollte sich also an der Entwicklung der Infektionszahlen in diesen Schweizer Kantonen sehr genau ablesen lassen, ob sich die geöffneten Schulen mit Schülern bis zu 15 Jahren durch den Verzicht auf die Einhaltung von Abstandsregeln zu Infektions-Hotspots entwickeln oder nicht. Damit sollte hinreichende Sicherheit für die Grundschul- und Kindergartenöffnungen in Baden-Württemberg ab dem 15.06.2020 bestehen.
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) fordert die Landesregierung außerdem auf, eine weitere Studie in Auftrag zu geben, um zu ermitteln, bei welchem Alter die Grenze liegt, bis zu der Kinder „als Überträger nur eine untergeordnete Rolle spielen“. Die Grenze von 10 Jahren ist ja rein willkürlich und beruht lediglich auf der statistischen Unterteilung in 10-Jahres-Kohorten (0-10, >10-20 Jahre usw.) bei der Auswertung der Covid-19-Infektionen.
Der PhV-Vorsitzende Ralf Scholl erklärt dazu: „Es gilt, auch in den kommenden Wochen die Abstandsregeln im öffentlichen Leben konsequent einzuhalten, um die Zahl der Neuinfektionen schnellstmöglich auf null zu drücken. Wenn durch infizierte Kinder aber keine Neuinfektionen verursacht werden, dann ist es sinnlos, Kindergärten und Schulen zu schließen oder dort aufwändige Distanzierungsmaßnahmen durchzuführen. Der entscheidende, kritische Punkt ist aber, bis zu welchem Alter Kinder keine Ansteckungen hervorrufen, da ältere Jugendliche sehr wohl als Virusüberträger nachgewiesen sind.“ Eine naheliegende Vermutung ist natürlich, dass die Pubertät der kritische Zeitpunkt ist, da umfassende hormonelle und biochemische Änderungsprozesse die körperlichen Reifungsprozesse während der Pubertät auslösen. Ein Nachweis für diese Vermutung fehlt aber bisher.
Der PhV-Vorsitzende fordert im Zusammenhang mit den Schulöffnungen außerdem, dass für die Lehrkräfte die Möglichkeit zu regelmäßigen Corona-Tests geschaffen werden muss. Nur so kann sicher verhindert werden, dass der Virus durch Lehrkräfte verbreitet wird.
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