Programm zur Sprachförderung in Kitas startet
Zur individuellen Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung im letzten Jahr vor der Einschulung hat das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport die Erstellung eines umfassenden Fortbildungskonzepts finanziert und fördert landesweit regionale Fortbildungen. Bildungsminister Holger Rupprecht stellte das Gesamtkonzept heute in einer Auftaktveranstaltung in der Potsdamer Staatskanzlei vor rund 200 Vertreterinnen und Vertretern öffentlicher und freier Träger von Kin-dertageseinrichtungen sowie Fachkräften aus den Verwaltungen und Kitas vor.
06.02.2006 Brandenburg Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg"Wir wissen, dass die Sprache der Schlüssel für den individuellen Bildungserfolg ist. Deshalb ist es ein Kernstück sozialer Gerechtigkeit, alle Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung in der Kita zu fördern und mitzuhelfen, bestehende Entwicklungsrückstände auszugleichen", sagt Bildungsminister Holger Rupprecht. "Wir haben dafür ein Programm entwickelt, dessen Einzelmaßnahmen wie Zahnräder ineinander greifen. Ziel ist es, in den nächsten Jahren aus jeder der rund 1700 Kindertagesstätten im Land eine Erzieherin in der Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung zu qualifizieren. Davon werden nicht nur die einzelnen geförderten Kinder profitieren, sondern es wird auch der systematischen Sprachförderung im Kita-Alltag insgesamt mehr Bedeutung zukommen. Sprachförderung gehört zum Bildungsauftrag von Kitas. Eltern haben ein Anrecht darauf, dass ihre Kinder in der Kita sprachlich gefördert werden. Im Maßnahmepaket für Familien- und Kinderfreundlichkeit wurden für das Programm zur Sprachförderung vor der Ein-schulung in diesem Jahr 422.000 € eingestellt, und wir werden auch in den nächsten Jahren unseren Beitrag zur Verbesserung der Startchancen von Kindern beim Schuleintritt leisten."
Zusätzlich zur regelmäßigen Entwicklungsbeobachtung durch die "Grenzsteine der Entwicklung" sollen zukünftig die Kinder mit dem differenzierten Instrument "Kindersprachtest für das Vorschulalter (KISTE)" in der Kindertagesstätte auf ihre Sprachkompetenz hin untersucht werden. Das Instrument "KISTE" hat in einer Expertise über Verfahren zur Sprachstandsfeststellung für das Deutsche Jugendinstitut aus dem April 2004 ein gutes Ergebnis erzielt.
An die Identifikation von Kindern mit Sprachdefiziten schließt sich in einem weiteren Schritt die individuelle Förderung dieser Kinder in den Kindertagesstätten an. Die Sprachstandsfeststellung und anschließende Sprachförderung sollen durch die Erzieherinnen in den Einrichtungen geleistet werden, weil hierdurch eine bessere Basis für die Arbeit mit den Kindern erwartet wird und nachhaltige Auswirkungen auf die Sprachförderung in der Kita insgesamt erhofft werden.
Dazu werden die Erzieherinnen in regionalen Fortbildungen, die aus fünf zweitägigen Modulen bestehen, qualifiziert. Neben der Qualifizierung zum Umgang mit "KISTE" werden die Fortbildungen insbesondere Wissen über die kindliche Sprachentwicklung, gezielte Ansatzpunkte und Techniken zur individuellen Sprachförderung, die systematische Verankerung von Sprachförderung im Kita-Alltag sowie Elternarbeit vermitteln. Beginn der Fortbildungen ist Ende März dieses Jahres; gestartet wird in zehn Kreisen und kreisfreien Städten des Landes mit je zwanzig Erzieherinnen.
Bei den Schuleingangsuntersuchungen der letzten Jahre bewegte sich der Anteil von Kindern mit Sprachauffälligkeiten regelmäßig zwischen 17 und 19%, bei Kindern aus sozial schlechter gestellten Familien lag er deutlich höher. Gleichzeitig liegt in Brandenburg die Versorgungsquote der Kindertagesbetreuung bei Kindern zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt bei über 93%. Die große Zahl sprachauffälliger Kinder verweist einerseits auf eine noch zu geringe systematische Verankerung der allgemeinen Sprachförderung im Kita-Alltag; andererseits bietet sich gerade hier ein geeigneter Rahmen, sprachauffällige Kinder zu identifizieren und ihnen eine gezielte Förderung zukommen zu lassen, um ihre Startchancen in der Schule zu verbessern und zu mehr Chancengleichheit beizutragen.
Das vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport vorgelegte Konzept zur Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung dient insbesondere zur Verbesserung des Schulstarts. Dieses Programm steht allerdings nicht isoliert da, sondern kann und muss im Zusammenhang mit den anderen Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Bildungsarbeit in den Kitas betrachtet werden, beispielsweise den eingeführten "Grundsätzen der elementaren Bildung" und dem Frühwarnsystem für Entwicklungsauffälligkeiten "Grenzsteine der Entwicklung".
Mehr Infos unter: www.mbjs.brandenburg.de
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